Schönfärbend wird Kanzler Christian Stocker oft als „Buddha“ bezeichnet. Das größte Ideal des Buddhismus ist bekanntlich das Nirvana. Nirvana heißt wörtlich Erlöschen. Und ein solches Erlöschen im politischen Sinne könnte Buddha Stocker bald blühen. Wenn er nämlich, so wie im Falle der Wehrdienstzeit, zu schwach ist, seine Ziele zu erreichen.
EINERSEITS ist das was der Bundespräsident ständig predigt, nämlich der Kompromiss in der Demokratie unumgänglich. Allzumal wenn es sich um eine Koalitionsregierung dreier sehr unterschiedlicher Parteien handelt.
ANDERERSEITS geht es bei der Reform des Wehrdienstes um die Sicherheit unseres Landes und damit um eine Überlebensfrage, die weit über allem Parteiengezänk und damit auch über dem Koalitionsfrieden stehen muss. Und da sind faule Kompromisse verantwortungslos.
Stocker hat nun weder die von der Expertenkommission präferierte Lösung „8 plus 2“, noch die von ihm angekündigte Volksabstimmung durchgesetzt. Beides hätte er aber mit den Freiheitlichen im Interesse der Republik locker umsetzen können, auch wenn SPÖ und NEOs getobt hätten. Für einen Bruch der Koalition wären sie aber gewiss zu schwach, hätte dies doch einen Erdrutschsieg der FPÖ bedeutet.
Stattdessen bleibt alles wie es war, nämlich bei sechs Monaten Wehrdienst und Übungen, von denen sich die meisten wohl drücken werden. Wie schrieb Franz Grillparzer in „Ein Bruderzwist im Hause Habsburg“: „Auf halben Wegen und zu halber Tat, mit halben Mitteln zauderhaft zu streben …“ Das ist Österreich und das ist Kanzler Stocker!
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