"Online-Spiele haben aus verschiedenen Gründen ein höheres Suchtpotenzial als klassische Glücksspiele", erklärt Gerhard Meyer, Glücksspielexperte und Diplom-Psychologe an der Universität Bremen. Zunächst einmal sei das Zocken im Internet für Spieler aufgrund der rascheren Ereignisfrequenz viel reizvoller.
"Speziell beim Online-Poker können Spieler beispielsweise an mehreren Tischen gleichzeitig spielen und müssen so nicht mehr lange darauf warten, bis sich im Spiel etwas tut", meint Meyer. Auch die beim Spielen im Internet gegebene Anonymität sei in diesem Zusammenhang ein wichtiger Faktor. "Die persönliche Kontrolle im Netz ist mit der in einem Casino nicht zu vergleichen", stellt der Glücksspielexperte fest. "Hinzu kommt, dass private Online-Anbieter in der Regel eine bessere Gewinnquote anbieten als etwa staatliche Betriebe", ergänzt Meyer. Das Angebot im Internet und die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, seien vielfältiger.
Experte schlägt staatlich konzessiertes Angebot vor
"Fakt ist, dass wir am Online-Sektor inzwischen ein starkes Glücksspiel-Angebot haben, das von den Bürgern auch genutzt wird", betont Meyer. Um dem Problem entsprechend entgegentreten zu können, bedürfe es eines geeigneten Regelwerks. "Dass ein generelles Verbot nicht umsetz- und kontrollierbar ist, zeigt gerade derzeit das Beispiel der USA sehr deutlich", so Meyer. Dort hätte dieser Versuch nur dazu geführt, dass sich Online-Spieler neue Wege suchen, wie sie zu ihrem Glücksspiel-Erlebnis kommen.
"Mein Vorschlag wäre es hingegen, ein staatlich konzessiertes und kontrolliertes legales Angebot zu schaffen, das mit einem Spielerschutz ausgestattet ist", erklärt Meyer. Speziell im Online-Glücksspielbereich bestehe ohne weiteres die Möglichkeit, das Spielverhalten der Nutzer genau zu analysieren. "Wenn sich beispielsweise starke Zunahmen in der Spieldauer zeigen, könnte so immer noch rechtzeitig eingeschritten werden", schlägt Meyer abschließend vor. (pte)
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