Kühlwasser fehlt

Zu trocken: Ungarisches AKW Paks muss vom Netz!

Ausland
30.07.2026 14:49
Porträt von krone.at
Von krone.at

Historisches Niedrigwasser der Donau hat drastische Folgen für Ungarns Energieversorgung: Das Atomkraftwerk Paks wird in den kommenden Stunden vollständig vom Netz genommen. Grund ist der so weit gesunkene Wasserstand des Flusses, dass die Kühlwasserpumpen ihre Funktion voraussichtlich nicht mehr erfüllen können.

Wegen des Rekordtiefs der Donau wird das ungarische Atomkraftwerk Paks innerhalb der nächsten 24 bis 72 Stunden vollständig vom Netz genommen. Das kündigte Regierungschef Péter Magyar am Donnerstag an. Der Betreiber des Kraftwerks bestätigte die Maßnahme auf seiner Website. Mit der Abschaltung wird die Stromproduktion des Kraftwerks vorübergehend eingestellt.

Nach Angaben des Betreibers würde die derzeitige Wassermenge grundsätzlich noch ausreichen, um die Reaktorblöcke zu kühlen. Problematisch sei jedoch, dass die Ansaugpunkte der benötigten Pumpen inzwischen höher liegen als der aktuelle und voraussichtlich weiter sinkende Wasserspiegel. Dadurch könnten die Pumpen ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen.

Mit der Abschaltung fällt einiges an Leistung für das ungarische Stromnetz weg.
Mit der Abschaltung fällt einiges an Leistung für das ungarische Stromnetz weg.(Bild: AP/Daniel Kiss)

2000 Megawatt Leistung fallen weg
Laut Magyar fällt durch die Abschaltung eine Leistung von rund 2000 Megawatt weg. Der Regierungschef erklärte jedoch, dass dieser Ausfall durch Stromimporte kompensiert werden könne. Die Importkapazität des Landes liege bei 3600 bis 3800 Megawatt.

Bereits zuvor hatte das Kernkraftwerk auf die sinkenden Pegel reagiert. Reaktorblock 3 wurde vollständig vom Netz genommen, die Leistung von Block 2 auf die Hälfte reduziert. Nach Angaben des Betreibers MVM Paks Nuclear Power Plant Ltd. (Paksi Atomerőmű Zrt.) sank der Wasserstand der Donau zuletzt auf minus 112 Zentimeter.

Betreiber spricht von sicherem Betrieb
Die Maßnahmen dienten der Aufrechterhaltung des sicheren Kraftwerksbetriebs sowie der Einhaltung von Umweltschutzvorgaben, erklärte der Betreiber. Die Behörden betonten zugleich, dass die Energieversorgung Ungarns weiterhin gesichert sei.

Das Atomkraftwerk Paks liefert mehr als die Hälfte des ungarischen Stroms. Die vollständige Abschaltung stellt damit einen bedeutenden Einschnitt für die Stromproduktion des Landes dar.

Paks II wegen Russland-Verbindung umstritten
Parallel zum Betrieb des bestehenden Kraftwerks ist mit Paks II der Bau von zwei neuen Reaktorblöcken geplant. Das Projekt wird mit einem russischen Darlehen finanziert und vom russischen Staatskonzern Rosatom umgesetzt.

Das Vorhaben steht seit Jahren in der Kritik. Umweltschützer und Nachbarstaaten verweisen unter anderem auf die enge Zusammenarbeit mit Russland sowie auf die angespannte Kühlwassersituation an der Donau.

EuGH kritisierte Vergabe an Rosatom
Das seit 1982 betriebene Kraftwerk in der südungarischen Stadt Paks wurde einst von der damaligen Sowjetunion geliefert. Zwei der vier bestehenden Reaktorblöcke sollen künftig durch die neuen Rosatom-Reaktoren ersetzt werden. Mit einer Inbetriebnahme war ursprünglich nicht vor Mitte der 2030er-Jahre gerechnet worden.

Bereits 2025 hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass die direkte Vergabe des milliardenschweren Auftrags an Rosatom ohne EU-weites Ausschreibungsverfahren gegen EU-Recht verstößt. Die Europäische Kommission hatte die staatlichen Beihilfen für das Projekt bereits 2017 genehmigt.

Unter der neuen Regierung von Premier Péter Magyar steht das Projekt Paks II nun auf dem Prüfstand. Die mit Russland und Rosatom geschlossenen Verträge sollen nach Angaben der Regierung neu bewertet werden.

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