Schräger Antrieb

1200-PS-Bolide mit V8 – aber nur als Stromaggregat

Motor
05.11.2026 10:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein 6,2-Liter-V8, rund 1200 PS, aber keine Verbindung zwischen Motor und Rädern: Der Karma Eximius 1 ist ein ziemlich ungewöhnliches Kraftpaket. Obwohl der Bolide elektrisch angetrieben wird, ist der Achtzylinder-Sound echt.

Es ist eine Auftragsarbeit, die der amerikanische Hersteller Karma auf die Räder gestellt hat. Gebaut für die Rennstrecke und einen einzigen Kunden, dem sein bisheriger Karma Revero offenbar zu brav geworden ist.

Der wollte etwas Extremes, und bei Karma rannte er damit offene Türen ein. Das Ergebnis wurde jetzt beim Concours at Wynn in Las Vegas präsentiert. Ein martialisch aufgerüsteter Revero mit riesigem Heckflügel, verbreiterter Karosserie, jeder Menge Carbon und einer Antriebstechnik, bei der selbst gestandene Motorenentwickler zweimal hinschauen dürften.

Acht Zylinder als Stromlieferanten
Das Grundprinzip kennt man vom Revero, dessen technische Wurzeln bis zum einstigen Fisker Karma zurückreichen: Ein Verbrennungsmotor erzeugt über einen Generator elektrische Energie, während Elektromotoren die Räder antreiben. Man spricht von einem seriellen Hybrid.

(Bild: Karma Automotive)

Bisher übernahm ein aufgeladener Dreizylinder den Job des Stromerzeugers. Im Eximius 1 darf sich ein 6,2 Liter großer Achtzylinder damit beschäftigen. Der V8 stellt über den Generator 558 PS zur Verfügung, die Batterie ermöglicht zusätzlich 654 PS, wenn genug Saft drin ist. Zusammen ergibt das nach Herstellerrechnung 1212 PS.

Wie sich diese Leistung im Detail auf die elektrischen Antriebsmotoren verteilt, verrät Karma bislang nicht. Auch die Batteriekapazität bleibt geheim. Immerhin darf der Achtzylinder seinen gewaltigen Hubraum auch akustisch zur Geltung bringen: Seitlich hinter den Vorderrädern münden jeweils zwei Auspuffrohre ins Freie.

Für den Sprint aus dem Stand auf 60 mph, also knapp 97 km/h, verspricht Karma 2,7 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit soll jenseits von 200 mph liegen, entsprechend mehr als 322 km/h. Das sind allerdings noch Zielwerte. Der Eximius 1 befindet sich weiterhin in der Entwicklung und soll erst 2027 an seinen Auftraggeber übergeben werden.

(Bild: Karma Automotive)

Carbon, Magnesium und ein riesiger Flügel
Für den Einsatz auf der Rennstrecke wurde der Viertürer gründlich umgebaut. Die Radhäuser legen insgesamt fünf Zentimeter an Breite zu, darunter stecken 21 Zoll große Magnesiumräder mit Zentralverschluss. Ein semiaktives Öhlins-Fahrwerk soll für kontrollierte Karosseriebewegungen sorgen, Carbon-Keramik-Bremsen mit zweiteiligen Scheiben die enorme Leistung wieder einfangen.

(Bild: Karma Automotive)

Auch aerodynamisch lässt Karma wenig Zurückhaltung erkennen. Vorne sitzt ein mächtiger Splitter zwischen großen Lufteinlässen, die Kotflügel sind mit Entlüftungsöffnungen versehen. Hinten spannt sich ein gewaltiger Flügel über die gesamte Fahrzeugbreite, darunter wartet ein ebenso unübersehbarer Diffusor. Dazu kommen jede Menge sichtbare Carbonflächen und ein Farbverlauf ins kräftige Borealis-Blau.

Innen geht es kaum dezenter zu. Carbon findet sich an Türen, Lenkrad, Armaturenbrett und Mittelkonsole. Vorne gibt es Recaro-Rennschalen, bezogen mit blauem Alcantara und Leder. Die Pedale sind aus Aluminium gefräst. Auf der Mittelkonsole sitzt ein roter Not-Aus-Schalter, und zwischen den hinteren Sitzen hat sogar ein maßgefertigter Carbon-Rennhelm seinen eigenen Platz. Vier Personen können also theoretisch mit auf die Rennstrecke. Ob die hinteren Passagiere das wirklich genießen, ist eine andere Frage.

(Bild: Karma Automotive)

Jeder Wunsch ein Einzelstück
Der Eximius 1 ist zugleich der Auftakt eines neuen Geschäftsmodells. Unter dem Namen Eximius bietet Karma besonders zahlungskräftigen Kunden künftig die Möglichkeit, gemeinsam mit den Entwicklern praktisch das gesamte Auto umzugestalten. Das reicht von der Karosserie über das Fahrwerk bis zum Antriebsstrang. Jedes Fahrzeug soll ein Unikat bleiben.

Was der Auftraggeber für seinen ziemlich extravaganten Wunsch bezahlt, verrät Karma nicht.

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