Die anderen, das sind bei Wörterbüchern von Fremdsprachen vor allem die Betreiber von dict.leo.org, das an der TU München entstand und inzwischen von einer privaten Firma weiterbetrieben wird. Angesichts dieser Konkurrenz stellte der Stuttgarter Pons-Verlag schon 2001 "eine kleine Wörterbuchsubstanz" im Netz bereit. Daraus entstand nun ein umfangreiches Sprachenportal mit aktuell derzeit 4.579.426 Millionen Stichwörter, Wendungen und Übersetzungen in den Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Polnisch und Russisch.
Das Mitmach-Prinzip
Das Internet verlangt aber nicht nur nach frei zugänglichen Inhalten, sondern auch die Beteiligung der Nutzer. "Das haben wir schon bei Wikipedia gelernt", sagt Pelzer. "Beim 'Open Dictionary' kann jeder nach der Anmeldung sofort mitschreiben an den Inhalten." Die User-Beiträge erscheinen zunächst mit einem braunen Hintergrund, um sie von den Einträgen der Wörterbuch-Redaktion abzuheben. Sobald sie von Pons-Mitarbeitern geprüft sind, werden sie grün markiert.
"Mit den Beiträgen von Usern haben wir nur gute Erfahrungen gemacht", sagt die Verlagssprecherin. Oft handle es sich um Ergänzungen von Profis wie Fachübersetzern. Für jeden Mitwirkenden wird eine "Visitenkarte" angelegt, auf der die Beiträge angezeigt werden und die Verlinkung zur eigenen Website möglich ist. "Wir wollen den Ruhm nicht für uns", sagt Pelzer dazu. "Das gehört zu den goldenen Regeln im Netz."
Bei der deutschen Rechtschreibung mit zurzeit 140.000 Stichwörtern steht das Community-Modell noch am Anfang. Bisher ist lediglich vorgesehen, dass die Nutzer Vorschläge für weitere Begriffe einreichen. Auf diese Weise kam etwa das Verb "twittern" hinzu. "Die Online-Inhalte werden wöchentlich aktualisiert", sagt die Verlagssprecherin. Platz gebe es genug - "wir haben dieses Portal zukunftsfähig aufgesetzt." Im August soll es auch eine Version der Website für mobile Geräte geben - mit entsprechend darauf zugeschnittenen Werbeformaten.
Internet-Werbung als neues Standbein für Verlage
Denn die Einnahmen aus der Internet-Werbung sollen zu einem weiteren Standbein des Verlags werden. "Wir rechnen fest damit, dass dies eine stabile Säule für unsere Erträge sein wird", sagt Pelzer. Der Vermarkter für das Portal sei mit Blick auf die interessante Zielgruppe sehr optimistisch. Und selbst in der Wirtschaftskrise seien die Ausgaben für Online-Werbung weiter gestiegen. "Wir gehen mit unseren Angeboten dorthin, wo die Kunden sie brauchen", erklärt die Verlagssprecherin. Neben dem Nachschlagen im Internet gibt es werbefreie Download-Angebote, E-Book-Titel und die Print-Ausgabe. "Wir werden das Buch auch künftig pflegen", heißt es bei dem zur Klett-Gruppe gehörenden Verlag.
Beim Duden-Verlag, der wie kein anderer Anbieter für die deutsche Rechtschreibung steht, hat das Internet eine andere Rolle. "Das ist das Schaufenster, um auf unsere Problemlösungen aufmerksam zu machen", sagt Verlagssprecher Klaus Holoch. Die Möglichkeit, die Rechtschreibung einzelner Begriffe online nachzuschlagen, gebe es schon seit fünf Jahren, sei aber nur ein ergänzender Service.
Wer den vollständigen Eintrag im Universalwörterbuch bei duden.de lesen will, muss ein Abo haben - für monatlich 7,95 Euro. Kostenpflichtig soll auch ein Online-Korrekturprogramm werden, das derzeit in Entwicklung ist. Einen Termin für die Fertigstellung gibt es noch nicht. "Es geht nicht darum, irgendetwas kostenlos ins Netz zu stellen, sondern um Innovationen beim Thema Rechtschreibung", sagt Holoch. "Auf das Wort im deutschen Sprachgebrauch gibt es kein Urheberrecht."
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