Di, 21. Mai 2019
14.01.2016 09:32

Hartes Pflaster

Reisen buchen im Netz: "Fluch und Segen zugleich"

Für die heimischen Hotels sind Online-Buchungsportale "Fluch und Segen zugleich", wie die Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, Petra Nocker-Schwarzenbacher, einräumte. Die Buchungsplattformen sorgen für Auslastung, allerdings mit niedrigen Preisen. "Das schlägt sich auf den Ertrag, aber wir machen zusätzliches Geschäft."

Bei der Wahl des Hotels ist für die Österreicher einer market-Umfrage zufolge vor allem der Preis ausschlaggebend. 78 Prozent schauen in erster Linie auf die Kosten, erst dann auf die Lage des Hotels (64 Prozent). 60 Prozent sind persönliche Empfehlungen von Freunden und Bekannten wichtig. Fast ein Drittel (31 Prozent) wirft auch einen Blick auf die Bewertungen und Ratings im Internet. Bei den Bewertungen tritt der Tourismus-Obfrau zufolge aber auch "eine Art Willkür" auf. Einige Gäste verlangten ein Upgrade oder einen nachträglichen Preisnachlass für ein positives Statement.

"Ohne Plattformen geht es nicht, mit ist es auch nicht einfach", meinte die Branchensprecherin und kritisierte auch die beginnende Monopolstellung vor allem von Booking.com. "Ab 12 Prozent Provision ist man dabei", so Nocker-Schwarzenbacher. Um bei den Hotelnennungen im Internet vorgereiht zu werden, gewährten die Hoteliers aber auch Spitzenprovisionen bis zu 30 Prozent. "Das geht einfach extrem auf den Ertrag", berichtete die Tourismus-Obfrau.

Hotels dürfen nicht günstiger sein als Buchungsportale
Hinzu kommt die Bestpreisgarantie, welche die Plattformen den Beherbergungsbetrieben abverlangen. Diese dürfen ihre Zimmer nicht günstiger anbieten als ihre Internet-Vermittler. "Diese Bewegungsfreiheit wird uns zur Gänze genommen." Im Schnitt seien Provisionen von zwölf bis 15 Prozent üblich. "Wir sind trotzdem froh, dass es Anbieter wie Trivago oder Holidaycheck gibt", so Nocker-Schwarzenbacher.

Fast die Hälfte (46 Prozent) der Österreicher bucht das Zimmer für einen Urlaub im eigenen Land laut aktueller Umfrage mittlerweile über ein Online-Portal, 39 Prozent rufen direkt beim Quartiergeber an und 7 Prozent gehen ins Reisebüro. Drei Viertel der Befragten haben bereits mindestens einmal über ein Hotel-Portal im Internet gebucht.

Booking.com ist dominierende Buchungsplattform
Die hierzulande am häufigsten genutzte Buchungsplattform ist mit einem Anteil von 49 Prozent Booking.com - vor einem Jahr nutzten 39 Prozent dieses Online-Portal, 2013 war es erst ein knappes Drittel (31 Prozent). Mit großem Abstand dahinter folgen Holidaycheck, das der Erhebung zufolge 16 Prozent nutzen, Expedia/Venere/Hotels.com (7 Prozent), HRS/Tiscover/Hotel.de (6 Prozent) und Bergfex (2 Prozent). Nur 10 Prozent der 500 Befragten gaben an, keine Onlineplattformen zu nutzen.

In Deutschland wurde die "Bestpreisgarantie", welche Booking.com von den Hoteliers verlangte, kurz vor Weihnachten für verboten erklärt. Die deutschen Hotels müssen den Reiseplattformen künftig nicht mehr die jeweils niedrigsten Preise garantieren, sondern dürfen auch auf der hauseigenen Internetseite günstigere Sonderangebote machen.

Daraus schöpfen nun auch die heimischen Touristiker Hoffnung. "Wir fordern, dass auch für Österreich diese Bestpreisgarantie fällt", bekräftigte die Branchensprecherin. Der Fall liegt der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) bereits vor. "Die Behörde ist eingeschaltet und wir hoffen, dass es zügig vorangeht", sagte die Tourismus-Obfrau. Die Branche erwarte sich "gleiche Bedingungen" wie in Deutschland. "Wir möchten einfach faire Spielregeln." Mit einer Entscheidung ist aber erst Ende 2017 zu rechnen, wie es in der Kammer unter Berufung auf eine Einschätzung des BWB-Chefs Theo Thanner heißt.

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