Die Hände vom Lenkrad nehmen, das war bislang teuren Autos vorbehalten. Ford bietet seine „Selbstfahr-Funktion“ BlueCruise jetzt auch im Kleinwagen Puma an. Das teilautomatisierte System kann auf der Autobahn übernehmen. Die „Krone“ nahm das unter die Lupe – und die Hände vom Steuer. Allerdings mit Einschränkungen.
Seit fünf Jahren fahre ich jetzt einen Ford Fiesta. Mit dem bin ich eigentlich glücklich – bis auf eine Sache: Er hat keine Spurzentrierung, kann das Auto also nicht automatisch in der Spurmitte halten. Das heißt, ich muss auf der Autobahn permanent kleine Lenkbewegungen machen, um das Auto in der Spur zu halten. Nach einer Stunde Fahren bin ich dann meistens schon müde.
Als ich hörte, dass Ford die Funktion „BlueCruise“ jetzt auch im Kleinwagen Puma anbietet, war ich sofort neugierig. Es handelt sich um ein teilautomatisiertes System, bei dem der Fahrer auf dafür freigegebenen Autobahnabschnitten – den sogenannten „Blue Zones“ – die Hände komplett vom Lenkrad nehmen kann. Auf der sechsteiligen Skala des Autonomen Fahrens bedeutet das Stufe 2 (siehe Grafik), oder wie Ford in diesem Fall betont: Stufe 2+, also kurz vor Stufe 3.
Das Auto fährt selbst, hält die Spur, den Abstand und passt die Geschwindigkeit an. Bisher gab es solche Systeme nur in teuren Modellen. Der Puma Gen-E startet bei 36.890 Euro, die BlueCruise-Funktion selbst kostet einmalig 1450 Euro und ist mindestens sieben Jahre lang nutzbar. Bei der BlueCruise Edition ab 42.390 Euro ist das Assistenz-System inkludiert.
Der Chauffeur übernimmt
Das erste Mal aktivierte ich BlueCruise auf der A22 in Wien. Die Bedienung ist simpel: Sobald das System erkennt, dass man sich in einer Blue Zone befindet, wird das Display blau. Jetzt kann man die Hände vom Lenkrad nehmen.
Ich gebe zu: Die ersten Sekunden waren ungewohnt, die Hände in den Schoß zu legen und dem Auto das Fahren alleine zu überlassen. Aber nach etwa fünf Sekunden war es für mich das Natürlichste der Welt. Es fühlt sich an, als hätte man plötzlich einen persönlichen Chauffeur.
Auch im Stau aktiv
Beeindruckend war die Stausituation. Auf der Rückfahrt geriet ich in stockenden Verkehr. BlueCruise blieb aktiv: Das Auto bremste selbstständig ab, wenn die Autos vor uns stehen blieben, und fuhr automatisch wieder an, wenn es weiterging. Ich musste gar nichts tun. Im Vergleich zu meinem Fiesta mit Schaltgetriebe, wo ich im Stau permanent kuppeln und schalten muss, ist das ein unglaublicher Komfortgewinn.
Es gibt aber Einschränkungen
Das System erkennt auch Verkehrszeichen zuverlässig. In einer 100er-Zone bremst es, wenn ein 80er-Schild kommt, selbstständig ab, und beschleunigt danach wieder. BlueCruise funktioniert aber nur auf Autobahnen, also nicht bei Ortsdurchfahrten.
Beladen und laden
Abseits von BlueCruise ist der Puma Gen-E ein typischer kleiner Elektro-Crossover. Mit 1563 kg ist das 4,23-m-Auto relativ leicht für einen Stromer, das Fahrverhalten Ford-typisch sehr agil. In der Stadt und auf Landstraßen fährt er sich flott und wendig. 168 PS, 290 Nm, 0-100 in 8 Sekunden. Bei Tempo 160 wird elektronisch abgeregelt. Die Rekuperation ist stark genug, dass man in der Stadt fast nie das Bremspedal braucht – es handelt sich um echtes One-Pedal-Driving.
Die 46,8 kWh des NMC-Akkus sind für den Alltag völlig ausreichend. Laut WLTP-Norm reichen diese für 386 bis 417 Kilometer, in der Stadt sind es real über 450 Kilometer, auf der Autobahn etwa 275 Kilometer. Mit 100 kW DC-Ladeleistung ist der Puma Gen-E für seine Klasse ordentlich aufgestellt, von 10 auf 80 Prozent Ladestand dauert es im Idealfall 26 Minuten.
Der entscheidende Vorteil liegt woanders – und zwar bei den inneren Werten: 523 Liter Kofferraum, mit umgeklappter Rückbank sind es sogar 1283 Liter. Dazu die 145 Liter fassende „GigaBox“ unter dem Ladeboden und ein 43-Liter-Frunk unter der Fronthaube. Das ist mehr Stauraum als mancher größere Kombi bietet – und in dieser Fahrzeugklasse konkurrenzlos.
Fahrzit
BlueCruise ist die aufregendste Technologie, die ich je in einem leistbaren Auto erlebt habe. Sie funktioniert zuverlässig, ist intuitiv zu bedienen und nimmt einem auf langen Fahrten einen Großteil der Belastung ab. Die fehlende automatische Spurwechsel-Funktion in der getesteten Version ist schade, aber verschmerzbar.
Der Puma Gen-E selbst ist ein solides Stadtauto mit einem überragenden Kofferraum. Wenn man zu Hause oder in der Firma laden kann und die täglichen Strecken überschaubar sind, ist er eine gute Wahl. Für längere Fahrten braucht es ein bisschen Vorausplanung beim Laden.
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