DER NEUE iMAC IM TEST
Recht viel passt in so einen iMac rein, obwohl er relativ platzsparend ist: Ein Intel-Core-2-Duo-Prozessor mit je nach Ausstattung bis zu 2,8 Gigahertz, bis zu vier Gigabyte Arbeitsspeicher, bis zu 512 MB Grafikspeicher und etliche Kartenmodell zu Auswahl und eine bis zu einen Terabyte fassende Festplatte. Dazu ein Multiformat-DVD-Brenner mit praktischem Einschub statt klappernder Schublade, eingebaute Webcam am oberen Bildschirmrand, Ethernet-, WLAN- und Bluetooth-Modul, Infrarot-Fernbedienung für das Multimediacenter FrontRow, ein Mini-DVI-Ausgang für einen zweiten Monitor oder den Anschluss an einen Fernseher, drei USB-Schnittstellen plus zwei an der ultraflachen Tastatur und je ein Firewire400- bzw. Firewire800-Steckplatz.
Beim Auspacken des noch jungfräulichen Testgeräts strömt einem der typische Geruch unbenutzter Apple-Hardware entgegen (man sollte sich echt überlegen, diese Mischung aus Kabelbrand und frisch geformtem Plastik als Eau-de-Toilette auf den Markt zu bringen…). Abgeklebt mit Schutzfolien sieht das 20-Zoll-Testgerät zunächst nicht sehr adrett aus, ist man die Plastikplanen erst einmal losgeworden, blickt man auf matt schimmerndes Aluminium. Ein Hingucker auch die Peripherie: die neue, ultraflache Tastatur und die tastenlose Mighty-Mouse. Das Keyboard ist ebenfalls aus Metall gefertigt und wurde mit den angenehm leisen und leichtgängigen Tasten des MacBook bestückt. Zur bereits bekannten Mighty-Mouse gibt’s nicht viel zu sagen, außer, dass sie ob ihrer fehlenden Tasten (die ganze Maus nickt beim Klicken) und des „knubbelförmigen“ Scrollballs (verursacht ein stetiges, allerdings nicht für jeden angenehmes Kitzeln auf der Fingerkuppe) gewöhnungsbedürftig ist und von Mac-Usern häufig gegen ein Fremd-Fabrikat eingetauscht wird.
Mit dem gewohnten C-Dur-Akkord nimmt der iMac den Betrieb auf. Boot-Zeit: 23 Sekunden. Beim Display (Auflösung beim 20-Zoll-Gerät: 1680 mal 1050 Pixel; der 24-Zoll-iMac bietet Full-HD mit 1920 mal 1080 Pixel) setzt Apple auf „glossy“, also reflektierend - was beim iMac für satte Farben und prächtige Kontraste sorgt, allerdings taugt er damit auch als Schminkspiegel, denn in einem hellen Arbeitszimmer mit vielen Fenstern macht das Hochglanz-Display keine gute Figur. Diese Probleme sind aber hinreichend bekannt. Auch bei Apple, wo man etwa ein MacBook Pro mit mattem Display ordern kann. Die iMacs gibt’s allerdings nur hochglänzend. Ansonsten überzeugt das Display mit überdurchschnittlichem Bildaufbau (kein sichtbares Ruckeln beim Abspielen von DVDs) und annehmbarer Einsehbarkeit (Verfälschungen bei seitlicher Perspektive ab zwei Metern Distanz).
Alle Schnittstellen finden sich an der Rückseite des iMac und liegen relativ eng beieinander. Ein handelsüblicher DVB-T-Stick etwa passt nicht ohne Quetschwunden neben das USB-Kabel der Tastatur, weshalb man zu einem Verlängerungskabel greifen wird müssen. Generell erweist sich das Anschlussfeld an der Rückseite zwar als kosmetisch klug aber etwas unpraktisch. Wer USB-Geräte häufig an- und absteckt, muss entweder einen Satz Verlängerungskabel oder einen Hub ordern – oder Kratzer an der Kunststoffrückseite seines iMac durch blinde Ansteckversuche in Kauf nehmen. Man hält’s aber aus. Wirklich schlimm ist es nur im Fall der Kopfhörerbuchse, die sich ebenfalls an der Rückseite befindet. Die Designfetischisten hätten hier ruhig eine Unregelmäßigkeit an der Seite riskieren können.
