Ein neuer „Integrationsmaßstab“ soll nach der Vorstellung von Wiens Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos) zum klaren Pflichtenheft für Zuwanderer werden. Dazu gibt es das politische Eingeständnis: „Wir müssen nachbessern“.
Nach „Prinzip Wien“, der Wien-Charta, der „Hausordnung“ und dem Integrationsmonitor soll jetzt der „Integrationsmaßstab“ mit Problemfeldern im Zusammenhang mit Migration aufräumen. Aufbauen soll ihn Integrationsexperte Kenan Güngör im Auftrag des Rathauses.
Resultate statt „Hochglanzfolien“ als Ziel
Was soll diesmal anders sein als bei allen Bemühungen davor? Bisher habe der „große gemeinsame Rahmen“ mit „allen an einem Tisch“ gefehlt, sagt Güngör. Integrationspolitik in Wien bestehe aus „sehr vielen Bausteinen“. Bei manchen gehe es nur um eingeforderte Werte, bei anderen wiederum nur um erhoffte Ziele. Das soll nun anders werden, denn: „Hochglanzfolien haben wir genug.“
Als erster Schritt soll bis Anfang 2027 ein
Für den Kodex hat Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos) offenbar schon einiges im Kopf: „Über Grundwerte verhandeln wir nicht“, betont sie. Auch sei ihr „sehr wohl erschreckend bewusst, dass jedes zweite Volksschulkind dem Unterricht nicht folgen kann – und das bei Kindern, die in Österreich geboren sind.“ Eltern seien in die Pflicht zu nehmen. Erreichen will sie, dass auch Zuwanderer „sich als Wiener fühlen und dadurch Verantwortung spüren, selbst gerne einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten“. Bei all dem müsse man „nachbessern“, räumt die Integrationsstadträtin ein.
Integration heißt mehr als nur hier leben wollen. Wien macht unzählige Angebote, dafür erwarten wir auch einen Beitrag.

Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos)
Bild: Zwefo
SPÖ-Gemeinderätin Astrid Pany will per Integrationsmaßstab vor allem Antworten auf die Frage finden: „Warum nehmen die Menschen die Angebote nicht an?“. Auch die SPÖ wolle, dass Integration gelingt, allerdings „aus einer anderen Haltung heraus“ als politische Mitbewerber: Eröffne man Wege zu Chancen und Teilhabe, stärke das auch die Eigenverantwortung.
„Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht“
Güngör sieht Wiens Bevölkerung „enormem Veränderungs- und Wachstumsstress“ ausgesetzt. Das erzeuge große „Sehnsucht nach Verlässlichkeit und Berechenbarkeit“. Das müsse man ernst nehmen. Wien arbeite zwar aktiver an Integration als viele andere Städte, findet Güngör. Allerdings sehe man dabei oft „den Wald vor lauter Bäumen nicht“. Er wolle nun „den Wald konturieren“. Eine „Garantie des Gelingens“ gebe es dabei freilich nicht.
Ein Positivbeispiel: Vom Flüchtling zur Koch-WM
Wie Integration funktionieren kann, zeigt die 18-jährige Anastasia. Sie floh vor vier Jahren gemeinsam mit ihren Eltern und drei jüngeren Brüdern vor dem Krieg in der Ukraine nach Wien. Damals war sie noch ein Kind. Heute kocht die junge Frau als Lehrling in den Häusern zum Leben – und gilt als Vorzeigetalent. Im November tritt sie für den Betrieb sogar bei der Koch-WM in Luxemburg an.
Die Einser-Schülerin entdeckte ihre Leidenschaft fürs Kochen an der HLW19, einer Wiener Berufsschule für Gastgewerbe in Döbling. Jetzt befindet sie sich im dritten Lehrjahr im Haus Neubau. Dafür steht sie jeden Tag um 04:30 auf. Doch obwohl das anstrengend sei, mache die Arbeit ihr großen Spaß. Und Anastasia ist auch sehr gut in dem was sie tut: Beim letzten Praxischeck der Küchen-Lehrlinge der Häuser zum Leben belegte sie den ersten Platz.
Deutsch hat sie ebenfalls schnell gelernt. Küchenchef Hannes Hiermayer schwärmt von der Ukrainerin: „Als Vorgesetzter kann man sich keinen besseren Lehrling wünschen, sie bereichert unser Team jeden Tag aufs Neue.“
Seit einem Jahr hat Anastasia eine besondere Aufgabe. An vier Tagen im Monat trainiert sie für die Koch-Weltmeisterschaft Ende November 2026 in Luxemburg. Dort wird sie mit dem Team Vienna für die Häuser zum Leben antreten. Bei dem Wettbewerb wird unter Zeitdruckl ein Menü für 120 Personen gekocht. Anastasia ist für die Salatbowl zuständig. Sie hat das Rezept gemeinsam mit einer Kollegin ausgerarbeitet. „Das ist eine Weltklasse Küche“, sagt Anastasia. „Ich freue mich schon sehr auf den Wettkampf.“ Doch egal wie dieser ausgehen wird, die Ukrainerin ist mit ihrem Einsatz ein besonders positives Beispiel für gelungene Integration.
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