Skandal-Video

Strache wollte Aufträge für Wahlhilfe vergeben

Österreich
17.05.2019 23:40

Wie ein im Geheimen aufgenommenes Video aus dem Jahr 2017 zeigt, haben der jetzige Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und der aktuelle freiheitliche Fraktionschef Johann Gudenus einer vermeintlich reichen Russin Staatsaufträge angeboten, sofern sie Geld in die Hand nehme und der FPÖ zum Wahlsieg verhelfe. Sie sollte 50 Prozent der Kronen Zeitung kaufen und die Freiheitlichen damit auf Platz eins bringen. Das Treffen war eine Finte - das Video wurde dem „Spiegel“ und der „Süddeutschen Zeitung“ zugespielt.

Die Dame gab sich gegenüber Strache und Gudenus als Nichte eines russischen Oligarchen aus und gab an, ungefähr 250 Millionen Euro in Österreich investieren zu wollen. Obwohl sie mehrmals andeutete, dass es sich dabei um Schwarzgeld handelt, brachen die Spitzenfunktionäre der FPÖ das Gespräch nicht ab und blieben dem „Spiegel“ zufolge sechs Stunden mit der Dame zusammen. Das Treffen soll auf Ibiza stattgefunden haben. Es war eine Falle für die beiden Politiker.

Auf der Terrasse der Finca auf Ibiza (Bild: Der Spiegel, SZ)
Auf der Terrasse der Finca auf Ibiza

Keine Skrupel vor Attacke gegen die „Krone“
In den Gesprächen und Planungen spielte auch die Kronen Zeitung eine wesentliche Rolle. „Wenn sie die Kronen Zeitung übernimmt drei Wochen vor der Wahl und uns zum Platz eins bringt, dann können wir über alles reden“, sagt Strache in dem Video. Die Unabhängigkeit der „Krone“ sollte also geopfert werden, damit die Freiheitliche Partei die Wahl gewinnt.

Der „Sündenfall“: das Ibiza-Video (Bild: Screenshot spiegel.de, SZ)
Der „Sündenfall“: das Ibiza-Video

Im Gegenzug kündigte Strache an, dass die Russin sämtliche Staatsaufträge bekommen werde, die aktuell die Strabag bekomme. „Das Erste in einer Regierungsbeteiligung, was ich heute zusagen kann: Der Haselsteiner kriegt keine Aufträge mehr!“

Rechnungshof sollte übergangen werden
Dem noch nicht genug, erklärten die beiden ihrer Gesprächspartnerin auch, wie sie den Rechnungshof umgehen könne. „Es gibt ein paar sehr Vermögende. Die zahlen zwischen 500.000 und eineinhalb bis zwei Millionen“, so Strache in dem Video. Diese Spenden würden aber nicht direkt an die FPÖ, sondern an einen Verein überwiesen werden. „Der Verein ist gemeinnützig, der hat auch nichts mit der Partei zu tun. Dadurch hast du keine Meldungen an den Rechnungshof.“

(Bild: Screenshot spiegel.de)

Strache nennt auch, wer diese Personen seien: Gaston Glock, Heidi Horten, Novomatic und auch Immobilieninvestor René Benko. Die Betroffenen haben diese Aussagen gegenüber den deutschen Medien dementiert.

Wer das Video aufgenommen hat und wieso es fast zwei Jahre später - kurz vor der EU-Wahl - veröffentlicht wurde, ist unklar.

Thomas Zeitelberger
Thomas Zeitelberger
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