Bei den Benchmark-Tests der amerikanischen Zeitschrift „Macworld“ schnitten die „neuen“ iMacs mit durchwegs guten Noten ab. Wobei die Vergleichstests unter den einzelnen iMac-Modellen ein paar Überraschungen brachten: So läuft etwa ein 20-Zöller mit 2,4 Gigahertz einen Tick schneller als ein 24-Zöller mit demselben Prozessor. Ein 20-Zöller mit 2 Gigahertz legt allerdings eine schlechtere Performance hin, als ein 24-Zöller aus der vorigen Generation mit einem nur geringfügig schnelleren 2,16-Gigahertz-Prozessor. Das alte G5-Modell überflügeln die neuen iMacs mit teilweise doppelt so guten Werten. Vor allem das 20-Zoll-Modell mit dem 2,4-Gigahertz-Prozessor erweist sich als schnellster Hengst im iMac-Stall.
Was noch aufgefallen ist: Das Superdrive-Laufwerk mit dem seitlichen Einschub erweist sich als praktisch, kann allerdings nur mit 12-cm-Scheiben gefüttert werden. Den Einzug verrichtet es geräuschvoll, ansonsten wird man aber nicht von der sich drehenden Scheibe gestört. Der On/Off-Knopf befindet sich an der Rückseite des iMacs – nur für den Fall, dass man ein paar Minuten nach ihm sucht…
Wie alle anderen Intel-Macs verwandelt auch der iMac viel Energie in Wärme. Das Metall-Gehäuse wird (laut Bedienungsanleitung) bis zu 70 Grad heiß, wenn man die Maschine entsprechend fordert. Man spürt die Hitze zwar nicht, wenn man vorm Gerät sitzt (so warm sind die 40 bis 50 Grad durchschnittliche Betriebstemperatur dann auch wieder nicht), allerdings bleibt ein ungutes Gefühl, wenn der Rechner derart „heizt“.
Fazit: Bleibt alles anders. Über das Design kann man streiten, leistungsmäßig hat man der iMac-Reihe, die nach Apple-Maßstäben übrigens auch „günstiger“ (Einstiegspreis liegt bei 1199,- Euro) geworden ist, eine hübsches Face-Lifting verpasst. Wer zum günstigsten 20-Zöller greifen würde, der könnte allerdings auch noch in ein 24-Zoll-Modell der letzten Generation investieren, das es in einigen Aple-Shops durchaus zu einem Abverkaufs-Preis geben könnte.
iLIFE UND iWORK: WAS WINDOWS-USER VERPASSEN
Zeitgleich mit dem iMac präsentierte Apple die neuen Versionen seiner Multimedia-Suite iLife und dem MS-Office-Konkurrenten iWork. Während letzteres sehr an Office (dessen erste Version 1989 zunächst ausschließlich für die Macintosh-Plattform erschien und erst zwei Jahre später für Windows-Rechner erhältlich war) angelehnt ist, beinhaltet iLife einige konkurrenzlose Programme, wie das Foto-Organisiations- und Bearbeitungsprogramm iPhoto, den Sequenzer Garage Band oder die DVD-Authoring-Software iDVD. Auch die Filmschnittsoftware iMovie bietet im Vergleich zu Microsofts Windows Movie Maker ungleich mehr Möglichkeiten.
