"Wir attackieren Unternehmen, die davon profitieren, dass sie Anwendungen entwickeln, die für die Verbreitung von Raubkopien verwendet werden", sagt der Präsident des spanischen Plattenverbands Promusicae, Antonio Guisasola. Der Verband, der in Spanien unter anderem die Interessen von Sony, Universal, Warner und EMI vertritt, hat Soto wegen unfairen Wettbewerbs auf 13 Millionen Euro verklagt. Promusicae zufolge ist Soto ein Internet-Pirat, der Künstler und Plattenfirmen um ihren Lohn bringt, indem er den illegalen Download von Musik und anderen urheberrechtlich geschützten Werken erleichtert.
Der 29-jährige Soto hält dagegen, dass seine Entwicklung nicht nur für den illegalen Musik-Download verwendet werden kann. "Das File-Sharing mit Peer-to-Peer hat einen viel breiteren Verwendungszweck." Als Beispiele nennt er den Download von freier Musik und Public-Domain-Werken wie Bücher, deren Urheberschutz abgelaufen ist. "Blubster" sei eine völlig legale Internet-Anwendung. Er könne nicht verantwortlich gemacht werden für das, was die Nutzer mit seinem Programm anstellten.
"Wenn sie gewinnen, mache ich dicht"
Eine Strafe von 13 Millionen Euro würde für Soto das finanzielle Aus bedeuten. Er habe zwar Einnahmen aus Online-Werbung erzielt. Aber er habe kein Vermögen verdient, nie mehr als 15.000 Euro auf dem Konto und betreibe "Blubster" nach wie vor in der Wohnung seiner Großmutter, wo er das Programm ursprünglich aus reiner Neugier entwickelte und den Download-Link an Freunde weitergab. Innerhalb weniger Tage fanden Millionen Menschen in aller Welt Interesse an der Software.
Internet-Piraterie in Spanien erreicht "epidemische Ausmaße"
Der Download von urheberrechtlich geschützten Werken ist auch in Spanien illegal, aber keine Straftat. Die Gerichte haben Klagen wiederholt zurückgewiesen, wenn bei der Verbreitung von Raubkopien keine kommerzielle Absicht nachzuweisen war. Das hat sogar in den USA Irritationen ausgelöst. "Die Internet-Piraterie in Spanien hat epidemische Ausmaße erreicht", hieß es kürzlich in einem Untersuchungsbericht des US-Kongresses. Und der US-Handelsbeauftragte führt Spanien weiter auf seiner "Watch List" von Ländern mit massiven Verstößen gegen Urheberrechte auf.
Zwei Milliarden Songs illegal heruntergeladen
Nach Angaben der Branchenvereinigung International Intellectual Property Alliance, der auch Promusicae angehört, wurden im vergangenen Jahr in Spanien zwei Milliarden Musiktitel illegal heruntergeladen, aber nur 2,2 Millionen rechtmäßig gekauft. "Spanien kann nicht in der G-8 der industrialisierten Staaten sein wollen und gleichzeitig in der G-10 der Internet-Piraten", sagt Verbandspräsident Guisasola. Unter dem wachsenden Druck auch aus den USA wird erwartet, dass die spanische Regierung ein Gesetz gegen die Internet-Piraterie auf den Weg bringt.
"Man kann diese Bewegung nicht stoppen"
Sotos Anwalt Javier de la Cueva macht geltend, dass die genannten Zahlen nur auf Erhebungen der Branche beruhten und nicht von unabhängiger Seite überprüft seien. Der Jurist räumt zwar ein, dass Peer-to-Peer-Angebote wie "Blubster" der Musikbranche Schaden zufügten, ruft diese aber zu grundlegenden Änderungen ihres Geschäftsmodells auf. "Man kann diese Bewegung nicht stoppen, es gibt eine neue soziale Realität", sagt De la Cueva. Die Branche muss technologische Entwicklungen annehmen und darf sie nicht bekämpfen." Ein Urteil wird noch für Juni erwartet.
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