Vor Gericht kämpfte er um seinen Ruf - erfolgreich. Die Kosten dafür summierten sich allerdings auf rund 250.000 Dollar, seine gesamten Ersparnisse. Sogar einen Kredit musste er aufnehmen, ehe eine Computerexpertise der Verteidigung seine Unschuld bewies. Sein Laptop war mit Schadprogrammen verseucht, die den Computer in der Minute bis zu 40 kinderpornografische Seiten besuchen ließen. Als Fiola und seine Frau eines Abends in einem Restaurant aßen, loggte sich jemand in seinen Computer ein und lud rund eineinhalb Stunden lang Pornos herunter. Die Staatsanwaltschaft ließ die Anklage nach elf langen Monaten fallen.
"Es hat mein Leben ruiniert, das Leben meiner Frau und das meiner Familie", sagte Fiola der AP. Auch ihre Gesundheit habe schwer gelitten. Aus finanziellen Gründen findet das Paar keinen Anwalt, der den Staat auf Schadensersatz verklagen will. Die Staatsanwaltschaft von Massachusetts hat eine Stellungnahme zu dem Fall abgelehnt. Aus Großbritannien sind ebenfalls mindestens zwei Fälle bekannt, in denen die Anklagen gegen PC-Besitzer aufgrund von Schadprogrammen fallengelassen wurden.
Verteidigung für Betroffene oft nicht leistbar
Es gibt aber auch Fälle, in denen es den Verdächtigen nicht gelang, ihre Unschuld zu beweisen - zum Teil, weil sie sich die aufwendige Verteidigung nicht leisten konnten. Tami Loehrs, die die Untersuchung von Fiolas Computer durchgeführt hat, verweist auf den Fall Ned Solon aus dem US-Staat Wyoming. Solon gestand, dass er ein File-Sharing-Programm für illegale Musikdownloads und pornografische Inhalte nutzte. Er bestreitet jedoch, jemals Kinderpornos heruntergeladen zu haben.
Loehrs fand eindeutige Beweise dafür, dass Solons Anti-Virus-Programm teils nicht funktionierte und die Tür für Downloads durch Schadprogramme damit offenstand. Die Staatsanwaltschaft wies das Argument jedoch zurück. Loehrs musste ihre Arbeit einstellen, weil der Richter die Untersuchung nicht zahlen wollte. Solon wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. Eine Berufung ist anhängig.
Virus oftmals beliebte Ausrede für Pädophile
Ermittler warnen jedoch, dass es bei Verdächtigen, die mit Kinderpornografie erwischt wurden, eine beliebte Ausrede sei, die Schuld auf Viren zu schieben. Wirkliche Pädophile könnten sich damit jedoch kaum rausreden, erklärt der Experte für Computerforensik, Jeff Fischbach. Selbst die vorsichtigsten Pädophilen hinterließen meist belastende Spuren wie etwa E-Mails oder DVDs. Dafür könnten Viren nicht als Ausrede herhalten, sagt auch Damon King von der Abteilung für Kindesmissbrauch und Pornografie des US-Justizministeriums.
"Es ist ein Beispiel für die alte Ausrede 'Der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen'", sagt Phil Malone vom Institut für Internetrecht der Harvard University. "Das Problem ist aber, dass der Hund manchmal tatsächlich die Hausaufgaben frisst". Der Jurist Eric Goldman hat bereits Internetunternehmen vertreten, deren legale Plattformen von Pädophilen missbraucht wurden. Die Viren seien "wie Heuschrecken, die sich auf ein Maisfeld stürzen: Sie fressen alles, was sie kriegen können, dann ziehen sie weiter zum nächsten Feld", sagt der Direktor des Zentrums für IT-Recht der Universität Santa Clara.










Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.