In Haft in Den Haag
Kriegsverbrecher Ratko Mladic (83) gestorben
Der frühere bosnisch-serbische Armeechef und Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Er habe mehrere Schlaganfälle erlitten, berichtete der serbische Staatssender RTS am Donnerstag. Sein Anwalt hatte im Mai noch beantragt, dass Mladic deshalb aus der Haft freikommt.
Das hatte der Internationale Mechanismus für Strafgerichtshöfe in Den Haag aber abgelehnt. Mladic verbüßte im UN-Gefängnis in Den Haag (Niederlande) eine lebenslange Haftstrafe. Er war 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien festgenommen worden. Verurteilt wurde er wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Kriegs in Bosnien (1992-1995). Damals wurden fast 100.000 Menschen getötet.
Hauptverantwortlicher für Massaker von Srebrenica
Mladic war unter anderem Hauptverantwortlicher des Massakers von Srebrenica im Juli 1995, bei dem ungefähr 8000 muslimische Männer und Buben ermordet wurden. Dies war eines der schlimmsten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Über mehrere Tage verübten damals Streitkräfte der Armee der Republik Srspka, der Polizei und des serbischen Paramilitärs den Mord an Bosniaken, verteilt auf mehrere Tatorte. Prozesse vor internationalen Gerichten belegten später, dass die Verbrechen systematisch geplant und durchgeführt wurden.
10.000 Tote bei Belagerung Sarajevos
Die Richterinnen und Richter machten Mladic außerdem für die jahrelange Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo verantwortlich, bei der ungefähr 10.000 Menschen getötet wurden. Mladic hatte demnach gemeinsam mit dem ehemaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milošević und dem bosnischen Serbenführer Radovan Karadžić das Ziel einer „ethnischen Säuberung“ verfolgt, um ein großserbisches Reich zu errichten. Mladic selbst wies die Vorwürfe stets zurück. „Das sind alles Lügen, Sie sind alle Lügner!“, rief er bei seiner Verurteilung im Gerichtssaal. Seine Berufung wurde 2021 endgültig zurückgewiesen.
Mladic hat im Alter von 15 Jahren seine erste militärische Ausbildung absolviert und die Militärakademie besucht. Anschließend begann er eine Laufbahn in der jugoslawischen Armee, wo er unter anderem zum Oberstleutnant und stellvertretenden Kommandeur befördert wurde. 1994 gründete er das 1. Korps der Armee der Republika Srpska als Kommandoeinheit Serbiens gegen die bosnischen Regierungstruppen.
Ausschreitungen nach Festnahme
Der Ex-Armeechef, der wegen seiner Brutalität als „Schlächter vom Balkan“ bekannt war, wurde 1996 vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien als Kriegsverbrecher angeklagt. Die genauen Anklagepunkte wurden mehrfach verändert. Festgenommen wurde er erst 16 Jahre später. Bis zum Frühling soll Mladic etwa unbehelligt bei seinem Sohn in Belgrad gelebt haben. Vermutet wird, dass die serbischen Behörden seinen Aufenthaltsort kannten. Nach der Verhaftung gingen in Belgrad Tausende auf die Straße, um dagegen und gegen die Auslieferung Mladics zu demonstrieren. Die Proteste endeten in gewalttätigen Ausschreitungen.
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