Alphörner zum Sonnenaufgang am Schöckl: Am Sonntagmorgen wird im Rahmen der Styriarte Maria Gstättners neues Stück „Ambrosia“ uraufgeführt. Die „Krone“ traf die gebürtige Steirerin zum Gespräch über den Stand der Neuen Musik und den klaren Geist am Morgen.
„Krone“: Frau Gstättner, wenn die Sonntags-„Krone“ ausgetragen wird, wird gerade Ihr neues Stück „Ambrosia“ für vier Alphörner und Brassquintett uraufgeführt – um 5 Uhr früh am Schöckl. Wie kam es dazu?
Maria Gstättner: Das ist ein Auftragswerk für die Styriarte. Ich habe vorher noch nie für Alphörner komponiert – da habe ich viel gelernt. Sie können nur eine gewisse Anzahl an Naturtönen spielen, aber klingen schön und sehr archaisch.
Wie oft sind Sie um 3 Uhr früh auf den Schöckl gegangen?
Um 3 Uhr ehrlich gesagt nie, aber um 7 Uhr. Ich kenne den Schöckl. Ich bin lange dort gesessen, habe die Umgebung auf mich wirken lassen und gewartet, was kommt.
Und was kam?
Ein Jodler. Ich habe mich zuerst darüber gewundert, aber auch beim zweiten Mal war er immer noch da. Das ist die Grundlage. Das Stück beginnt mit einer Klangmeditation. Die Zeit zwischen 4 und 6 Uhr ist in vielen Kulturen heilig, weil der Geist dann oft ganz klar ist. Für die Blechbläser gibt es einen schönen Choral. Das verdichtet sich und geht zum Schluss auf in einen lebensfrohen Rhythmus.
Sehen Sie Ihre Musik lieber in solchen Kontexten oder im klassischen Konzertsaal aufgeführt?
Ich liebe solche Aufträge, weil Ort und Menschen am wichtigsten sind. Die Energie ist eine ganz andere. Ich versuche, den Raum als Faktor mitzukomponieren.
Wie steht es um die Neue Musik in Österreich aus Ihrer Sicht? Hat sie ausreichend Platz bei Festivals wie der Styriarte?
Im österreichischen Kunstförderungsgesetz steht, sie sei vorrangig zu fördern. Eigentlich finden jeden Tag zig Gesetzesbrüche statt. Viel mehr Steuergeld wird in die Konservierung und Reproduktion von vermeintlich etablierten Musiken gesteckt als in die Neuschaffung von Musik, veraltete Geschlechterrollen inklusive. Was die Musik kann – nämlich Transformations- und Kontemplationsräume öffnen, Wohlbefinden schaffen –, das ist in der kapitalistischen Kunstproduktion vielerorts nicht erwünscht. Es gibt aber auch positive Ausnahmen.
Apropos Geschlechterrollen: Hat man es noch heute als Komponistin schwerer als als Komponist?
Man hat anders zu kämpfen. Ohne Netzwerk keine Aufträge, die Gagen sind oft niedriger – aber viele Frauen verlangen auch zu wenig. Vom Kulturministerium gab es eine tolle Initiative: ein Speed-Dating, um Komponistinnen mit Institutionen zusammenzubringen. So kam der Kontakt zur Styriarte, für die ich jetzt das fünfte Auftragswerk komponiert habe.
Sie sind im Mürztal aufgewachsen. Welche Bedingungen für Ihre spätere Karriere fanden Sie dort vor?
Das Mürztal ist ein Schmelztiegel aus Klang und Potenzial. Dort passiert viel Kulturelles. In meinem Elternhaus wurde immer gesungen und gespielt, ich habe Geige, Klavier und Fagott gelernt. Nach dem Studium, in meinem ersten Orchesterjob, hat es mich dann immer mehr zum Komponieren gezogen.
Sie zeichnen jetzt für einen Teil des Musikprogramms des kunsthaus muerz verantwortlich. Was darf man sich erwarten?
Kein Konzert ohne ein Werk einer Komponistin! Wir wollen – wie meine Vorgänger – die Bevölkerung vor Ort einbeziehen. Am 18. September eröffnen wir das Brückenfestival mit „Fanfare allez ensemble“, das 2023 bei Wien modern unter anderem mit der Gardemusik uraufgeführt wurde. Jetzt sind die Blasmusikkapellen aus Mitterdorf, Krieglach und Allerheiligen/Mürzhofen sowie Mitglieder des Landesjugendblasorchesters mit dabei.
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