

AfD-Chefin Alice Weidel hat bei einem Wien-Aufenthalt mit drastischen Ansagen für Aufsehen gesorgt. Im ZDF-Sommerinterview sprach sie sich für einen Ausstieg Deutschlands aus Schengen und dem Euro aus. Außerdem kündigte sie an, die Grenzen „zuzumachen“ und alle Syrer „in ihre Heimat zurückzuführen“ – offenbar nach einem Treffen mit der FPÖ.
„Uns wurde doch damals gesagt: Wenn der Fluchtgrund entfällt, werden sie alle wieder zurückgeführt. Nichts dergleichen passiert“, sagte Weidel am Sonntag im ZDF-Sommerinterview mit Moderator Wulf Schmiese (hier nachzusehen), das diesmal auf einer Terrasse mit Blick über Wien aufgezeichnet wurde. Richtung deutsche Regierung schimpfte sie: „Ich will nicht mehr angelogen werden von irgendwelchen Flachzangen, die da oben sitzen.“ Deutschland werde derzeit „kaputt gemacht“.


„Damit solche Leute gar nicht mehr kommen“
Die mitunter in der Schweiz lebende Politikerin kritisierte erneut die „offenen Grenzen“ und kündigte einen Kurswechsel an: „Dieser Vertrag wird aufgekündigt“, sagte sie über das Schengen-Abkommen. „Wir werden sie zumachen, wir werden aus Schengen aussteigen, damit solche Leute wie aus Ceuta gar nicht mehr zu uns kommen.“
Ich will nicht mehr angelogen werden von irgendwelchen Flachzangen, die da oben sitzen und irgendwas versprechen.
AfD-Chefin Alice Weidel rechnet mit der deutschen Regierung ab.
Schengen ermöglicht grundsätzlich den kontrollfreien Grenzverkehr zwischen fast allen EU-Staaten sowie der Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein. Seit September 2024 kontrolliert Deutschland allerdings wieder alle Außengrenzen – eine Maßnahme, die damals von Innenministerin Nancy Faeser (SPD) angeordnet wurde.
Auch der Euro soll weg
Weidel bekräftigte die Forderung ihrer Partei nach einem Austritt aus dem Eurosystem. Eine instabile Gemeinschaftswährung führe zu einer „riesigen Umverteilung“ und zu einer „breiten Verarmung arbeitender Bevölkerungsschichten“, argumentierte sie und bezeichnete den Euro als baldige „Weichwährung“. Deutschland sei vor der Einführung „deutlich besser“ dagestanden.
Nervosität vor der „Schicksalswahl“
Die Aussagen lösten in Deutschland umgehend großen Widerhall in den Medien aus. Besonders brisant ist der Zeitpunkt: Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gewählt, wo die AfD in Umfragen klar vorne liegt. Der dortige Landesverband gilt als „gesichert rechtsextrem“.
Weidels Verachtung: alles egal, Hauptsache Eskalation.
So titelte ntv einen nächtlichen Online-Kommentar.
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, warnte, eine Umsetzung des AfD-Programms würde „die Lage der meisten Menschen messbar schlechter“ machen – durch Abschottung, Grenzschließungen und einen Kurs gegen Europa und den Euro.
Weidel zeigte sich aber selbstbewusst: „Ich bin bereit, mit jedem zu arbeiten, solange er fähig ist und die Interessen unseres Landes im Auge hat.“ Die Alternative für Deutschland werde zunächst in Bundesländern und später auch im Bund regieren. Wegen der Brandmauer werde die CDU „keine einzige Bundestagswahl mehr gewinnen“.
FPÖ als Vorbild – besonders in der Steiermark
Die AfD-Chefin habe in Wien Störer vermeiden wollen, die vor einem Jahr in Berlin das Interview mit der ARD gecrasht hatten, schrieb die „Bild“-Zeitung. Weidel selbst begründete den Besuch mit Gesprächen mit der FPÖ. Sie habe sich Tipps von der Schwesterpartei geholt, die Gespräche würden auch noch laufen. Anders als die AfD regieren die Freiheitlichen bei uns bekanntlich bereits in fünf Bundesländern mit.
Weidel erwähnte wörtlich die steirische Landesregierung unter Mario Kunasek, die als Sympathieträger einen „unglaublich guten Job“ mache. „Da können wir natürlich auch sehr viel von der FPÖ lernen.“
„Sogenannter Klimaschutz“
Vom „sogenannten Klimaschutz“ hält Weidel gar nichts. Angesprochen darauf, dass man in Wien bis 2040 klimaneutral werden wolle, meinte sie: Klimawandel habe es „immer schon gegeben“. Die AfD sei gegen ein „Schleifen des industriellen Kerns“ und ein „Versperren der Innenstädte“ für Pkw oder ein Verbrennerverbot. „Und ich kann Ihnen sagen: Wenn die FPÖ hier gewinnt in Österreich, wird auch dieses ganze Zeug abgeschafft.“
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