Was Menschen sich schon immer gewünscht haben, können jetzt Computer: Gedanken lesen. Das Berliner Fraunhofer- Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik (FIRST) präsentiert auf der Computermesse CeBIT in Hannover ein solches Projekt, das zusammen mit der Klinik für Neurologie der Freien Universität Berlin entwickelt wurde.
Dabei werden die Gehirnströme des Menschengemessen, die ein lernfähiges Computersystem analysiert undin Steuerungssignale umwandelt. "Man steuert den Rechner nur überGedanken", erklärte Matthias Krauledat vom FIRST am Samstag.
Derzeit ist es zum Beispiel möglich, simpleComputerspiele damit zu bedienen, bei denen man einen Cursor nachrechts oder links bewegen muss. Bevor dies funktioniert, mussder Computer sich auf die Gehirnströme der Testperson einstellen.Dazu gibt der Mensch in Gedanken dem Rechner etwa 20 Minuten aufKommando Links- und Rechts-Befehle. Das System misst dann, welcheGehirnströme bei den jeweiligen Befehlen ablaufen, und kannsie nach der Testphase von sich aus erkennen.
"Lass die Maschine lernen" "Unser Motto ist: "Let the machine learn (Lass dieMaschine lernen)", sagte FIRST-Sprecherin Mirjam Kaplow. Bei anderenProjekten sei dies umgekehrt. Da müssten die Testpersonenversuchen, ihre Gehirnsignale dem Computer anzupassen. Das könnebis zu 300 Stunden dauern. Deshalb sei die Technik des FIRST einzigartig.Die Forschung konzentriert sich auf die Medizin. Die Forscherhaben sich zum Ziel gesetzt, dass Menschen mit amputierten Gliedmaßenihre Prothese vom Gehirn aus steuern können. Versuche mitgesunden Menschen, die mit ihren Gedanken einen virtuellen Armsteuerten, seien erfolgreich verlaufen, berichtete Kaplow. Nunstünden Tests mit Betroffenen an.
Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Rehabilitation.Theoretisch sei es mit dem System jetzt schon möglich, Textzu verarbeiten, erläuterte Krauledat. Dabei wird ein Ballauf dem Monitor zu den jeweiligen Buchstaben gesteuert. Allerdingsdauert dies noch recht lange. Ungefähr zehn Sekunden brauchees für einen Buchstaben. "Für Behinderte, die sich andersnicht mehr verständigen können, ist das aber eine Hilfe",meinte Krauledat.
Denkbar ist es, dass die Technik eines Tages beiSicherheitstechnologien im Auto eingesetzt wird. "200 Millisekundenbevor eine Bewegung erfolgt, kann sie der Computer erkennen",sagte Kaplow. So könnten zum Beispiel vor einem Zusammenstoßrechtzeitig die Sicherheitsgurte gestrafft werden.
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