Vor fünf Jahren wurde das Klimaticket eingeführt und revolutionierte den öffentlichen Verkehr in Österreich. Trotz all dem Erfolg scheitern Land und Bund bislang an einer konkreten Ticketlösung zur Koralmbahn ...
Einsteigen, hinsetzen, ankommen – das Klimaticket erleichtert die Transportwege vieler Kärntnerinnen und Kärntner seit fünf Jahren deutlich. Wer den Service ein Jahr lang in ganz Österreich nutzen möchte, muss dafür regulär 1400 Euro auf den Tisch legen. Innerhalb der Kärntner Landesgrenzen liegt der Preis für ein Jahresticket bei 449 Euro. In etwa 48.000 Kärntner Haushalten besitzt zumindest eine Person das sogenannte „Kärnten Ticket“.
Besonders die Eröffnung der Koralmbahn im vergangenen Dezember verschaffte den Ticketverkäufen in Kärnten einen deutlichen Anstieg. Bei all dem wirtschaftlichen Erfolg, den die neue Strecke zwischen Kärnten und der Steiermark gebracht hat, bleibt jedoch ein Ärgernis: die „Ticket-Frage“.
Obwohl das Pendeln zwischen den zwei Bundesländern durch die Koralmbahn so einfach wie noch nie geworden ist, sorgt das Ticket-System von Beginn an vor allem bei Pendlern für Unmut. Denn: Reisende, die sowohl ein Klimaticket für Kärnten als auch für die Steiermark besitzen, müssen sich zusätzlich noch ein extra Ticket für die Tunnel-Teilstrecke kaufen.
Grund dafür ist das sogenannte Stückelungsverbot in den Tarifbestimmungen der ÖBB. Jenes Verbot verhindert, dass zwei regionale Tickets für eine durchgehende Fahrt kombiniert werden können.
Kommt jetzt das „KlimaTicket Süd“?
Seit Monaten gibt es anlässlich des Ticketsystems zahlreiche politische Diskussionen – konkrete Lösungen allerdings noch keine. Immerhin ziehen mittlerweile alle Bundesländer an einem Strang und sprechen sich für eine Aufhebung gegen das Stückelungsverbot aus. Stattdessen soll eine Art überregionales Ticket, wie es auch in der Metropolregion Wien, Niederösterreich und Burgenland angeboten wird, des Rätsels Lösung sein.
Die Bundesregierung und die ÖBB haben es in der Hand, diesen gemeinsamen Lebensraum auch in der Ticketgestaltung abzubilden.
Sebastian Schuschnig, Verkehrsreferent
Bleibt nur noch die Frage der Zuständigkeit. Laut Landesvertreter ist die Bundesregierung dafür verantwortlich, diese Tariflücke zu schließen. Dort sieht man die Lage jedoch anders. Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) verweist auf die Verkehrsverbünde in den Ländern, die gemeinsam mit den ÖBB zu einer gemeinsamen Lösung kommen müssen.
Zudem birgt die Finanzierung eines solchen Tickets eine weitere Herausforderung. Die ÖBB würden durch ein Kombi-Ticket Einbußen einfahren, die es auszugleichen gilt. Die Länder wollen jedoch nicht für diese Mehrkosten aufkommen.
„Derzeit wollen die ÖBB das Problem auf die Bundesländer abwälzen: Das würde die beiden Verkehrsverbünde in Kärnten und der Steiermark bis zu 15 Mio. Euro im Jahr kosten, ohne dass dafür ein einziger zusätzlicher Angebotskilometer für die Bahn-Nutzer ermöglicht wird“, informiert das Regierungsbüro von Landesrat und Verkehrsreferent Sebastian Schuschnig.
Stattdessen wollen die Landesregierungen den Bund finanziell ins Boot holen. Dort kassierte man jedoch bislang Absagen. 30 Jahre hat die Umsetzung der Koralmbahn gedauert – bleibt zu hoffen, dass die „Ticket“-Frage schneller gelöst wird ...
In den kommenden zwei Jahren stehen auf Gemeinde- und Landesebene Wahlen an. Aber auch abseits demokratischer Prozesse sollte die Meinung der Kärntnerinnen und Kärntner wieder mehr Gewicht bekommen.
Unsere Umfrage soll eine Basis dafür sein, dass auch wir besser verstehen, was Sie, liebe Leserinnen und Leser, bewegt. Denn nur dann können wir die richtigen Fragen stellen und die Probleme benennen. So wie bei einem gemeinsamen Koralm-Ticket ...
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