Die iWork-Pendants zu Word, Excel und Powerpoint heißen bei Pages, Numbers und Keynote. Zusätzlich beinhaltet das Büro-Softwarepaket noch das Programm iWeb, mit dem Blogs und Websites erstellt werden können. Im Unterschied zu Microsoft-Software eilt den Apple-Programmen der Ruf von Unkompliziertheit und Stabilität voraus. Vor allem bei der Bedienung geben die beiden Software-Suiten Mac-Usern immer wieder Futter für neue Witze über Windows-Programme. Hier aber zusammengefasst, was Windows-User bei den Apple-Programmen, die es nur für die Mac-Plattform gibt, an Pros und Cons verpassen:
Lückenlose Einbettung ins OS
Anders, als es bei Windows der Fall ist, archiviert man Fotos, Filme oder Musik am Mac nicht in einer Verzeichnisstruktur auf der Festplatte, sondern organisiert sie in der jeweiligen Applikation, also iPhoto, iMovie bzw. iTunes. Das klingt zunächst umständlich, da man z.B. um an eine bestimmte Datei gelangen zu können, immer zuerst die jeweilige Applikation öffnen muss. Die Vorteile dieser Organisationsstruktur werden erst durch die Integration der jeweiligen Programme in das Gesamtsystem ersichtlich: Beim Einfügen von Bildern in ein Pages-, Numbers- oder Keynote-Dokument klappt die gewohnte Album-Struktur von iPhoto heraus. Ebenso bei Filmen oder Musik.
Man muss nicht einmal einen Dialog beginnen, sondern kann Fotos und Songs auch direkt per Drag-and-Drop in ein Dokument einfügen. Während manbei Windows in Ordnern wühlen muss und schlecht oder kaum nach einer Datei suchen kann, ist dies bei iWork und iLife selbstverständlich. Auch beim Synchronisieren mit dem iPod ist vieles leichter, da etwa iTunes auch mit iPhoto kann, und beispielsweise Fotos mit einer bestimmten Wertung beim Anstecken des iPods automatisch mitsynchronisiert werden können.
Die Verflechtung der Programme untereinander gilt auch für iWeb, dem Blog- und Website-Programm. Bildimport, Videoimport, etc. geschieht auf ie volle iTunes-Bibliothek – bearbeitet man gerade eine Audio-Spur aus oder für einen Film, so lässt sie sich auf Knopfdruck an iMovie senden.
Profi-Features
Anders als beim Windows Movie Maker, bietet Apples iMovie weit mehr Möglichkeiten beim Videoschnitt. Beginnend bei der Unterstützung von hochauflösenden Videoformaten (HDV, AVCHD, MPEG-4) und endend bei Funktionen wie Titel und Untertitel-Beschriftung. Nach dem Prinzip von iPhoto dient iMovie in der neuen Version jetzt auch als Film-Archiv. Schnitt- und Importvorgänge funktionieren intuitiv, ohne lange Dialoge oder langwieriges Suchen. Für eine Videokamera muss man weder Software noch Treiber installieren, der Export eines fertig bearbeiteten Filmchens geht auf Knopfdruck und auf Wunsch in verschiedenen Formaten. Ein One-Click-Upload zu YouTube ist ebenfalls integriert.
Auch iPhoto glänzt mit rudimentären aber sinnvollen Bearbeitungsfunktionen. Kontrast, Farbe, Rote Augen – all das kann in Windows XP ohne Zusatzsoftware nicht editiert werden. Bei Vista hat Microsoft mit einem kleinen Fotoeditor zu Apple aufgeschlossen. Konkurrenzlos bleibt dafür die Software iDVD, die logische Folge von iMovie für das Verewigen von Amateur-Filmchen auf einer DVD samt Menü und allem Pipapo. GarageBand hat auf der Windows-Plattform eigentlich keine Microsoft-eigene Konkurrenz und abseits dieser, bleiben nur mehr eine Handvoll Open-Source-Programme. Die Software ist ein mehrspuriges Aufnahmestudio, aber auch ein Podcast-Tool und wird eigentlich mit allem fertig, was Amateur-Musikproduzenten an Anforderungen stellen können.
