Die Ursachen können bei Mann und Frau gleichermaßen liegen. Manchmal ist das Problem genetisch bedingt oder es ist eine organische Störung schuld, oft liegt es am Lebensstil und bei mindestens einem Drittel der Fälle ist der Grund in der Psyche zu suchen.
"Es wird heute angenommen, dass bei etwa 30 Prozent aller infertilen Männer genetische Ursachen verantwortlich sind", berichtet Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger von der Univ.-Frauenklinik Wien, Abteilung für Medizinische Genetik. "International wird daher empfohlen, zur Ursachenabklärung bei unerfülltem Kinderwunsch auch genetische Untersuchungen des Mannes und der Frau vorzunehmen".
Weitere Gründe für Zeugungsunfähigkeit (Infertilität) bei Männern sind verschlossene Samenleiter durch vorangegangene Infektionskrankheiten sowie eine schlechtere Spermienqualität durch Rauchen und Umweltgifte. Auch nehmen Anzahl und Qualität der Spermien ab dem 30. Lebensjahr generell ab.
Saft oder Samen?
Samenmenge, Beweglichkeit und Beschaffenheit der Spermien kann man im Labor untersuchen (Spermiogramm). Sind Beweglichkeit oder Menge der Spermien nicht ausreichend, so bietet sich eine Mikroinjektionsbehandlung (ICSI) an. Unter einem Mikroskop wird eine einzelne ausgewählte Samenzelle in eine feine Glaskanüle aufgezogen und direkt in die Eizelle gespritzt.
Woran es bei Frauen liegt
Bei Frauen spielen ebenfalls Infektionen und Rauchen eine Rolle. Denn Entzündungen im Bereich der Eierstöcke können verschlossene Eileiter und Verwachsungen zur Folge haben, Rauchen vermindert die Durchblutung der Eierstöcke und reduziert so die Eisprünge. Eine der häufigsten Ursachen heutzutage ist jedoch der relativ späte Kinderwunsch der Frauen. Denn vom 35. Lebensjahr an sinkt die Chance auf Schwangerschaft deutlich, weil die Zahl der Eisprünge abnimmt. Auch Zyklusstörungen, Eierstockzysten (Polyzystisches Ovarialsyndrom) und hormonelles Ungleichgewicht sind oft der Grund für Kinderlosigkeit.
"Man muss daher in erster Linie einen Hormonstatus bestimmen", rät Univ.-Professor Dr. Sepp Leodolter von der Univ.-Frauenklinik in Wien. "Damit kann man nicht nur feststellen, ob genügend Sexualhormone produziert werden, sondern auch, ob die Eierstöcke selbst noch ausreichend funktionieren, um einen Eisprung zu stimulieren". Findet aber kein Eisprung statt, so lässt sich mit Hormonbehandlung die Eierstockfunktion wieder anregen.
Ist hormonell alles in Ordnung wird der Gynäkologe abklären, ob die Eileiter eventuell blockiert sind. Prof. Leodolter: "Das lässt sich durch Eileiterröntgen sowie durch eine Laparoskopie feststellen". Blockierte Eileiter werden entweder chirurgisch behandelt oder man nimmt eine In-vitro-Fertilisation (IVF) vor. Diese kommt auch in Frage, wenn oben angeführte Maßnahmen keinen Erfolg zeigen. Hierfür wird zunächst das Heranreifen von Eizellen medikamentös angeregt. Die reifen Eizellen werden knapp vor dem Eisprung entnommen und jeweils eine Eizelle mit dem Samen des Partners im Reagenzglas befruchtet und dann in die Gebärmutter eingebracht.
Es liegt nicht immer am Körper...
Nicht außer Acht lassen darf man bei der Suche nach dem Grund für die Kinderlosigkeit den seelischen Faktor. Ist körperlich alles in Ordnung, sollte die Frau psychologische Beratung in Anspruch nehmen.
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