"Wir bekommen Echtzeit-Informationen, anstatt im Warteraum herumzusitzen und nicht zu wissen, was passiert", sagte Joe Cleary nach der Operation seiner Mutter. "Die Zeit geht so schneller vorbei." Zusammen mit seinem Bruder, zwei Schwestern und einer Schwägerin verfolgte er die Operation am Laptop im Wartezimmer. "Wir haben alle das Gefühl, dass dies eine gute Sache war."
Vor dem Eingriff gab die Patientin ihre Einwilligung zu dem Vorhaben - musste aber erst einmal erklärt bekommen, was Twitter eigentlich ist. "Ich bin nicht so sehr die Computerexpertin", sagte Monna Cleary. Der Chirurg Jerry Rozeboom erklärte, die Patientin sei für das Projekt ausgewählt worden, weil sie einen besonders offenen Eindruck mache. Wenn es bei der Operation zu einer Komplikation gekommen wäre, hätte man das Twittern eingestellt.
300 Tweets in drei Stunden
Klinik-Sprecherin Sarah Corizzo verschickte in gut drei Stunden mehr als 300 Tweets von der Anästhesie bis zur Ankunft der Patientin im Ruheraum. Sie saß dabei an einem Computer unmittelbar neben der sterilen Zone und hatte den vollen Blick auf das Operationsgeschehen.
"Lokale Betäubung an der Einstichstelle, jetzt wird der erste Stich angesetzt", twitterte Corizzo. Später hieß es dann: "Jetzt trennt der Arzt Gefäße und Bänder, die die Eierstöcke mit dem Uterus verbinden." Nach einem Tweet mit der Information "Jetzt wird das Peritoneum geöffnet" kam aus dem Kreis der nahezu 700 Follower die Frage, was das denn ist. Corizzo schickte die Erklärung hinterher, dass es sich dabei um die Bauchfelldecke handle.
"Videoübertragung zu intensiv"
Die Idee zu der Twitter-Aktion folgte einem Webcast aus dem Operationssaal vor einigen Monaten. Aber für viele Interessenten sei die Videoübertragung zu intensiv gewesen, erklärte Laura Rainey, eine weitere Kliniksprecherin. "Das ist ein behutsamerer Ansatz, um Patienten und andere zu informieren."
Die Klinik in Iowa war nicht die erste, die eine Operation über Twitter an die Öffentlichkeit berichtete. Das Henry Ford Krankenhaus in Detroit hat seit Jänner über mehrere Operationen getwittert. Und im Mai twitterte eine Kinderklinik in Dallas, als ein Vater seinem Sohn eine Niere spendete. "Ich hatte das Gefühl, dass ich Teil der Operation meines Mannes war und auch bei meinem Sohn dabei war", sagte Amanda Gillbret zu der Nierentransplantation in Dallas. "Das hat mir sehr viel Frieden gegeben und es war einfach tröstlich, dass ich wusste, was gerade passiert."
Wird Gezwitscher zum Regelfall?
Ob das Twittern vom Operationstisch zu einer regelmäßigen Einrichtung wird, ist allerdings völlig offen. In Cedar Rapids und in Dallas erklärte die Klinikleitung, dass sie offen dafür sei, wenn sowohl der Chirurg als auch der Patient einverstanden seien.
Bei der Operation von Monna Cleary beschrieb Corizzo detailliert die dabei verwendeten medizinischen Geräte. Außerdem verschickte sie Fotos ins Netz, die beispielsweise zeigten, wie die Bauchdecke wieder genäht wurde. Als alles vorbei war, setzte Corizzo einen letzten Tweet ab, in dem sie sich an die Familie der Patientin wandte: "Ihr geht es großartig. Sie wird euch schon bald sehen."
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