Kein Zugriff

Immer mehr Firmen kappen Zugang zu Facebook

Web
13.07.2009 14:11
Facebook, StudiVZ, Xing, Twitter oder MySpace werden immer beliebter. Der Suchtfaktor der Social Networks ist offenbar so groß, dass viele Online-Netzwerker auch in der Arbeit nicht darauf verzichten wollen. Mittlerweile haben diverse Unternehmen, Ministerien und Behörden jedoch die Notbremse gezogen und den Zugriff auf Facebook & Co für ihre Mitarbeiter gesperrt. In den heimischen Unternehmen wird es unterschiedlich gehandhabt, ob Kontaktseiten, private E-Mail-Accounts oder Chatforen angesurft werden können. Einen Webfilter, der Seiten mit bedenklichen oder bedrohlichen Inhalten wie Pornografie oder Gewalt blockiert, hat aber jeder Betrieb.

Wer selbst Facebook-Mitglied ist, weiß, wie viel Zeit dabei drauf geht - zu viel hat man bei der AUA festgestellt und den Zugang deshalb gekappt. "Die Nutzung hat überhandgenommen und ist zulasten der Arbeitszeit gegangen", so die Airline, die in regelmäßigen Abständen jene Websites evaluiert, die von den Beschäftigten am häufigsten besucht werden. Auch auf private E-Mail-Accounts (Gmx, Hotmail) können AUA-Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen nicht zugreifen. Die Karriere-Netzwerk-Seite Xing, die Videoplattform YouTube oder das deutschsprachige Facebook-Pendant StudiVZ können die Mitarbeiter der heimischen Fluggesellschaft hingegen ohne Probleme anschauen. Dort hätte man das "Zeitproblem" nicht festgestellt. 

Bei der OMV und beim Verbund wird den Mitarbeitern der Zugang zu Social-Network-Seiten grundsätzlich verwehrt. Ausnahmen gibt es beim Verbund aber, wenn eine berufliche Notwendigkeit besteht - dann werden die Seiten kurzfristig entsperrt.

Facebook oder Xing werden mittlerweile von vielen Unternehmen auch zur Kunden- oder Mitarbeiter-Akquise verwendet - immerhin nutzen bereits 600.000 Österreicher Facebook, 300.000 Xing. "Wir haben Facebook & Co für uns entdeckt und erst vor kurzem einen Mitarbeiter aufgenommen, den wir auf Xing gefunden haben. Über Facebook akquirieren wir neue Kunden", erzählt Erste-Bank-Sprecher Peter Thier. Laut Thier sei es keine Lösung, Seiten einfach zu sperren. "Wenn sich Mitarbeiter ablenken wollen, dann werden sie das auch ohne Facebook tun." Eine interne Diskussion, ob gesperrt werden soll oder nicht, habe es aber trotzdem schon gegeben. Derzeit seien den Mitarbeitern die Zugriffe auf private E-Mail-Benutzerkonten sowie auf YouTube verwehrt, wie bei der AUA ebenfalls aus Sicherheitsgründen.

Ähnlich offen ist man bei der Post und der Telekom Austria. Post-Mitarbeiter haben uneingeschränkten Zugriff auf alle Internetseiten - abgesehen natürlich von "bedenklichen" Websites -, eine Betriebsvereinbarung sieht jedoch vor, dass die Nutzung der IT-Ressourcen für private Zwecke nicht erlaubt ist, so Postsprecher Stefan Fuchs. Überprüft wird das zwar nicht, man vertraue darauf, dass die Mitarbeiter ihre Privat-Aktivitäten nicht während der Dienstzeit machen. Auch Telekom-Beschäftigte können problemlos jede Page ansurfen.

Ministerien sperren großteils Seiten
Etwas restriktiver hingegen die Handhabung von Social Networks in der Politik. Im Sozialministerium sind diese gesperrt - aus Gründen der Kosten- und Netzwerkbelastung, wie es heißt. Sollte deren Nutzung dienstlich notwendig sein, können sie bei Bedarf freigeschaltet werden. Verboten ist der Zugriff auch auf illegale Seiten, die dem Ansehen des Hauses schaden könnten. Auch der Download von Hacker-Tools ist nicht erlaubt. Der Zugriff auf Pages wie GMX oder Hotmail hingegen stellt kein Problem dar.

