Ein 38-jähriger Türke bestritt bis zuletzt, Drahtzieher eines groß angelegten Drogennetzwerks zu sein. Geglaubt wurde ihm am Mittwoch am Landesgericht Feldkirch allerdings nicht.
Im Gerichtssaal in Feldkirch prallen am Mittwoch zwei völlig gegensätzliche Wahrheiten aufeinander. Für die Staatsanwaltschaft ist der 38-Jährige der Kopf eines millionenschweren Drogennetzwerks – der Mann, der die Fäden zog. Der Angeklagte selbst fühlt sich hingegen zu Unrecht beschuldigt. Die Vorwürfe wiegen schwer: Zwischen April und August 2025 soll der in Vorarlberg wohnhafte Türke sechs Kilo Kokain, 9,3 Kilo Cannabiskraut und ein Kilo MDMA aus der Schweiz ins Ländle geschmuggelt beziehungsweise schmuggeln haben lassen. Die Drogen seien anschließend an unbekannte Abnehmer verteilt worden. Für die Anklage steht fest: „Er ist der Drahtzieher, der Organisator, der Macher gewesen“ – jener Mann also, der „eingeteilt und delegiert“ habe.
Der 38-Jährige weist dies entschieden zurück. „Ich habe weder mit Schmuggel noch mit der Organisation dieser Drogengeschäfte etwas zu tun“, beteuert er in der mittlerweile zweiten Verhandlungsrunde vor Gericht. Der wichtigste Belastungszeuge, ein ehemaliger Komplize, sage nur deshalb gegen ihn aus, weil die beiden Streit gehabt hätten – ausgerechnet wegen eines Fahrrads. Staatsanwalt Simon Mathis hat dazu eine klare Meinung: „Das ist ja wohl total unglaubwürdig.“ Der Belastungszeuge selbst wurde bereits rechtskräftig zu fünf Jahren Haft verurteilt und sitzt seine Strafe ab.
„Warum sollte ich mir das kaputt machen?“
Zwölf Zeugen werden einvernommen. Die meisten geben an, den Angeklagten kaum oder nur flüchtig zu kennen. Von Drogengeschäften wollen sie nichts wissen. Allerdings hatten einige bei der Polizei noch ausgesagt, der 38-Jährige sei der Boss gewesen, der Mann mit dem Sagen. Zum Schluss richtet sich der Angeklagte noch einmal an das Gericht: „Ich bin seit über 20 Jahren in Österreich, habe zwei Jahre als Lagerist in der Schweiz gearbeitet und dort wie auch hier in Vorarlberg gut verdient, ich bin in mehreren Vereinen aktiv und bin quasi fast ein Österreicher – warum sollte ich mir das kaputt machen?“
Schuldspruch nach kurzer Beratung
Nach nur 30 Minuten Beratung fällt der Schöffensenat sein Urteil: schuldig, sieben Jahre Haft. Hinzu kommen noch einige Monate Strafrest aus einer früheren Verurteilung. Außerdem wird ein Betrag von 253.000 Euro für verfallen erklärt. Beim Schuldspruch reduziert das Gericht zwar die Mengen – statt sechs Kilo Kokain gelten 4,9 Kilo als erwiesen, statt 9,3 nur acht Kilo Cannabis -, die übrigen Drogendelikte bleiben aber bestehen. Die Vorwürfe der Zeugenbeeinflussung und Drohbriefe sind hingegen vom Tisch – dafür gab es zu wenig Beweise. Der Verurteilte kündigt noch im Gerichtssaal an, als „völlig Unschuldiger“ das Urteil „in jeder Hinsicht bekämpfen“ zu wollen. Grinsend meldet er Rechtsmittel an.
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