Dutzende Verletzte
Protest gegen Zugstrecke in Norditalien eskaliert
Bei gewaltsamen Ausschreitungen am Rande einer Demonstration im Susatal in der norditalienischen Region Piemont gegen den Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Turin und Lyon sind am Samstag Dutzende Einsatzkräfte verletzt worden. Vermummte Demonstranten griffen am Samstag mehrere Baustellen an. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.
Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich rund 20.000 Menschen an der Demonstration gegen die Baustellen. An der Baustelle von Chiomonte lieferten sich Hunderte überwiegend schwarz gekleidete und vermummte Demonstranten Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Sie warfen Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper. Zwei Fahrzeuge der Carabinieri gerieten in Brand. Die Polizeigewerkschaft Coisp sprach später von insgesamt vier in Brand gesetzten Fahrzeugen der Sicherheitskräfte.
Auch an der Baustelle in San Didero kam es zu Zusammenstößen. Demonstranten bewarfen Einsatzkräfte mit Steinen und Molotow-Flaschen. Die Polizei reagierte mit Tränengas. Die Auseinandersetzungen dauerten dort etwa 20 Minuten. Die Proteste führten zudem zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Die Autobahn A32 zwischen Turin und der Stadt Bardonecchia wurde abschnittsweise gesperrt. Der Bahnverkehr zwischen Bardonecchia und Salbertrand wurde vorübergehend eingestellt, nachdem sich Demonstranten auf den Gleisen aufgehalten hatten.
Meloni: „Wer Feuerwerkskörper wirft, verteidigt keine Idee“
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verurteilte die Ausschreitungen am Rande der Kundgebung der sogenannten No-Tav-Bewegung scharf. Wer Feuerwerkskörper auf Einsatzkräfte werfe, staatliche Fahrzeuge anzünde und Polizisten angreife, verteidige keine Idee, sondern greife den Staat an, erklärte sie. Vizeministerpräsident Matteo Salvini sprach von den „giftigen und gewalttätigen Früchten“ einer politischen Kultur, die Hass gegen die Sicherheitskräfte schüre. Auch Piemonts Regionalpräsident Alberto Cirio verurteilte den „organisierten Angriff“ auf die Baustellen und die Einsatzkräfte.
Die No-TAV-Bewegung („No Treno ad Alta Velocità“ – „Nein zum Hochgeschwindigkeitszug“) ist längst mehr als eine Bürgerinitiative gegen eine Bahnstrecke. Sie gilt vielen als Symbol des Widerstands gegen große Infrastrukturprojekte und gegen eine als zentralistisch empfundene Politik. Unterstützt wird sie von Anwohnern, Umweltgruppen, linken Organisationen und teils auch von Globalisierungskritikern. Gleichzeitig werfen Kritiker der Bewegung vor, notwendige Infrastrukturprojekte zu blockieren.









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