„Ich rufe dich zurück“

Meloni unterbricht für Tochter Feier zu Amtsrekord

Außenpolitik
05.09.2026 08:38
Porträt von krone.at
Von krone.at

Italiens Premierministerin Giorgia Meloni hat am Freitagabend einen Rekord gefeiert: Seit 1413 Tagen ist ihre Mitte-rechts-Koalition im Amt und damit die langlebigste des Landes. Bei Melonis Rede vor Parteianhängern sorgte ihre neun Jahre alte Tochter Ginevra für eine heitere Unterbrechung.

Mitten in ihrer Ansprache in der Adria-Hafenstadt Bari griff Italiens erste Ministerpräsidentin plötzlich zum Handy und flüsterte mit vorgehaltener Hand ins Telefon. „Schatz, ich rufe dich zurück“, hörte man die rechte Regierungschefin ins Telefon wispern. „Das ist meine Tochter, entschuldigt“, rief sie den Tausenden Anhängern ihrer Partei Fratelli d‘Italia (Brüder Italiens) zu. Gleich dreimal habe Ginevra angerufen, so Meloni. Vom Publikum gab es dafür Gelächter und Applaus.

Tochter oft an ihrer Seite
Seit der Trennung von ihrem langjährigen Partner Andrea Giambruno erzieht die 49 Jahre alte Politikerin ihre Tochter allein. Meloni nimmt die Neunjährige manchmal auf Auslandsreisen mit. Das begründet sie damit, dass sie ihre Rolle als Regierungschefin und Mutter vereinbaren wolle. Zu ihrem Familienleben hält sich Meloni meist bedeckt. Diesen Sommer fanden allerdings überraschend viele Fotos der beiden aus dem Urlaub auf Sardinien den Weg an die Öffentlichkeit.

Bei der Ankunft zum G7-Gipfel im Juni versteckte sich Ginevra hinter Meloni:

Berlusconi abgelöst
Die Rede der Premierministerin vor der Hafenkulisse war der Höhepunkt der Feiern zum Rekord der Regierung, die länger im Amt ist als jede andere seit der Gründung der italienischen Republik 1946. Melonis Kabinett löste am Freitag Silvio Berlusconis zweite Regierung als bisher langlebigste ab. Berlusconi regierte von 2001 bis 2005 ganze 1412 Tage.

Giorgia Meloni hob die Resultate ihrer Regierung seit der Vereidigung 2022 und die Bedeutung politischer Stabilität in einem Land wie Italien hervor, das in den vergangenen Jahrzehnten häufige Regierungswechsel erlebt hat. So bezeichnete Meloni die politische Stabilität ihrer Regierung als „wichtigste Reform für das Land“. Italien sei nicht länger das „überwachte Sorgenkind Europas“, sagte die 49-Jährige.

„Die Richtung bestimmen“
Italien habe früher häufig die Regierung gewechselt, sagte Meloni. Bei internationalen Treffen hätten Gesprächspartner deshalb immer wieder gefragt: „Wie lange hält diese Regierung?“ Wer auf diese Weise behandelt werde, könne seine Interessen international nicht wirksam vertreten. „Mit Stabilität kann man die Richtung bestimmen. Dank dieser Stabilität haben wir Italien in einer sehr turbulenten Zeit geschützt und für geordnete Staatsfinanzen gesorgt“, sagte die Regierungschefin.

Stolz sei sie darauf, dass ihre Regierung eine größere Zustimmung als zu Beginn ihrer Amtszeit genieße, erklärte Meloni. Der Zuspruch der anwesenden Anhänger und von Millionen Italienern sei für sie das entscheidende Urteil. Viel Raum widmete sie dem Thema Migration. So betonte sie, dass die Zahl der Migrantenankünfte seit Regierungsantritt stark zurückgegangen seien.

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