Mo, 23. Juli 2018

Anti-Cybercrime-Draht

04.05.2018 09:01

24-Stunden-Hotline für Wiener Firmen gestartet

Anzeigen wegen Cybercrime-Delikten sind im Vorjahr in Österreich um rund 28 Prozent gestiegen. „Wien ist der Brandherd der Internetkriminalität“, sagte Martin Heimhilcher, Obmann der Sparte Information und Consulting in der Wiener Wirtschaftskammer. Die Wirtschaftskammer Wien startete deshalb eine Notfall-Hotline für betroffene Unternehmen.

In der Bundeshauptstadt stiegen die angezeigten Cybercrime-Straftaten im Vorjahr um knapp 32 Prozent. Rund ein Drittel aller Internetkriminalitäts-Fälle in Österreich betreffen damit Wien. Internationale Erhebungen gehen von einem weltweiten Schaden von 600 Milliarden US-Dollar durch Cybercrime im Jahr 2017 aus, sagte Heimhilcher. „Für Österreich bedeutet das einen Schaden von mehreren Millionen Euro“, meinte der Experte.

24-Stunden-Hotline für Cybercrime-Opfer
Den betroffenen Firmen will die Wirtschaftskammer Wien nun ab sofort unter der Telefonnummer 0800-888-133 helfen, die Hotline ist 24 Stunden besetzt. Acht zertifizierte Experten-Unternehmen bieten Firmen im Schadensfall rasche Hilfe und vermitteln Spezialisten.

2017 wurden in Wien knapp 5600 Cybercrime-Delikte angezeigt, erläuterte Leopold Löschl, Leiter des Cybercrime Competence Centers im Bundeskriminalamt. „In den letzten vier Jahren lag das Wachstum immer über 30 Prozent.“ Laut dem Experten ist die „Anzeigenmotivation nicht sehr hoch“, die Dunkelziffer der Delikte, die nicht gemeldet werden, dadurch „sehr hoch“. „Es kann jeder Opfer von Cyberkriminalität werden, es ist für niemanden eine Schande und kein Grund, sich zu schämen“, betonte Löschl.

Täter werden immer einfallsreicher
Außerdem werden die Täter „immer einfallsreicher und professioneller“. So waren etwa „Phishing-Mails früher vor allem aufgrund sprachlicher Unzulänglichkeiten noch relativ einfach zu erkennen. Das ist heute deutlich schwieriger. Zudem versuchen Kriminelle, ihre Opfer zusätzlich in Stresssituationen zu bringen“, sagte Löschl. „Wichtig ist, dass Cybercrime-Opfer die Tat auch unbedingt bei der Polizei anzeigen.“ Rund 50 Experten sind im Cybercrime Competence Center tätig, Fälle können in der eigenen Meldestelle jederzeit via Mail unter against-cybercrime@bmi.gv.at bekanntgegeben werden.

„Die häufigsten Angriffswege sind E-Mail, Web-Browser, das Netzwerk, Social Engineering und nicht zu vergessen Datenträger wie USB-Sticks“, erläuterte Harald Wenisch, IT-Sicherheitsexperte und Sprecher der IT Security ExpertsGroup der Wirtschaftskammer. „Mit Abstand am häufigsten wird für Cyberangriffe auf Unternehmen Ransomware, also Schadsoftware, die Computer und Daten verschlüsselt, eingesetzt. Das bewegt sich zwischen 40 und 60 Prozent, je nach Unternehmensgröße.“

Betrug und Phishing besonders gefährlich
Die zweithäufigsten „Angriffswerkzeuge“ sind laut Wenisch Betrug und Phishing. Besonders verwundbar sind KMU und Unternehmensbereiche wie die Personalabteilung und der Vertrieb. „Sie erhalten regelmäßig E-Mails von fremden Personen, sind gewöhnt, unterschiedlichste Attachments zu öffnen und auf unbekannte Links zu klicken“, sagte Wenisch.

Auch Martin Puaschitz, Obmann der Fachgruppe UBIT Wien - Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie, riet, auf jeden Fall Anzeige zu erstatten. Ihm seien Fälle bekannt, in denen Firmen dies nur tun, wenn eine Versicherung vorhanden ist und diese eine Strafanzeige fordert. Puaschitz empfahl auch, die Mitarbeiter in Bezug auf Cyberattacken zu sensibilisieren. Außerdem sollte die verwendete Software, besonders Antivirenprogramme und Firewalls, immer auf dem letzten Stand sein.

„Oft ist Prävention auch sehr einfach. Würde man einem Mann glauben, der vor dem Bankomat steht und sagt: ‘Grüß‘ Sie, ich bin Ihr persönlicher Bankberater und erleichtere Ihnen die Arbeit - geben Sie mir Ihre Karte samt PIN-Code?‘ Ich glaube nicht. Gleiches gilt auch für das Internet“, sagte Puaschitz.

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