1963 abgestürzt

Rucksack nach 63 Jahren wieder zurück bei Besitzer

Tirol
27.08.2026 12:14

Ein Stubaier Bergführer entdeckte kürzlich einen historischen Rucksack samt Inhalt und andere Ausrüstungsgegenstände auf dem Sulztalferner in Längenfeld im Ötztal. Er gehört einem heute 86-jährigen Deutschen, der 1963 (!) in einer Gletscherspalte um sein Leben kämpfte.

Der Neustifter Bergführer Marco Stern war am 17. Juli mit Gästen am Sulztalferner zwischen Längenfeld und Neustift im Stubai unterwegs. In rund 2950 Metern Höhe fand er den Rucksack und weitere historische Ausrüstungsgegenstände rundherum verteilt – darunter einen Fotoapparat und Eispickel. Der Gletscher hatte all die Utensilien freigegeben. 

Der Rucksack und weitere Fundgegenstände.
Der Rucksack und weitere Fundgegenstände.(Bild: Robert Span)

„Er hat auch noch geschaut, ob sich in der Nähe eventuell eine ausgeaperte Leiche befindet“, erzählt Alpinpolizist Gregor Gatt von der Polizei in Neustift. Dies war jedoch negativ. Daraufhin hat Stern die Fundstücke am Posten abgegeben. Für Gatt begann nun eine akribische Kleinarbeit, um die Dinge zuzuordnen.

Alfred Rothfischer damals auf der Unglückstour und die Fundstelle (roter Kreis) heute.
Alfred Rothfischer damals auf der Unglückstour und die Fundstelle (roter Kreis) heute.(Bild: Rothfischer, Polizei)
Alfred Rothfischer heute – gemeinsam mit Frau Waltraud freute er sich rieisg über die Nachricht, ...
Alfred Rothfischer heute – gemeinsam mit Frau Waltraud freute er sich rieisg über die Nachricht, dass der Rucksack aufgetaucht ist.(Bild: Rothfischer)

„Ich habe viele Zettel mit handschriftlichen Notizen im Rucksack entdeckt, darunter auch Auszahlungsbelege einer bayrischen Bank, jedoch keinen Ausweis“, schildert Gatt. Er hat die Zettel, die relativ gut erhalten waren, getrocknet und schließlich doch noch einen Namen eruieren können: Alfred Rothfischer!

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Als ich den Namen in die Suchmaschine eingab, tauchte eine Festnetznummer in Bayern auf. Die habe ich angerufen.

Gregor Gatt, Alpinpolizist

In der Chronik fand sich allerdings kein Abgängiger mit diesem Namen, dafür half Google weiter. „Als ich den Namen in die Suchmaschine eingab, tauchte eine Festnetznummer in Bayern auf. Die habe ich angerufen.“

Am anderen Ende der Leitung meldete sich eine Dame in Wörth an der Donau mit Namen Waltraud Rothfischer. Auf die Frage, ob ihr Mann einen Rucksack vermisse, antwortete sie sofort und perplex mit „Ja“. Denn Alfred Rothfischer saß direkt neben ihr und war gedanklich sofort 63 Jahre zurück in der Vergangenheit – im Jahr 1963. Denn damals verlor er den Rucksack bei einem Spaltensturz am Sulztalferner. Das Rätsel war gelöst!

Alpinpolizist Gregor Gatt, Bergführer Marco Stern und Andreas Rothfischer (von links) samt ...
Alpinpolizist Gregor Gatt, Bergführer Marco Stern und Andreas Rothfischer (von links) samt Familie bei der Übergabe der Fundgegenstände in Neustift.(Bild: Polizei)

Alfred Rothfischer, der inzwischen gesundheitlich leicht beeinträchtigt ist, erzählte dem verblüfften Alpinpolizisten die unglaubliche Geschichte rund um den mysteriösen Rucksack. Gemeinsam mit zwei Bergkameraden war der damals 23-Jährige in den Stubaier Alpen unterwegs. Nach dem Gipfelsieg am Schrankogel und Nächtigung in der Amberger Hütte wollte die Dreierseilschaft am 3. August 1963 über den Sulztalferner zur Dresner Hütte steigen.

(Bild: Polizei)
(Bild: Polizei)
(Bild: Polizei)
(Bild: Polizei)
(Bild: Polizei)

Rothfischer ging voraus und stürzte tief in eine Gletscherspalte. In rund acht Meter Tiefe hing er über dem Abgrund. Er wusste jedoch in Sachen Rettungstechniken Bescheid und versuchte, sich mit Prusikschlingen aus der Spalte zu kämpfen. Weil der Rucksack aber zu schwer war und ihn in die Tiefe zog, warf er ihn in der Spalte ab.

Der Sulztalfener mit zwei der bayrischen Bergsteiger (links Alfred Rothfischer). Wenig später ...
Der Sulztalfener mit zwei der bayrischen Bergsteiger (links Alfred Rothfischer). Wenig später passierte hier das Unglück.(Bild: Rothfischer)

Der Bayer konnte sich erfolgreich und nur leicht verletzt retten, anschließend stieg das Trio nach Längenfeld ab. Dort machte er bei der Polizei eine Meldung, weil seine Dokumente für die Heimreise im ewigen Eis lagen. Bis zum 17. Juli 2026 und dem Fund durch Bergführer Marco Stern. Vergessen hatte er seine Utensilien bei dem Unfall seither nie. Die Familie scherzte immer wieder, dass es einmal auftauchen würde wie seinerzeit Ötzi.

Alpinpolizist Gregor Gatt kontaktierte jetzt nach der Lösung des Rätsels auch Andreas Rothfischer, den Sohn des 86-Jährigen. Der kam am Dienstag dieser Woche samt seiner Familie nach Neustift, um die Utensilien abzuholen und dem Vater zu übergeben. Denn der war wegen seines fortgeschrittenen Alters nicht in der Lage, Rucksack und Co. selbst abzuholen.

Die Freude aller Beteiligten war groß – ganz besonders die des heute 86-Jährigen, dem wohl der Abwurf seines Rucksacks als 23-Jähriger das Leben rettete. Entsprechend dankbar nahm er ihn jetzt daheim in Bayern entgegen.

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