Die mächtige Front lässt es erahnen: Im Herzen ist der Ford Edge ein Ami. Doch in zweiter Generation folgt er dem Ruf der Massen, die auch in Europa nichts lieber haben als SUVs. Kein Zufall, dass er ab der A-Säule auch nichts Kantiges mehr an sich hat, abgesehen vom Namen. Flach zieht sich die Dachlinie in Richtung eines eher zierlichen Hecks - über ein Raumschiff, das mit erstaunlichen Qualitäten überrascht.
Um eine Sache herauszuheben: Schon in der Basisausstattung serienmäßig ist der Ford Edge mit Active Noise Control ausgestattet, das heißt er dämpft mit Gegenfrequenzen Motor- und Fahrgeräusche weg. So wie diese Bose-Kopfhörer, die im Flugzeug so angenehm sind. Spooky stuff. In der Praxis hört man zum Beispiel bei Tempo 200 den Motor fast gar nicht. Wohlgemerkt: Es handelt sich um einen Vierzylinder-Diesel, der sich dabei durchaus anstrengt. Lediglich den Fahrtwind hört man (in Ermangelung anderer Geräusche), jedenfalls was das Akustikglas (auch beim Glaspanoramadach) übrig lässt.
Insgesamt ist das wahrscheinlich leiser als ein Sechszylindermotor OHNE dieses Soundabschalten, den gibt es aber auch nicht. Zur Wahl stehen ausschließlich zwei Ausprägungen dieses einen Zweiliter-Diesels: 180 PS/400 Nm mit manuellem Sechsganggetriebe sowie 210 PS/450 Nm mit Sechsgang-Automatikgetriebe (= die geschmeidigere Kombination).
Damit ist man angemessen unterwegs, bei beiden geht sich der 0-100-Sprint knapp unter zehn Sekunden aus, maximal sind 200 km/h bzw. knapp mehr drin. Man braucht halt ein bissl Geduld, weil es oben raus dann etwas zäh wird. Aber das ist mir auch nur deshalb aufgefallen, weil ich auf einer freien deutschen Autobahn unterwegs war. Man darf sich halt keine sportlichen Fahrleistungen erwarten, auch wenn der Ford Edge (vor allem in der Version "Sport", aber auch sonst) wirklich schnittig ausschaut und mit etwas über 1,8 Tonnen Leergewicht (ohne Fahrer) zu den Leichtgewichten in der Klasse zählt.
Fords großes SUV ist serienmäßig mit einem intelligenten Allradantrieb (frontorientiert) ausgestattet, der die Antriebskräfte blitzschnell verteilt. Abseits befestigter Straßen fühlt er sich dennoch nicht wohl; kein Wunder, dass der vorgeschlagene Offroad-Part bei der Präsentation im Münchner Umland aus einem Abstecher auf einen Waldweg bestand. 15 Zentimeter Bodenfreiheit sprechen Bände, und das macht ja auch nix. Die meisten SUVs sehen nicht einmal so etwas.
Fahrwerk und Lenkung sind komfortabel, ohne schwammig zu werden; wer es gern etwas knackiger möchte, muss den Top-Edge namens "Sport" ordern - der kommt mit Sportfahrwerk und Adaptivlenkung. Doch für die große Reise ist das Standardfahrwerk angenehmer.
Reisen ist generell das Metier des Ford Edge. Es ist gut Platz für fünf, hinten schränkt nicht einmal das Glasdach die Kopffreiheit ein, der Kofferraum fasst 602 Liter bis zur Gepäckraumabdeckung. Mit für maximale Befüllung umgeklappten Rücksitzlehnen passen beinahe zwei Kubikmeter hinter die optional per Fußkick zu öffnende Heckklappe.
Reisen ist nicht nur bequem, sondern auch besonders sicher. Bereits in der Grundausstattung (Trend, ab 45.400 Euro) ist ein beeindruckendes Assistentenpaket integriert: Fahrspurassistent inkl. Spurhalteassistent und Müdigkeitswarner, aktiver Notbremsassistent, Verkehrsschilderkennung, alle Airbags inkl. Fahrer-Knie-Airbag. Dazu noch mehr, was den Umgang mit Fords Flaggschiff angenehm macht, von der Zweizonenklimaautomatik über Tempomat und Rückfahrkamera bis zum Sync-2-Audiosystem mit neun Lautsprechern und 8-Zoll-Touchscreen. Nur ein Sicherheitsfeature kostet extra: der Gurt-Airbag für die hinteren Sitze (gibt es außer bei Ford nur in der Mercedes-S-Klasse).
Der Aufpreis für "Titanium" beträgt 3400 Euro und beinhaltet unter anderem Frontscheibenheizung, Sitzheizung, Parksensoren oder auch das größere Display samt Navigationssystem und Sync-2-Sprachsteuerung. Im Herbst wird es durch die nächste Generation abgelöst: Sync 3 kommt mit verbesserter Sprachsteuerung und einem kapazitiven Touchscreen. Hoffentlich wird auch die Bedienstruktur des Navitainments übersichtlicher. Außerdem wünsche ich mir Armaturen, die besser ablesbar sind.
Unterm Strich
Kaum zu glauben, dass der Ford Edge auf der Plattform des Mondeo aufbaut. Wobei, das gilt ja auch für den Galaxy, der auch ein mächtiges Format hat. Ich vermute, die meisten werden den Ford Edge unterschätzen, aber wer Platz und Übersicht braucht, auf umfangreiche Ausstattung steht und es optisch gern sportlich, aber faktisch eher komfortabel mag, der sollte sich probeweise die Kante geben (Edge heißt zu Deutsch Kante), wenn im Juni die ersten Exemplare aus Kanada zu den Händlern rollen. Er wird vielleicht überrascht sein.
Warum?
Warum nicht?
Oder vielleicht …
… Hyundai (Grand) Santa Fe, Kia Sorento. Fiat Freemont läuft aus, BMW X5 ist von der Premium-Anmutung her zu hoch gegriffen.
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