Man habe Stage6 verkaufen, es als eigenes Unternehmen überleben lassen wollen, doch am Ende habe man keine der beiden Lösungen realisieren können, entschuldigt sich ein DivX-Sprecher in einem Statement auf der Startseite. DivX wolle sich wieder auf sein Kerngeschäft konzentrieren - "Wege für jedermann zu schaffen, hochauflösende Videos zu erstellen und sie auf beliebigen Endgeräten wiedergeben zu können".
Stage6 war unter den zahlreichen Videoportalen wie YouTube, Veoh, etc. das so ziemlich einzige, bei dem man sich die Clips im Fullscreen-Modus angucken konnte, ohne dabei die Kästchen zählen zu müssen. Der in Sachen Kompressionsmodus fast nicht zu schlagende DivX-Codec machte es möglich, zudem gab es bei Stage6 keine Vorgaben in Richtung Maximalgröße der Videos - und augenscheinlich auch keine Content-Überprüfung. Das Portal wurde während seines "rasanten Aufstiegs" mit zuletzt über 10 Millionen Nutzern pro Monat zum Tummelplatz einer internationalen Videocommunity, die darauf Spielfilme, aber vor allem TV-Serien tauschte bzw. zum Download - eine Speicherfunktion ist im DivX-Webplayer implementiert - anbot.
Die "Piraten" gingen dabei besonders geschickt vor, wie amerikanische Techblogs in ihren "Nachrufen" auf das Portal berichten: Weil man jedes Stage6-Video auch auf seiner eigenen Website einbetten konnte, wurden die Namen für die urheberrechtlich geschützten Inhalte beim Anlegen chiffriert und so an den DivX-Kontrolleuren vorbeigeschmuggelt. Wer bei Stage6 "Lost", "Ghost Whisperer" oder "Dr. House" eintippte, bekam nicht mehr als ein paar Trailer, die allesamt erlaubt sind. In einschlägigen Internetforen klickten User derweil ansehnliche Sammlungen mit teils kompletten Staffeln zusammen, die unter anderen, unauffälligen Namen auf Stage6 gehostet wurden, berichten die Blogger.
Das blieb natürlich nicht unbemerkt. Der Unterhaltungsriese Universal warf DivX wiederholt vor, Piratenmaterial gezielt zuzulassen, um die Beliebtheit des Portals zu steigern. Nach einer Klage Ende letzten Jahres legten die Stage6-Mitarbeiter auf einen Schlag etliche Accounts lahm und dezimierten die Gesamtvideozahl beträchtlich.
Der technische Aufwand - und wohl auch das Personal, das man zur Säuberung des Portals von illegalem Content benötigt - sei für DivX nicht mehr zu tragen, heißt es in der Erklärung. Und ungeachtet der Proteste von Tausenden Usern, die unter der Erklärung ihren Ärger zum Ausdruck brachten, wird der letzte Vorhang für Stage6 fallen. Den Kinos und DVD-Verkäufen wird's gut tun...
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.