Nach Trennung von Papa

Wie Alleinerzieherin mit 33 Euro am Tag auskommt

Oberösterreich
01.11.2026 11:20

Wie viel Geld braucht eine kleine Familie zum Leben? Anika Wakolbinger bleiben nach Abzug aller Fixkosten 990 Euro im Monat für sich und ihre beiden Töchter. Auf ihrem Instagram-Account und mit der „Krone“ spricht die alleinerziehende Mutter aus Linz über Kinder, Job und Geldsorgen. 

Wie viel finanzieller Spielraum bleibt, wenn man als Mutter allein für die Familie verantwortlich ist? Dass Anika Wakolbinger ihre beiden Töchter einmal allein großziehen würde, war nie der Plan. Schon während der ersten Schwangerschaft nahm der Vater der Mädchen einen Job im Ausland an. „Er war ein lieber Papa, aber leider auch mal sieben Wochen am Stück nicht da. Das war für uns alle nicht leicht. Wir wollten eigentlich zu ihm ziehen, sobald ich nach der Karenz wieder etwas verdiene.“

Doch aus dem gemeinsamen Neuanfang wurde nichts: 2024 trennte sich der Vater völlig unerwartet von seiner Familie. Die Kleinste war erst ein halbes Jahr alt. Weihnachten wollte er seine Mädels noch besuchen – tauchte aber nie auf. „Ich hab halt einfach weitergemacht. Funktioniert. Aber ich glaube, verarbeitet habe ich es noch immer nicht“, erzählt die 28-Jährige.

990 Euro im Monat – und jeder Einkauf zählt
Zunächst lebten die drei von Ersparnissen und Anika hoffte auf Unterhaltszahlungen. Doch darauf wartet sie wegen langwieriger rechtlicher Verfahren bis heute. „Mir wurde irgendwann klar, dass ich finanziell vorerst allein zurechtkommen muss.“ Also setzte sie sich hin und rechnete nach: Was bleibt, wenn alle Fixkosten bezahlt sind? Das Ergebnis: 990 Euro im Monat für sie und ihre beiden Töchter, mittlerweile vier und zweieinhalb Jahre alt. Oder auch 33 Euro am Tag.

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Mir wurde irgendwann klar, dass ich finanziell vorerst allein zurechtkommen muss.

Anika Wakolbinger

Auf ihrem Instagram-Account „anikaandthegirls“ spricht die Linzerin nun offen über ihre täglichen Ausgaben und darüber, wie sie den Überblick behält. Die Reaktionen darauf zeigen, wie viele Familien ähnliche Sorgen haben. „In einer Umfrage haben 20 Prozent meiner Follower gesagt, dass sie 33 Euro am Tag viel finden. Da frage ich mich schon: Wie machen die das!?“

Oma ist extra in Altersteilzeit gegangen
Heute arbeitet Anika 30 Stunden pro Woche im Büro, während die Mädchen den Kindergarten besuchen. Auch die Oma unterstützt, wo sie kann, ist dafür sogar extra in Altersteilzeit gegangen. Trotzdem wird es am Ende des Monats knapp. Die 33-Euro-Marke als Richtwert im Kopf zu haben, hilft und motiviert Woche für Woche, so die zweifache Mama. „Nach einem teureren Wochenende weiß ich beispielsweise, dass wir an den folgenden Tagen kürzertreten müssen, damit sich das bis zum Monatsende ausgeht. Meist kommen wir erstaunlich gut mit dem Geld aus, können manchmal sogar etwas sparen.“

Schwierig wird es, wenn ein Geburtstag kommt. Weihnachten. Reparaturen, Bastelbeiträge oder neue Winterstiefel. „Das sind Ausgaben, um die du nicht herumkommst – und die den Rahmen sprengen.“

Kein Auto, kein Urlaub – und Snacks von zuhause
Deshalb werden selbst kleine Gewohnheiten hinterfragt. Dinge, die für andere Familien selbstverständlich sind. Schnell zum Bäcker auf Kipferl und Kakao? Das ist die Ausnahme. Snacks und Kaffee werden von zu Hause mitgenommen. Es gibt auch kein Auto. Urlaub und großartige Wochenendausflüge sind nicht drin. „Wir sind viel am Spielplatz und treffen uns mit Freunden.“ Eingekauft wird fast nur beim Hofer. „Das macht einen enormen Unterschied.“

Anika und ihre „girls“ (4 und 2,5): „Ich habe nie Pause. Aber das ist halt so. Es passt, wir ...
Anika und ihre „girls“ (4 und 2,5): „Ich habe nie Pause. Aber das ist halt so. Es passt, wir sind ein Team.“(Bild: Markus Wenzel)
„Ist ein Gang zum Bäcker heute noch drin?“: Fragen, die sich die alleinerziehende Mama stellt.
„Ist ein Gang zum Bäcker heute noch drin?“: Fragen, die sich die alleinerziehende Mama stellt.(Bild: Markus Wenzel)

Was Anika Sorgen bereitet, ist der Blick in die Zukunft. Wenn die Mädchen einmal in die Schule kommen und die Kosten steigen. Schon jetzt musste sie die Große vom Eiskunstlaufen wieder abmelden, weil es zu teuer wurde. „Ich möchte nicht immer auf der Bremse stehen müssen. Es ist ein großer Druck, der auf Alleinerziehenden lastet. Ständig darüber nachdenken zu müssen, wie man zusätzlich Geld hereinbringen kann. Jede Ausgabe im Kopf gegenrechnen.“

„Was ich verdiene, reicht auf Dauer nicht aus“
Wie die 28-Jährige Job, Kinder und Geldsorgen stemmt? „Ich kenne es nicht anders. Es waren immer nur wir drei. Und wir sind ein eingespieltes Team.“ Pausen gibt es nicht. Selbst wenn die Kinder einmal nicht da sind, warten andere Aufgaben, so Anika. Ihre Mama sei eine große Hilfe, trage aber nicht dieselbe Verantwortung wie ein zweiter Elternteil. „Ich bringe die Mädchen ins Bett und wecke sie morgens auf, richte die Snackboxen, bringe sie in den Kindergarten und hole sie wieder ab. Wenn ich zwischendurch nicht den Staubsauger in die Hand nehme, liegen die Brösel drei Tage später immer noch da.“

Dennoch betont die Single-Mama: „Es geht uns trotz allem sehr gut. Wir haben es schön. Wir sind in der glücklichen Lage, dass ich einen finanziellen Puffer habe. Ich weiß aber, dass viele andere diese Absicherung nicht haben, und das stimmt mich schon nachdenklich. Denn Tatsache ist: Was ich aus meinem Angestelltenverhältnis verdiene, reicht auf Dauer nicht für uns drei.“

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