Macht. Respekt.

Dodge Nitro: Großer Wagen für starken Magen

Motor
14.01.2009 12:17
Groß und mächtig steht er da, der Dodge Nitro. Sein massiver verchromter Kühlergrill flößt Respekt ein. Passanten wenden den Kopf, andere Autofahrer weichen eher zurück. Einen Sympathiepreis gewinnt der dicke Ami nicht, aber er ist ja auch kein Fiat 500. Und eins muss man ihm lassen: In der Menge der SUVs fällt er richtig auf!

Dabei ist er gar nicht so groß, wie er wirkt; man kommt in ganz normale Parklücken hinein, sogar der Wendekreis hält sich mit 11,1 Metern in Grenzen. Ein VW Golf Variant ist nur zwei Zentimeter kürzer und sieben Zentimeter schmäler. Im nicht gerade hochwertig gestalteten Innenraum (Plastik!) bietet er dagegen Platz ohne Ende, auf der Rückbank kann man sich regelrecht austoben. Der Kofferraum fasst 394 bis 1.994 Liter. Sehr praktisch ist dabei der optionale Ausziehboden, auf den man bis zu 180 kg wuchten kann.

Das Feeling ist nicht wie in einem Pkw, sondern eher wie in einem Lkw oder einem großen Geländewagen. Schon die riesigen Außenspiegel erinnern an einen Lastwagen, der lärmende, vibrierende Diesel verstärkt den Eindruck. Dafür schiebt der 2,8-Liter-Motor mit seinen 460 Nm ab 2.000/min. ziemlich an, nur 10,5 Sekunden vergehen für den Hundertersprint. Nicht schlecht für gut 2 Tonnen und einem cW-Wert wie ein Kühlschrank. Als Höchsttempo gibt Dodge 180 km/h an. Was auffällt, ist die harmonische Arbeit der Automatik, die spontan und erstaunlich weich zu Werke geht.

Nur für starke Mägen
Das Fahrverhalten ist der große Schwachpunkt des Dodge Nitro. Als Fahrer ist mir noch in keinem Auto schlecht geworden, der Dodge schaukelt aber derartig, dass mir genau das passiert, wenn ich ihn flott durch Kurven bewege. Dabei ist er nicht einmal weich gefedert; komfortabel geht anders. Das Fahrwerk ist aber auch eher von gestern, ebenso wie der Allradantrieb. Starrachse hinten und ein zuschaltbarer starrer 50:50-4x4 sind nicht mehr zeitgemäß. Gegen Rangieren wehrt sich der Allradantrieb mit Verwindung nach Kräften, über 80 km/h darf man im Allradbetrieb aus Sicherheitsgründen gar nicht fahren. 

Wer glaubt, dass der Nitro wenigstens ein Offroad-Kaiser ist, hat sich getäuscht: Es gibt weder Sperren noch Untersetzung noch Bergabfahrhilfe. Serienmäßig sind dagegen ESP, Traktionskontrolle, ABS und Bremsassistent. Notbremsungen sind wegen des schwammigen Fahrwerks dennoch kein Spaß.

Fuß irrt herum - trotz Kompass
Auch die Ergonomie hat man bei Dodge nicht gerade erfunden: Der linke Fuß des Fahrers kann sich nirgendwo ausruhen, er hängt irgendwie im leeren Raum herum; dabei ist der Fußraum wegen des fetten Mitteltunnels extrem eng geraten. Statt eines Einschaltknopfes für die Himmelsrichtungsanzeige hätte ich mir am Lenkrad eher einen Lautstärkeregler gewünscht. Der Blinkerhebel hat keinen exakten Druckpunkt, und man betätigt beim Blinken oft versehentlich die Lichthupe. Außerdem nervt die übertriebene Warnpiepserei. Dafür muss die Hupe zweimal gebeten werden, um ein Geräusch von sich zu geben. 

Apropos Sound: Das Soundsystem klingt so hochwertig, wie ich es nicht im Traum erwartet hätte! Natürlicher Klang, satte, aber nicht übertriebene Bässe – da kommt nicht mal die Top-Anlage im BMW X5 auch nur annähernd mit. Und das serienmäßig!

Fazit:
Der Dodge Nitro ist einer fürs Grobe. Brummiger, aber kräftiger Motor, fette Radhäuser, eine Front wie ein Eckhaus, Türgriffe, die sogar das „Ding“ von den „Fantastischen 4“ betätigen kann, Fahrwerk mit Komfortverzicht, billig wirkender Innenraum. Vom Feinsten dagegen Platzangebot, Motorleistung, Soundanlage und Automatik – und die Optik, die allerdings mehr verspricht, als der Wagen hält. Ab 29.900 Euro ist der Nitro zu haben (nur mit Heckantrieb, aber nicht schlecht ausgestattet), um 40.000 Euro ist so ziemlich alles an Bord, was man braucht. Außer einem guten Fahrwerk. Das gibt’s weder für Geld noch gute Worte.

Stephan Schätzl

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Motor
14.01.2009 12:17
Loading

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

KMM
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt