Lebensbeichte nach Tat

Wiener Axt-Mörder sprengt Prostitutionsring

Gericht
11.06.2026 05:00

Ingo S. legte nach der unbeschreiblichen Bluttat an einem erst 16-jährigen Burschen eine Lebensbeichte ab. Und führte die Beamten so zu einem Lokal in Wien-Margareten, wo Jugendliche für Sex angeboten wurden. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen mehr als ein Dutzend Beschuldigte wegen Menschenhandels, Prostitutionsförderung Minderjähriger – und auch Pädophilie.

Boris (Name geändert) war 14 Jahre alt, als er in Bulgarien das erste Mal Gewalt durch einen Freier erfahren hatte. Zwei Jahre später kam er nach Österreich – zur Prostitution gezwungen von seiner Familie. In einem unscheinbaren Lokal im 5. Bezirk musste der Jugendliche anschaffen, wurde von seinem großen Bruder an wesentlich ältere Freier vermittelt.

50 Axthiebe gegen 16-Jährigen
So über Facebook auch an Ingo S. Er war damals fast 30 Jahre älter, bezahlte den 16-jährigen Boris regelmäßig für Sex und gemeinsame Wochenenden. Diese Ausbeutung des Jugendlichen fasste S. in seiner verworrenen Welt als romantische Beziehung auf, verliebte sich in den Bulgaren – natürlich unerwidert. Was Boris letztlich mit seinem Leben bezahlen musste. Als der Wiener ihn am 7. Oktober 2024 mit 50 Axthieben ermordete. 

Lebensbeichte vor Suizid
In Polizeiverhören zerfloss Ingo S. – ein erfolgreicher Angestellter – in Selbstmitleid, brach jedes Mal in Tränen aus, wenn ihm ein Foto des 16-Jährigen gezeigt wurde. Aber er war bereit, eine Lebensbeichte abzulegen, bevor der 45-Jährige letzten Juni im Wiener Landesgericht zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Und sich kurz danach in der Justizanstalt selbst richtete. Die Geschichte von Ingo S. war damit zu Ende, doch die Ermittlungen der Polizei liefen erst richtig an. 

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Meiner Meinung nach ist der Kellner die Drehscheibe. Er kennt alle Burschen und hat sämtliche Kontakte.

Ingo S. in seiner polizeilichen Vernehmung 

Und führte sie zu dem unscheinbaren Lokal im 5. Bezirk. Dort sollen die Betreiber nämlich seit Jahren – bereits unter anderem Namen – junge Burschen zum Sex angeboten haben. Besonders aus Bulgarien. In seiner Vernehmung im Februar 2025 berichtete Ingo S. von 16- und 17-Jährigen, die für einige Euro mit wesentlich älteren Männern verkehrten. Besonders schockierend: Der Wiener wüsste auch von einem erst Zwölfjährigen, der an einen Pädophilen übermittelt wurde. 

Die Wiener Staatsanwaltschaft führt nun Ermittlungsverfahren gegen bis zu 15 Beschuldigte. Freier, sonstige Gäste – und besonders gegen die zwei Betreiber und den Chefkellner des sogenannten „Boyscafés“. Die Vorwürfe wiegen schwer: Menschenhandel, Förderung der Prostitution Minderjähriger und in wenigen Fällen sogar Pädophilie. Im Akt ist die Rede von bis zu 15 Opfern – darunter auch Boris, der jedoch nicht mehr als Zeuge aussagen kann ...

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