31.07.2009 17:13 |

Militär-PCs gehackt

"Ufo-Exzentriker" vor der Auslieferung an die USA

Von seinem Schlafzimmer in London hackte er sich in Dutzende Computer des US-Militärs, angeblich wollte er nur Informationen über Ufos sammeln. Doch dem Briten Gary McKinnon droht nun nach einem sieben Jahre langen Rechtsstreit endgültig die Auslieferung an die USA. Am Freitag verlor der 43-Jährige vor Gericht in London seinen bislang letzten Versuch, die Auslieferung zu stoppen. In den USA wartet auf ihn möglicherweise eine lebenslange Gefängnisstrafe - obwohl er an Asperger-Syndrom, einer Form von Autismus, leidet. Der Fall sorgt seit langem für Schlagzeilen, Menschenrechtler wie Politiker zeigen sich entsetzt.

Zwischen 2001 und 2002 soll der arbeitslose Mann fast 100 Computer der US-Armee, der Luftwaffe, der Marine und des Pentagons sowie der Raumfahrtbehörde NASA angezapft haben. Die US-Behörden beschuldigen ihn, unter anderem 950 Passwörter gestohlen und Daten gelöscht sowie ein wichtiges System beim Militär nach den Terroranschlägen vom 11. September in New York lahmgelegt zu haben.

USA: "Größter Militär-Hack aller Zeiten"
Für die USA war das "der größte Militär-Hack aller Zeiten", für McKinnon selbst allerdings nur die Suche nach Beweisen für außerirdisches Leben. Seine Anwälte nannten ihn einen "Ufo-Exzentriker" und keinen Mann, der eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA darstellte. Ihr Mandant gestand, die Computer gehackt zu haben, allerdings nicht in böser Absicht. Der Schaden belief sich laut US-Behörden auf rund 800.000 Dollar.

"Ernsthafter Verbrechen" beschuldigt
Sowohl das britische Innenministerium als auch die Staatsanwaltschaft hatten McKinnon einen Prozess in der Heimat verweigert, der ihn vor der Auslieferung schützen würde - denn die Beweise lägen zum großen Teil in den USA. Die Richter am High Court urteilten nun, dass eine Auslieferung eine "rechtmäßige und angemessene Antwort auf seine Tat" sei. Innenminister Alan Johnson betonte, McKinnok sei "ernsthafter Verbrechen" beschuldigt, die USA hätten ein Recht, die Auslieferung zu fordern.

Verteidiger orten Selbstmordgefahr
Seine Verteidiger wollen eine Haft in den USA, die bis zu 70 Jahre betragen könnte, aber um jeden Preis verhindern und kämpfen sich durch die Instanzen. "Desaströse Folgen" für die Gesundheit des Mannes hätte eine Auslieferung, auch von Selbstmordgefahr ist die Rede. "Gary ist nicht in der Lage, mit dem amerikanischen Strafsystem zurechtzukommen, es gibt klare Beweise, dass er einen schweren Zusammenbruch erleidet, wenn er ausgeliefert wird", sagte Anwältin Karen Todner.

Mutter richtet Appell an Obama
McKinnons Mutter, Janis Sharp, wandte sich am Freitag an US-Präsident Barack Obama mit der Bitte, "diese Welt zu einem besseren Ort" zu machen. "Obama würde nicht wollen, dass der erste Mann, der wegen Computermissbrauchs ausgeliefert wird, ein Kerl mit Asperger-Syndrom, ein Ufo-Typ ist." Zusammen mit 40 Abgeordneten sandte sie einen Brief an den Präsidenten, in dem sie ihn aufriefen, mit dieser "beschämenden Episode" Schluss zu machen.

Mehrere Berufungen abgewiesen
Ob McKinnon erneut Berufung einlegen kann, soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden, erklärte das Gericht. Der Hacker hatte schon zuvor einmal vor dem High Court sowie auch vor dem House of Lords, der höchsten Gerichtsinstanz in Großbritannien, und vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verloren.

Prominente gegen Auslieferung
Menschenrechtler, Politiker und Prominente stellen sich an die Seite des Hackers. Trudie Styler, die Frau von Popstar Sting, sagte, das Urteil sei "der Tod des normalen Menschenverstandes". Zuvor hatten britische Musiker sogar einen Song für McKinnon aufgenommen (siehe Story in der Infobox). Der Innenexperte der oppositionellen Tories, Chris Grayling, sprach am Freitag von "sehr enttäuschenden Nachrichten". Die Krankheit des Mannes müsse in dem Fall mehr in Betracht gezogen werden.

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