Für Richard Lietz bedeutet die „Ennstal Classic“ weit mehr als schöne Autos und sportlichen Ehrgeiz. Zwischen dröhnenden Motoren, malerischen Bergstraßen und selten bereisten Gegenden findet der sechsfache Le-Mans-Sieger vor allem eines: echten Genuss. Die „Krone“ durfte mit dem gebürtigen Niederösterreicher den Grand Prix bestreiten und ihn begleiten.
Wenn sich rund 200 Oldtimer ihren Weg durch die Ennstaler Bergwelt bahnen, die Sonne auf poliertem Chrom glänzt und an den Straßenrändern zahlreiche Fans warten, ist Richard Lietz ganz in seinem Element. Der 42-Jährige kennt das Gefühl, ein Auto am Limit zu bewegen wie kaum ein anderer. Bei der Ennstal-Classic geht es für den Porsche-Werksfahrer aber nicht ausschließlich um Geschwindigkeit – sondern um das Erlebnis hinter dem Steuer.
„Ich genieße es einfach, mit schönen Autos durch schöne Gegenden zu fahren“, schwärmt Lietz. Gerade jene Orte, die abseits seiner beruflichen Rennstrecken liegen, machen für ihn den besonderen Reiz der Traditions-Rallye aus. „Mit einem wunderschönen Auto die Landschaft in Österreich erkunden, Gegenden, in die ich sonst selten komme – das genieße ich einfach.“
Zwei Welten, eine große Leidenschaft
Zwischen einem Langstreckenrennen und einer Ausfahrt im Oldtimer liegen für Lietz Welten – und doch verbindet beides die Liebe zum Automobil. Im professionellen Rennsport zählt jedes noch so kleine Detail. „Wir müssen im Langstreckensport das Auto perfekt abstimmen für eine Fahrzeit von ungefähr zwei Stunden“, erklärt er. Dazu kommt der sportliche Ehrgeiz, der auch nach zahlreichen Erfolgen nicht verschwunden ist: „Den anderen zu schlagen, das ist einfach der Reiz an der Sache.“
Bei der „Ennstal Classic“ darf der Blick hingegen auch einmal über den Streckenrand hinausgehen. Statt „nur“ Rundenzeiten und Platzierungen im Kopf zu haben, kann Lietz die Landschaft, die Menschen und natürlich die automobilen Raritäten genießen. Ein Kontrastprogramm zum Rennfahrer-Alltag – allerdings eines, das ihm ausgesprochen gut gefällt.
Als Beifahrer lieber nicht zu viele Tipps
So souverän Lietz selbst hinter dem Lenkrad sitzt, so schwierig scheint für ihn der Platz daneben zu sein. Auf die Frage, ob er denn auch ein guter Beifahrer sein könne, muss der Rennprofi schmunzeln.
„Ich glaube, ich bin ein schlechter Beifahrer“, gibt er ehrlich zu. Ganz ohne fachkundige Ratschläge geht es offenbar auch abseits der Rennstrecke nicht: „Ich meine es zwar immer gut, aber niemand will diese Tipps hören, die ich im Guten weitergebe.“
Erfolg ist niemals selbstverständlich
An großen sportlichen Träumen hätte es Lietz nach seinen Siegen und Titeln eigentlich nicht mehr zu mangeln. Trotzdem weiß er, wie schnell sich im Motorsport alles verändern kann. „Im Leben oder im Sport ist es sehr schwierig, dass man erfolgreich ist und erfolgreich bleibt und trotzdem Spaß an der Sache hat.“
Anstatt verbissen dem nächsten Pokal hinterherzujagen, hat der Rennfahrer deshalb seine Einstellung verändert. „Seit einiger Zeit habe ich den Gedanken, dass ich nur noch Dinge mache, die mir Spaß machen.“ Eine Philosophie, die sich offenbar bezahlt macht: „Seitdem haben wir zweimal Le Mans gewonnen und sind Weltmeister geworden.“ Diesen Lauf möchte Lietz möglichst lange fortsetzen. „Dieses Momentum versuche ich mitzunehmen. Und jeden Tag zu genießen, weil das ist nicht selbstverständlich.“
Bei der „Ennstal Classic“ gelingt ihm das jedenfalls besonders gut: schöne Autos, traumhafte Landschaften und jede Menge Fahrspaß. Nur auf dem Beifahrersitz sollte man wohl lieber nicht mit völliger Ruhe rechnen.
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