Mo, 21. Jänner 2019

Körperkult

23.01.2018 06:00

Erst Tunnelpiercing, dann fehlt das Ohrläppchen

Tattoos sind von gestern, kleine Steckerchen in der Nase etwas für Weicheier - jetzt sind "BodMods" (Körpermodifikationen) schwer im Trend. Dafür werden Ohrläppchen gedehnt, Knorpel durchtrennt und Zungen gespalten. HNO-Ärzte warnen nun vor gefährlicher Verstümmelung.

Elfenohren sind nicht nur zu Weihnachten bei jungen Leuten beliebt. Dafür wird die Ohrmuschel im oberen Bereich durch das Einsetzen eines Implantates spitz geformt. "Der massive Eingriff birgt eine große Gefahr für das gesamte Haut-Knorpelgerüst", warnt Prof. Dr. Andreas Naumann Direktor der HNO-Klinik Bremen. Rötungen, Schmerzen, Missempfindungen, aber auch Infektionen bis hin zum Absterben von Knorpelgewebe können entstehen. Prof. Naumann: "Die dann erforderliche Ohrrekonstruktion ist sehr aufwändig und nur mittels plastischer Chirurgie möglich. Der Knorpel im Ohr- und Nasenbereich ist ein sehr empfindliches Gewebe, das normalerweise durch eine Knorpelhaut geschützt und ernährt wird".

Nur mehr ein Hautrest ...
Beim Tunnel-Piercing bringt man einen Platzhalter ins Ohrläppchen ein und weitet das so entstandene Loch immer mehr auf. Im Extremfall bleibt nur noch ein schmaler, umgebender Rest an Haut übrig. Wird bei einem seitlichen Ohrenpiercing die Knorpelhaut durchtrennt, können Bakterien und Viren eindringen, schwere Infektionen auslösen, bis unter Umständen das ganze Ohrläppchen verloren geht. Bei Zungenpiercings wiederum kommt es immer wieder durch die Verletzung einer Arterie zu erheblichen Einblutungen mit Schwellungen bis hin zur Atemnot. Wer trotzdem nicht darauf verzichten möchte, sollte sich vorher beim Facharzt beraten lassen und zur Nachsorgekontrolle gehen.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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