05.07.2007 12:10 |

Mädels mögen's hart

Brutale Games kommen auch bei Mädchen gut an

Computerspiele mit Gewaltdarstellungen kommen auch bei Mädchen sehr gut an. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, solche Games seien in erster Linie bei Burschen gefragt, sind diese bei Mädchen ebenfalls beliebt, wie eine aktuelle Studie des Center for Mental Health and Media in Massachusetts belegt. Befragt wurden mehr als 1.200 zwölf- bis 14-Jährige in den USA. Bei den Jungs kam „Grand Theft Auto“, das mit einer Vielzahl von Gewaltdarstellungen durchzogen ist, mit Abstand am besten an. Bei den Mädchen war zwar „The Sims“ das beliebteste Game, „Grand Theft Auto“ lag aber bereits auf Platz zwei.

„Meiner Erfahrung nach spielen viele Mädchen Counter-Strike. Aber das tun sie eher, um vor den Burschen als cool zu gelten, denn aus wirklichem Interesse“, meint Verena Vlajo, Profi-Gamerin. Vlajo hat selbst schon einige Gaming-Turniere gewonnen und sieht sich bei solchen Events meist als einzige weibliche Teilnehmerin. „Die meisten Mädchen spielen lieber Adventure- oder Rollenspiele. Und natürlich Party-Games wie zum Beispiel Singstar. Mädels, die explizit auf Gewaltspiele stehen, begegnen mir selten“, hält Vlajo der US-Studie entgegen.

Generell nutzen nahezu alle US-Jugendlichen Computerspiele, nur sechs Prozent der Befragten hatten innerhalb des vergangenen halben Jahres überhaupt kein Game gespielt. Die Mehrheit hat regelmäßig Kontakt mit „gewalttätigen“ Computerspielen. Zwei Drittel der Burschen und ein Viertel der Mädchen haben in den vergangenen sechs Monaten ein Game gespielt, das erst ab 17 Jahren freigegeben ist. Hauptsächliche Motivation dafür ist der Abbau von Stress und Ärger. Ein Drittel der Burschen sowie eines von zehn Mädchen spielt regelmäßig, jeden Tag.

Laut Studie neigen Jugendliche, die Gewalt-Spiele nutzen, auch dazu, sich an gemeinschaftlichen Computerspielen mit fremden Teilnehmern im Internet zu beteiligen. Vor allem bei den Burschen drehen sich die Freundschaften häufig in erster Linie um das Thema Videogames. Für die Wissenschaftler sind die Ergebnisse der Untersuchung kein zwingender Anlass zur Sorge. Wenn gewalthaltige Spiele bei Jugendlichen derart beliebt sind, sollte dies vielmehr dazu anregen, Jugendschutz und Verbote neu zu überdenken, meinen die Experten. „Gewalt-Spiele sind so verbreitet und die Jugendkriminalität ist gesunken. Das bedeutet wohl, dass die meisten Kinder, die diese Games gelegentlich spielen, eigentlich ganz in Ordnung sind“, meint Cheryl K. Olson, Mitautorin der US-Studie.

Mit den Ergebnissen wollen die Wissenschaftler dazu beitragen, ein neues Bewusstsein für Computerspiele mit Gewaltdarstellungen zu schaffen. Es sei nicht genug, die Games einfach nur zu verdammen. Vielmehr müsse hinterfragt werden, welche Inhalte für welche Kinder in welchen Situationen eine schädliche Wirkung haben können. Die Eltern werden dazu aufgefordert, ihre Verantwortung als kontrollierende Instanz stärker wahrzunehmen. So sollten Computer und Konsolen nicht in den Kinderzimmern unbeaufsichtigt platziert und immer darauf geachtet werden, welche Spiele Freunde und ältere Geschwister mitbringen. (pte)

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