Bei einem tragischen Badeunfall an der Ill bei Bludenz in Vorarlberg sind am Sonntag drei Menschen gestorben. Das jüngste Opfer ist erst zehn Jahre alt. Auch der Vater (40) und ein Bekannter (22) ertranken. Die Katastrophe ereignete sich unterhalb eines Wasserfalls.
Sie suchten an einer beliebten Wildbadestelle Abkühlung – und wurden auf unfassbar tragische Weise aus dem Leben gerissen. Am frühen Sonntagabend gegen 17.30 Uhr sprangen ein 10-jähriger Bub und ein 22-jähriger Mann gemeinsam von der Kante eines Wasserfalls in das darunterliegende Bassin der Ill, wo bereits der Vater (40) des Buben badete.
Kurz darauf kam es zur Katastrophe: Alle drei Badenden wurden von einer Wasserwalze erfasst und auf den Grund des Flusses – die Ill ist an dieser Stelle rund 2,5 Meter tief – gedrückt. Aufgrund der enormen Sogwirkung hatten sie keine Chance mehr, aufzutauchen.
Dramatische Rettungsaktion
Der Schwiegervater musste vom Ufer aus mitansehen, wie das Trio regelrecht von der Ill verschluckt wurde. Der Mann sprang sofort in den Fluss und schaffte es unter Aufbringung all seiner Kräfte, seinen bewusstlosen Schwiegersohn aus dem Sog zu ziehen. Wenig später entdeckte ein weiterer Ersthelfer den reglosen Körper des 22-Jährigen und zog ihn ans Ufer – trotz umgehend eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen verstarb der junge Mann noch Ort.
Auch Vater kämpfte vergebens ums Überleben
Der zehnjährige Bub wurde etliche Minuten später rund 300 Meter flussabwärts von einer Passantin entdeckt und mithilfe von zwei weiteren Personen aus dem Wasser geborgen. Nach der Erstversorgung vor Ort ist der Zehnjährige mit dem Rettungshubschrauber ins Landeskrankenhaus Feldkirch geflogen worden, wo er im Laufe des Abends verstarb. Ins selbe Krankenhaus wurde auch sein 40-jähriger Vater gebracht – dieser kämpfte noch stundenlang um sein Leben, ehe er am Montagmorgen seinen schweren Verletzungen erlag.
Großeinsatz für Helfer
Der Unfall löste einen Großeinsatz aus. Insgesamt waren mehr als 180 Kräfte von vier Feuerwehren, der Wasserrettung, der Polizei, dem Roten Kreuz, dem Polizeihubschrauber Libelle sowie einem Rettungshubschrauber vor Ort. Ein Großaufgebot des Kriseninterventionsteams betreute zudem die Angehörigen, die Passanten sowie die Einsatzkräfte nach dem traumatischen Unglück.
Eine Wasserwalze ist ein gefährliches Phänomen in Fließgewässern. Sie entsteht, wenn direkt unterhalb einer schnellfließenden oder fallenden Stufe, etwa ein Wasserfall, ein Teil des Wassers an der Oberfläche gegen die Abflussrichtung zur Stufe zurückfließt und dort von der Hauptströmung erneut erfasst wird – daher auch der Ausdruck „Walze“. Der immensen zyklischen Strömung einer solchen Wasserwalze können auch exzellente Schwimmer kaum aus eigener Kraft entkommen.
Wie konnte das passieren?
So groß der Schock über die Tragödie ist, so stellt sich doch die Frage nach den genauen Hintergründen. Die Badestelle liegt im Mündungsbereich der Alvier in die Ill und ist gerade an heißen Tagen stark frequentiert. Entlang der Ill gibt es mehrere Wasserkraftwerke, wodurch es zu einem rasanten Ansteigen des Wasserpegels kommen kann – am Sonntag sei der Wasserstand aber nicht außergewöhnlich gewesen, hieß in einer ersten Einschätzung der Wasserrettung Vorarlberg. Auch die von Starkregen begleiteten Gewitter im Montafon hätten keine nennenswerten Auswirkungen auf den Wasserpegel gehabt. Generell herrscht derzeit an der Ill aufgrund der generellen Trockenheit Niedrigwasser. Die genauen Ursachen des Unglücks sind nun Gegenstand von Ermittlungen.
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