Jede einzelne Maschine eine BMW S 1000 RR, alle sind einmal serienmäßig vom Band gelaufen, bevor sie mehr oder weniger umgebaut wurden, abhängig vom Reglement der jeweiligen Rennserie, in der sie starten, und vom Fahrer, auf den sie zugeschnitten wurden. Hier die Aufstellung der illustren Gesellschaft:
Zum Vergleich steht eine tatsächlich serienmäßige S 1000 RR bereit, ein extrem guter Supersportler, mit dem man auf Anhieb richtig schnell unterwegs sein kann, vor allem seit die Münchnerin in ihrer zweiten Generation auf dem Markt ist. Auf ihr fühle ich mich wie immer sofort wohl, sie ist der ideale Einstieg, um den für mich neuen Circuit Ricardo Tormo zu erkunden. Und doch ist sie für Racer, die es ernst meinen, erst der Beginn der Fahnenstange.
Natürlich geht es dabei zum Teil auch um die Motorleistung, das stärkste Triebwerk hier im Feld (#8) bringt mehr als 225 PS (zum Vergleich: In der MotoGP sprechen wir von rund 260 PS). Aber jedes Race-Bike hat seine eigene Charakteristik, die Unterschiede zwischen den sechs Heiligtümern sind immens. Bei zwei von ihnen bin ich froh, als meine drei Runden unfallfrei vorbei sind, so schwer habe ich mir mit ihnen getan. Das liegt daran, dass sie für einen Fahrer gebaut sind, der kleiner ist als ich, und wohl auch an seinen Vorlieben, die sich von meinen unterscheiden. Es gibt einfach nicht das perfekte Bike für alle (aber eine riesige Zubehörliste bei BMW Motorrad und entsprechendes Knowhow, das die Teams unterstützt).
Das eine reißt an, wenn man den Gasgriff nur schräg anschaut, beim anderen muss ich am Bremshebel ziehen wie ein Ochse, damit sie verzögert. Dann wieder bin ich mehr damit beschäftigt, mich unverkrampft zu bewegen, als dass ich so etwas wie eine Linie finde.
Der Matrix-Effekt
Andere hingegen vermitteln mir gleich eine Art Grundvertrauen. Zum Beispiel die IDM-BMW des frisch gebackenen (vorzeitigen) Champions Markus Reiterberger. Mein absoluter Favorit ist aber die RR aus der Langstrecken-Weltmeisterschaft (#13). Da habe ich das Gefühl, nichts tun zu müssen, weil das Motorrad weiß, was ich brauche und denke. Alles geschieht irgendwie automatisch, alles ist leicht. Schon in der ersten der drei Runden merke ich, wie ich mich entspanne, die Freude am Fahren über die Anspannung triumphiert und unterm Helm ein Grinsen aufzieht. Auch mit der immens starken und mit 169 kg Trockengewicht sehr leichten Tyco-BMW, mit der Guy Martin im Juni bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man angetreten ist, komme ich ausgesprochen gut zurecht.
Ich bin gemeinsam mit Roland Resch hier, der selbst mit einer BMW S 1000 RR gerade vorzeitig Alpe-Adria-Meister und Österreichischer Meister geworden ist (und übrigens auch Ringtrainings anbietet). Er beschreibt es nach seinen Testfahrten sehr treffend: "Es ist, wie wenn in der Kurve die Zeit stehen bleibt. Du kannst in aller Ruhe agieren und sogar am Limit noch voll andrücken." Das kann man sich vorstellen wie Keanu Reeves, der in "Matrix" einem Kugelhagel ausweicht.
Der Niederösterreicher ist praktisch sein eigenes Team und einer von über 100 Fahrern, die die weltumspannende BMW Motorrad Race Trophy untereinander ausmachen. Die Rennergebnisse von BMW-Fahrern in 19 sehr unterschiedlichen Rennserien in aller Welt fließen nach einem Punktesystem in eine Gesamtwertung ein, sodass im November ein Sieger gekürt werden kann. Insgesamt stehen 200 Rennteams in Kontakt mit BMW Motorrad. In München setzt man auf Kundensport statt auf MotoGP.
Auch wenn zwischendurch die Zeit stehen geblieben sein mag - irgendwann ist der Testtag vorbei, Knochen und Bikes sind allesamt unbeschädigt und ich bin froh, dass aus dem Traum kein Albtraum für die Teams geworden ist. Und das Träumen fängt jetzt eigentlich erst an…
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