Wenn Halloween zur echten Angst-Nacht wird: In Europas Großstädten werden Ausschreitungen und Plünderungen befürchtet, vereinzelt wurden auch in Wien Geschäfte verbarrikadiert. Wohl die neue Normalität in Europa, die nicht nur FPÖ-Chef Herbert Kickl „nicht mehr normal“ findet.
Es sind Bilder, die an Krisengebiete erinnern, statt an europäische Metropolen: In vielen Städten – von Berlin bis in die Wiener Innenstadt – greifen Geschäftslokale zu drastischen Mitteln. Unternehmer verbarrikadieren ihre Läden, nageln Holzplatten vor die Schaufenster.
Herbert Kickl schrieb am Samstagnachmittag die geplanten Proteste „radikalen Linksextremisten und nicht integrierbaren Migrantengruppen“ zu – ähnliche Bilder aus Frankreich sind gerade einmal zwei Wochen alt. „So weit haben wir es mittlerweile in Europa gebracht, dass sogar schon Unternehmer ihre Schaufenster schützen müssen. Ist das alles noch normal?“, so Kickl auf Facebook. Das Posting erreichte binnen drei Stunden mehr als 1300 Reaktionen und 300 Kommentare ...
Die „Krone“ hat sich in der Wiener Innenstadt umgesehen (siehe Video oben).
Die Bewegung beziehungsweise der TikTok-Trend „Gen Z regelt“ ist in seiner Ursprungsform nicht per se linksradikal, steht aber im Fokus massiver politischer Debatten und Sicherheitswarnungen.
Social-Media-Phänomen: Die „Gen Z regelt“-Kampagne entstand als digitaler, viral auf TikTok und WhatsApp verbreiteter Jugendprotest (nach Vorbild von Unruhen oder Blockaden in Frankreich). Inhaltlich ging es vordergründig um Jugendthemen, Unzufriedenheit mit der Politik, Bildung oder Zukunftssorgen. Organisatoren betonten vielfach, man wolle friedlich demonstrieren.
Vorwürfe und Unterwanderung: Sicherheitsbehörden, konservative Politiker und Medien warnten in mehreren Ländern davor, dass radikale und extremistische Gruppen – darunter gezielt linksextreme Szene-Akteure sowie gewaltbereite Gruppierungen – diesen Trend kapern, um ihn für Ausschreitungen, Randale oder Vandalismus zu instrumentalisieren.
Stimmungsbild: Während Kritiker und Behörden vor einer Radikalisierung und dem Abgleiten in chaotische Zustände warnen, erklären Soziologen: Es handle sich um ein breit gefächertes und sehr unübersichtliches Jugendphänomen auf Social Media, bei dem Frustration, Mitläufereffekt und radikale Trittbrettfahrer Hand in Hand gehen.
„Wir wollen eine Kampfansage an die Bundesregierung machen. Wir als Studenten und Schüler merken, dass uns die Zukunft genommen wird“, heißt es unter anderem von „Gen Z regelt“. Sie wollen „laut sein“ – im Kampf gegen marode Schulen, fehlendes Lehrpersonal und Studiengänge, die gestrichen werden. „Wir sind gegen Krieg und Aufrüstung und fordern mehr Investitionen in Bildung und Soziales“, sagt Z-Sprecherin Veronika Dinter (23), eine linke Studentenvertreterin aus Deutschland.
Dass die – zum Teil gut gemeinten – Studentendemos längst keine Studentendemos mehr sind, zeigen die vergangenen Wochen. Gewaltexzesse in Paris, Mailand, Rom – in Barcelona wurden Touristen und Bewohner gewarnt, die Hauptschauplätze zu meiden.
Italien: „Eltern haften für ihre Kinder“
Italien greift jedenfalls durch: Härtere Strafen für gewalttätige Demonstranten sind fix und rigoros. Ebenso geht es Beteiligten bei gewaltsamen Protesten an den Kragen. Zusammengefasst: „Eltern haften für ihre Kinder“. Und zwar finanziell. Wer bei einer Demo als Teil einer Gruppe von mindestens fünf Personen die öffentliche Sicherheit gefährdet, bekommt das: bis zu fünf Jahren Haft und eine Geldstrafe von bis zu 20.000 Euro.
Zehnjähriger mit „Sprengstoff“ in Wien
Noch bevor im Land die Halloween-Nacht überhaupt begonnen hat, sorgte unterdessen ein erschreckender Polizeieinsatz in Wien für Aufsehen: Ausgerechnet ein erst zehn Jahre alter Bub wurde in Floridsdorf mit einem ganzen Arsenal an pyrotechnischen Gegenständen erwischt. Bei einer Schwerpunktkontrolle am Bahnhof Jedlersdorf entdeckten Polizisten 25 Böller der Kategorie F2 im Rucksack des Kindes. Besonders heikel: Der Bub hatte auch eine Deodorant-Spraydose dabei, an der ein pyrotechnischer Gegenstand mit Klebeband befestigt war. Woher der Zehnjährige den „Sprengstoff“ hatte, blieb zunächst unklar. Die Polizei stellte die Gegenstände sicher, zeigte den Buben an und übergab ihn den Eltern.
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