Im Wissenschaftsministerium sind Seiten mit sexuellem oder pornografischem Inhalt gesperrt, sonst gibt es keine Beschränkungen. Es sei doch eine "schwierige Frage", welche Seiten jemand für seine Arbeit benötige. Facebook beispielsweise könne "durchaus notwendig sein für die Öffentlichkeitsarbeit". Beim privaten Gebrauch "gilt es, die Mitarbeiter zu sensibilisieren", so ein Sprecher. Ähnlich verhält es sich im Bildungsministerium: "Fragwürdige" Inhalte sind gesperrt, ein Verbot von Facebook ist nicht angedacht. Dieses sei "kein Problem per se", es gehe darum, "zu schauen, dass die Mitarbeiter motiviert ihrer Arbeit nachgehen".

Kein Toto im Wirtschaftsministerium
Einschränkungen gibt es im Gesundheitsministerium was pornografische, rechtsextreme oder gewalttätige Inhalte betrifft. Auch Online-Spiele sind untersagt. Im Gesundheitsressort funktionieren allerdings sowohl die Email-Anbieter als auch Social Networks. Restriktiver gibt man sich im Wirtschaftsministerium, hier sind generell alle Web 2.0-Anwendungen gesperrt. Ebenso verhindert wird der Zugriff auf Online-Trading- oder Gaming-Plattformen, auf Brokerfunktionen und Toto.

Das Innenressort verfügt österreichweit über rund 30.000 Mitarbeiter und 16.000 Computerarbeitsplätze - auf ihnen sind allerdings ebenfalls einige Anwendungen wie zum Beispiel Facebook gesperrt. Für Ermittlungen können sie aber freigeschaltet werden, dies kann "auf kurzem Weg" beantragt werden, erklärte ein Sprecher. Das Downloaden von Videos wird aus Kapazitätsgründen verhindert. Verboten ist auch der Abruf sexistischer oder radikaler Inhalte.

Im Landwirtschaftsministerium wird der Aufruf von Homepages, auf denen sich Inhalte mit Gewalt, Sex, Hacking, Spielen, Chats und dergleichen finden, unterbunden. Die Software wird täglich aktualisiert, heißt es. Hotmail und GMX seien zwar zugänglich, dies aber nur zur dienstlichen Verwendung.

Bundeskanzleramt muss auf Facebook verzichten
Auch im Bundeskanzleramt verhindert eine Filter-Software, dass auf Seiten, die nicht dienstlich genutzt werden, zugegriffen wird. Laut Angaben des Beamtenministeriums ist Facebook gesperrt, das Videoportal YouTube nicht. Auch E-Mail-Anbieter können aufgerufen werden. Das Außenministerium erlaubt den Zugriff auf Email- und Social Networks, Websites mit bedenklichem Inhalt werden gefiltert.

Filme können im Justizministerium aufgrund der üblicherweise großen Datenmengen nicht angesehen werden. Die Diskussion um eine Sperre von Facebook werde natürlich mitverfolgt. Es gebe aber "keine Hinweise, dass diese Seiten von den Mitarbeitern zu sehr genutzt werden". Neben einem Contentfilter setzt man im Verkehrsministerium außerdem auf eine Richtlinie, welche die dienstliche Nutzung von Facebook & Co erlaubt und festlegt. Die private Nutzung muss "im Rahmen bleiben".

Im Finanzministerium ist man strikter. Für die etwa 12.000 Mitarbeiter in der Finanzverwaltung gilt ein eingeschränkter Zugang. Nur in jenen Bereichen, wo ein uneingeschränkter Zugriff notwendig ist - also Zoll, Steuerfahndung und Zentralstelle, dies betrifft rund 500 bis 800 Angestellte - gibt es keine Sperren.

Das Verteidigungsministerium unterliegt "besonderen Sicherheitsbestimmungen" und verfügt deshalb über ein eigenes Intranet, über das 80 Prozent des Datenverkehrs laufen. Aus Sicherheitsgründen sind unter anderem all jene Seiten gesperrt, auf denen es um persönlichen Datenaustausch geht - also Facebook, Xing und ähnliches. Im dienstlichen Zusammenhang ist die Benutzung erlaubt.

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