So, 23. September 2018

Airbnb & Co.

04.09.2017 16:05

Wien bereitet Strafverfahren gegen Plattformen vor

Wien macht ernst: Weil Online-Zimmervermittler wie Airbnb oder Wimdu ungeachtet einer bis Ende August gesetzten Frist keinerlei Angaben zu den auf ihren Plattformen angebotenen Bleiben bzw. Unterkunftgebern an die Stadt übermittelt haben, bereiten die Behörden nun erste Strafverfahren vor. Konkret hätten acht der 16 kontaktierten Plattformen keinerlei Kooperationsbereitschaft gezeigt oder die Übermittlung explizit verweigert, hieß es am Montag aus dem Rathaus.

Die geforderten Daten sollen der Stadt einen Überblick über private Unterkunftsvermietungen geben. Hintergrund ist die Bezahlung der Ortstaxe. Hier haben in der Vergangenheit viele Zimmer- oder Wohnungsanbieter die verpflichtende Gebühr nicht bezahlt, wobei es für die Stadt bisher freilich schwierig herauszufinden war, wo Zimmer überhaupt angeboten werden. Deshalb wurde bereits Mitte Februar eine Gesetzesnovelle beschlossen, die eine halbjährige Übergangsfrist vorsah.

Das Magistrat hat in den vergangenen Monaten insgesamt 16 Online-Plattformen über die neue Regelung informiert. Laut Büro der für Finanzen und Tourismus zuständigen Stadträtin Renate Brauner haben mit Ablaufen der Frist am vorigen Donnerstag ganze drei Anbieter geliefert. Mit fünf weiteren gebe es weit fortgeschrittene Gespräche, hieß es. Hier geht es dem Vernehmen nach beispielsweise noch um technische Details. Bis Ende des Jahres sollen jedenfalls alle Vereinbarungen unter Dach und Fach sein. Demnächst soll auch endgültig geklärt sein, ob die Ortstaxe von den Online-Diensten eingehoben und gesammelt an die Stadt abgeführt werden soll oder ob sie sich das Magistrat bei den Vermietern direkt holt.

Bis zu 2100 Euro Strafe pro Verstoß
Fix ist, dass zwei Plattformen die Meldepflicht "explizit verweigert" haben, von sechs weiteren "gibt es im Moment noch keine Reaktion", heißt es aus dem Brauner-Büro. Insofern bereite man bereits Strafverfahren vor. Der Strafrahmen wurde im Zuge der Novelle auf 2100 Euro pro Verstoß erhöht. Welche Unternehmen sich aktuell an das Gesetz halten und welche nicht, will man bei der Stadt aus Datenschutzgründen nicht sagen. Somit gibt es auch keine Infos, wie sich der mit Abstand größte Anbieter Airbnb verhält. Zuletzt hieß es, man sei in guten Gesprächen.

8000 Unterkünfte allein in Wien
In der Bundeshauptstadt werden derzeit rund 8000 Unterkünfte über Online-Vermietungsdienste angeboten. Die verpflichtende Datenbekanntgabe per 31. August betrifft alle bereits bestehenden Wohnungs- und Zimmerangebote. Kommen neue dazu, müssen diese bis zum jeweils 15. Tag des Folgemonats der Stadt bekannt gegeben werden. Laut Magistrat wird etwa für eine nicht-umsatzsteuerpflichtige Privatwohnung, die für 100 Euro vermietet wird, eine Ortstaxe von 2,77 Euro fällig - unabhängig davon, wie viele Personen wie viele Nächte um diesen Preis bleiben.

60 Prozent mehr "Privatzimmer" binnen eines Jahres angemeldet
Die Info-Kampagne des Rathauses in den vergangenen Monaten dürfte bei den Privatvermietern jedenfalls mehr und mehr Wirkung zeigen. Inzwischen gibt es nämlich 2085 Ortstaxekonten in Wien (Stichtag 1. September), Anfang August waren es noch 1952. Vor einem Jahr - Anfang September 2016 - zählte man erst 1461 Konten. Einen überdurchschnittlichen Zuwachs um mehr als 60 Prozent innerhalb eines Jahres gab es im Bereich "Privatzimmer".

 krone.at
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