In der ÖVP rumort es gewaltig, denn es herrscht große Unzufriedenheit mit Generalsekretär Nico Marchetti. Den Höhepunkt lieferte er, als er in einem Interview dem nunmehr designierten ORF-Chef Clemens Pig eine Bewerbung für den Posten empfahl und damit die missglückte Debatte erst richtig anheizte. Warum ihn just der gefallene August Wöginger retten könnte ...
Mitten im Bewerbungsprozess um den ORF-Generaldirektor ließ Marchetti in einem Interview durchblicken, dass er sich eine Kandidatur des damaligen APA-Chefs Clemens Pig wünschen würde. Diese Äußerung wurde schnell zu einem politischen Problem und bestärkte den Eindruck, dass die ORF-Wahl ein abgekartetes Spiel sei. Marchettis Vorstoß wurden von vielen in der ÖVP als ungeschickte Einmischung wahrgenommen. Manche haben Sorge, dass diese Äußerung bei den drohenden Klagen gegen die Bestellung Pigs als Munition verwendet werden könnte.
Warum schweigt Stocker?
Verwunderung herrscht aber auch darüber, dass sich Bundeskanzler und Parteichef Christian Stocker aus der ORF-Debatte bisher völlig heraushielt. So mancher in der Partei hätte sich erwartet, dass er eine heimliche politische Absprach im Vorfeld der Bewerbungen zumindest öffentlich zurückweist.
Auch wenn der Unmut über die Führung in der Parteizentrale steigt, gehen ÖVP-Insider nicht davon aus, dass Stocker Marchetti bald ablösen wird. Nach dem Abgang von Klubobmann August Wöginger nach der – nicht rechtskräftigen – Verurteilung im Postenschacher-Prozess, will Stocker wohl keine weitere Unruhe. Das Problem Marchetti wird wohl wie das ORF-Theater ausgesessen ...
Unmut über Parteizentrale steigt
Kritik an Fehlern aus der Parteizentrale war schon vor der ORF-Wahl da. Sie kommt unter anderem aus der Volkspartei Oberösterreich, die kommendes Jahr eine schicksalhafte Landtagswahl zu schlagen hat. Nicht zuletzt die katastrophalen Umfragewerte unter der 20-Prozent-Marke verursachen den Schwarzen Bauchschmerzen. Marchetti wird zu wenig Erfahrung, fehlende Kampagnenfähigkeit und ungeschicktes Agieren vorgeworfen.
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