So, 17. Februar 2019
08.02.2019 11:18

„Premium“-Kleinwagen

Audi A1: Ganz schön viel Geld für das bisserl Auto

Wer viel Geld für ein Auto ausgeben, aber nur einen Kleinwagen anschaffen will, hat es nicht leicht. Die Auswahl an Premium-Kleinwagen ist überschaubar. Mini vielleicht. Und eben der Audi A1, der von einer Premiummarke kommt und für mich auf den ersten Blick auch so wirkt mit seinem S-Line-Design. Schnittig, ausgefeilt, sportlich-elegant. Doch wenn ich dann in meinen blitzblauen Testwagen einsteige und mir auch noch Preis und Ausstattung anschaue, stellt es mir die Haare auf: Was in aller Welt soll hier 34.000 Euro kosten?!

„Ja, klar, der ist sicher bis unters Dach voll mit Ausstattung“, werden Sie jetzt sagen. Das dachte ich auch. Bis ich den Schlüssel ins Zündschloss gesteckt habe. Richtig, kein Startknopf, kein Keyless Go. Nur eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung, die es sogar schon bei Dacia gibt. Beim Ausparken die nächste Überraschung: keine Rückfahrkamera, nur Parkpiepser (die es auch bei Dacia …).

Immerhin hat er ein herrlich großes (10,1 Zoll), kaltes, gestochen scharfes Navitainment-Display, das dem Fahrer zugewandt ist, aber sehr flach im Armaturenbrett liegt. Auch das Virtual Cockpit ist (aufpreispflichtig) an Bord, ist hier aber ziemlich sinnlos, denn: Es gibt kein Navi, sondern nur die Vorbereitung dafür. Die Aktivierung kostet 1400 Euro extra!

Auch ansonsten wurde im Innenraum gespart. Von wegen Premium. Ja, der Kunststoff oben auf dem Dashboard ist hochwertig und fühlt sich gut an. Adäquat, würde ich sagen. Der Rest ist hartes Plastik wie bei den Konzernbrüdern von VW, Seat oder Skoda. Dazu ein bissl Klavierlack-Plastik sowie Riffelblech-Plastik als Blende direkt vor dem Beifahrer, auch hart. Vorbildlich sind die zwei Arten USB-Buchsen in der Mittelkonsole.

Plastik ist offenbar überhaupt sehr beliebt in Ingolstadt. So viel Plastik außen an der Karosserie, Blenden, Lüftungsfakes! Aber das gehört zur teuren S Line und geht fast schon wieder als premium durch; mittlerweile ist so etwas auch bei den großen, teuren Limousinen aller Marken üblich. Und es macht optisch auch was her. Okay, manches ist so cool wie der Plastikspoiler, den wir uns früher aufs Heck geklebt haben, z.B. diese Aussparungen unterhalb der Motorhaube, die vorgeben, dass sie das übermächtige Triebwerk des Boliden mit Luft versorgen. Tun sie nicht. Einfach nur schwarzes Plastik.

Die Überraschung: der Dreizylinder
Apropos übermächtiges Triebwerk: Der Motor ist für mich die Überraschung an dem Auto. Es ist ein aufgeladener 999-ccm-Dreizylinder-Benziner, der 116 PS leistet. Ursprünglich dachte ich, Dreizylinder ist ja schon die nächste Niederlage für einen Premium-Kleinwagen, doch das Motörchen macht richtig Spaß. Nach einer Turbo-Gedenksekunde presst es 200 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle, schiebt kräftig an - und bleibt dabei akustisch relativ gut im Hintergrund.

Natürlich macht die beste Dämmung einen Dreizylinder nicht zum akustischen Hochgenuss, aber er nervt wenigstens nicht. Stattdessen ermöglich er durchaus sportlichen Antritt und beschleunigt den nach DIN 1105 kg leichten Audi A1 in 9,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und dann weiter bis 203 km/h.

Dass er im Testschnitt 7,8 Liter auf 100 Kilometer konsumiert hat (NEFZ-Verbrauch 4,8 l/100 km), wirft allerdings die nächste Frage auf: Warum haben sie nicht gleich einen Vierzylinder genommen? Der würde wohl auch nicht mehr Sprit schlucken.

Und so fährt sich der Audi A1
Prinzipiell fährt sich der „Audi A1 Sportback 30 TFSI S Line“ spritzig und erwachsen. Die optionalen Sportsitze sind bequem und bieten guten Halt, die Sitzposition ist nicht zuletzt wegen der verschiebbaren Mittelarmlehne gut, das Sportfahrwerk (Serie bei S Line) straff, aber nicht unkomfortabel. Die Bremsen sind eine Spur zu giftig, dafür ist die Lenkung um die Mittellage schwammig und gefühllos. Wenn dann noch Seitenwind dazukommt, wird‘s unangenehm.

Der Schalthebel flutscht geschmeidig durchs Sechsganggetriebe, wirkt optisch aber eher wie ein Automatikwählhebel und fasst sich wegen seiner seitlichen Aussparungen auch nicht so gut an (aber besser als z.B. der Automatikwählhebel in einem neuen 8er-BMW!).

Unterm Strich
34.000 Euro für 4,03 Meter Auto, und man müsste noch weiter investieren, damit es wirklich passt. Auch ohne größeren Motor geht die Fahrt dann schon in Richtung 40.000 Euro, schon die Automatik kostet 2000 Euro. Und da ein Dreizylinder (trotz guter Dämmung) nicht jedermanns Sache ist, wird man vielleicht auch motormäßig aufrüsten, wenn man es sich leisten kann. Da bietet sich der 35 TFSI mit 1,5-Liter-Vierzylinder mit 150 PS oder gar der 40 TFSI mit 200 PS an.

Der Basispreis für den Audi A1 Sportback 30 TFSI beträgt übrigens 22.700 Euro, mit S Line 25.430 Euro

Ein wirklicher Grund, den Audi A1 und nicht z.B. einen Seat Ibiza zu nehmen, fällt mir nicht ein. Zumal der Audi A1 auch noch weniger Platz auf der Rückbank bietet. Aber manchmal reicht es ja schon, dass etwas mehr kostet. Das nennt man dann aber nicht premium, sondern Luxus.

Warum?
Spritziger Kleinwagen mit sportlicher Optik
Überraschend unnerviger Dreizylindermotor

Warum nicht?
Viel zu teuer

Oder vielleicht …
… Mini Cooper, Seat Ibiza, VW Polo, Hyundai i20

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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