Mo, 18. Juni 2018

Datenschutzskandal

09.04.2018 13:00

Kongress will Zuckerberg in die Mangel nehmen

Nach dem Datenskandal will Facebook-Chef Mark Zuckerberg seine Anhörung vor mehreren Ausschüssen des US-Kongresses offenbar gut vorbereiten. Zwei Abgeordnete sagten der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag, der Chef des weltgrößten sozialen Netzwerks werde sich am Montag bereits mit mehreren Parlamentariern treffen. Dabei seien auch Politiker aus den betreffenden Ausschüssen.

Facebook wollte sich nicht zu den Informationen äußern. Zuckerberg ist am Dienstag zunächst als Zeuge bei einer gemeinsamen Sitzung des Rechts- und des Handelsausschusses im Senat geladen. Am Mittwoch steht eine weitere Befragung im Ausschuss für Energie und Handel des US-Abgeordnetenhauses an. Für Facebook könnten Zuckerbergs Auftritte im Kongress schicksalhaft werden: Das Netzwerk sieht sich der Bedrohung einer schärferen Regulierung ausgesetzt, die sein Geschäftsmodell beeinflussen könnte. Mehrere Senatoren und Abgeordnete kündigten in den vergangenen Tagen bereits an, dass sie den Facebook-Chef in die Mangel nehmen wollen.

Bei dem Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App vor über vier Jahren Informationen von Nutzern unrechtmäßig an die Analyse-Firma Cambridge Analytica weitergereicht, die später unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump gearbeitet hatte. Dabei ging es nicht nur um die Daten der Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde. Nach Einschätzung von Facebook könnten die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit betroffen sein - darunter potenziell bis zu 33.568 Österreicher. Cambridge Analytica selbst erklärte, man habe Informationen zu 30 Millionen Nutzern erhalten.

Facebook wusste seit Ende 2015 von der unerlaubten Daten-Weitergabe - gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass die Daten vernichtet worden seien und informierte die Nutzer nicht. Zudem räumte Facebook vergangene Woche ein, dass es möglich war, massenhaft öffentlich zugängliche Informationen der Nutzer abzugreifen, wenn man über deren Telefonnummer oder E-Mail-Adresse verfügte. Damit hätten zum Beispiel Versender von Spam-Mails ihre Nachrichten punktgenauer auf einzelne Personen zuschneiden können.

Um Schadensbegrenzung bemüht
Zuckerberg gibt sich bereits seit Tagen Mühe, die Situation zu entschärfen. In Blogeinträgen und einer einstündigen Telefonkonferenz mit Journalisten räumte er Fehler ein und versprach schärferen Datenschutz für die Zukunft. Zudem reduzierte Facebook bereits den Zugriff von App-Entwicklern auf Nutzerinformationen deutlich und ergriff Maßnahmen für mehr Transparenz bei Anzeigen mit politischen Themen und Wahlwerbung. Zugleich bekamen Nutzer mehr Möglichkeiten zum Schutz ihrer Privatsphäre gemäß der EU-Datenschutzgrundverordnung.

Bei den Anhörungen könnte neben dem Datenschutzskandal auch die russische Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 zur Sprache kommen. Unter anderem die in Russland ansässige Gruppe Internet Research Agency hatte in großem Stil versucht, über gefälschte Facebook-Profile soziale Spannungen in den USA zu verschärfen und Stimmung für den schließlich siegreichen Kandidaten Donald Trump zu machen.

 krone.at
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