„Hippe“ Vorlagen und Styles
Was bei Word, Excel und Powerpoint seit Jahr und Tag dasselbe ist, hat Apple als wichtigen Baustein erkannt und der heutigen Zeit angepasst: Die iWork-Programme beeindrucken mit klugen, variablen und höchst „hippen“ Formatvorlagen. Nicht nur bei Design und Farbgebung, sondern vor allem bei Layout und Organisation. So sind etwa im Präsentations-Programm Keynote verschiedene Layouts für Folien mit einem oder mehreren Bildern, Folien mit Musik, Folien mit Filmen oder Folien mit allen dreien auf einmal auswählbar. Das spart Zeit, weil man es nicht selber formatieren muss. Auch Numbers, das Excel-Pendant, glänz mit praktischen Vorlagen. So ist etwa ein Budgetplaner abrufbar, für dessen Leistung man auf der Windowsplattform ein ganzes Programm kaufen oder einen Excel-Kurs belegen müsste. Von den Blog-Vorlagen in iWeb ganz zu schweigen, bietet auch Pages alles, von der Geburtstagseinladung bis zum schnöden Lebenslauf.
„Idiotensicherheit“
Die „Einführung“ liest man bei iLife- oder iWork-Programmen selten bis gar nicht. Eine Eigenschaft, die Apfelverfechter den Produkten aus Cupertino immer zuschreiben, ist die berühmte „Idiotensicherheit“. Wer eine Kamera hat, wird mit iMovie ein Video schneiden können. Wer iWeb hat, wird sich einen Blog bauen können, und so weiter…
Kompatibilitätsprobleme
Trotz steigender Beliebtheit und Verkaufszahlen ist die Apple-Plattform immer noch eine Insel und Microsoft Windows der Kontinent. Ein Pages-Dokument kann von einem Windows-User nicht bearbeitet werden – auch von einem Mac-User ohne Pages nicht. Allerdings kann man .doc-Dateien speichern und die Dokumente so den Windows-Usern zugänglich machen. Bei Pages-eigenen Formatierungen kann es aber unter Word zu Problemen kommen.
Selbiges gilt für Numbers- und Keynote-Dateien, die man zwar in das jeweilige Microsoft-Format umwandeln kann, deren Formatierungen eine Bearbeitung mit den Windows-Programmen aber nicht unbedingt überstehen müssen. Vor allem bei Keynote, das ganz andere Folienübergänge und Effekte als Powerpoint bietet, ist die Kompatibilität fraglich. Apple sieht das naturgemäß anders, die Probleme beginnen aber schon bei Schriftarten, die am Mac vorhanden sind, unter Windows aber nicht – oder umgekehrt.
Auch bei anderen Programmen setzen sich die Probleme fort. iMovie etwa ist auf das Quicktime-Format .mov und den MPEG-4-Standard eingestellt. Quicktime gibt's nicht auf jedem Windows-PC, ebenso verursacht es bei den Windows-Usern Probleme bei der Wiedergabe als Webstream. Auch der MPEG-4-Standard bei Filmen oder Musik (H.264-Codec oder AAC-Dateien) wird nicht anstandslos von jeder anderen Plattform akzeptiert. Man läuft also stets in Gefahr, etwas zu verschicken, das andere nicht öffnen können.
Den Zwang, alles organisieren zu müssen
Eines ist klar – schnell mal die Fotos vom Urlaub auf der Festplatte ablegen, ist nicht. Wer seine Bilder mit iPhoto organisiert, muss zu A auch B sagen, sprich: bei jedem Import ein neues Album anlegen, die Bilder mit ein paar Begriffen taggen, damit man sie nachher auch wieder findet und hübsch dem Balken beim Laufen zusehen. Erhöhtes Kreativitätspotenzial hat eben auch seinen Preis…
Christoph Andert
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