Literatur 2.0

Twittern zu Ehren von James Joyces “Ulysses”

Web
23.06.2009 12:04
Dass Twittern auch echte Kunst sein kann, zeigen zwei Fans des irischen Schriftstellers James Joyce. Ian Bogost, Professor an der Universität Georgia Tech, und sein Freund Ian McCarthy haben dazu das zehnte Kapitel aus "Ulysses", dem Hauptwerk von Joyce, auf Twitter übertragen. Das "Wandering Rocks" überschriebene Kapitel sei besonders für Twitter geeignet, weil es 19 Dublinern in ihrem Alltag folge, erklären sie.

Um es auf den Kurznachrichtendienst übertragen zu können, legten sie für 54 Charaktere der Geschichte Twitter-Accounts an (siehe Infobox). Bogost schrieb dazu noch ein kleines Programm, das dafür sorgt, dass die jeweiligen Personen sich im richtigen Moment in der Geschichte zu Wort melden. "Das Ergebnis ist ein komplexes Netz von zeitlich abgestimmten Interaktionen zwischen verschiedenen Personen", erklärte Bogost. "Das ist genau der Effekt, den Joyce in seiner Geschichte haben wollte."

Der Professor hofft, mit der Nutzung von Twitter für eine literarische Aufführung auch die Wahrnehmung dieses Kommunikationsmittels verändern zu können. Twitter könne für mehr genutzt werden als egozentrische Träumereien, erklärte er in einer E-Mail. "Vielleicht verändert sich damit das Interesse der Menschen an den neuen sozialen Medien, weg von einer krankhaften Selbstsucht und Unmittelbarkeit hin zu tiefergehenden Überlegungen und kultureller Besinnung".

Bogost und McCarthy nennen ihre Umsetzung in Anspielung auf den Originaltitel "Twittering Rocks". Aufgeführt wurde "das Stück" am 16. Juni, dem Bloomsday, dem Gedenktag für "Ulysses". Der Bloomsday bezieht sich auf die Hauptfigur des Romans, Leopold Bloom.

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