Von einem Millionengrab kann laut Rathaus beim College für junge Flüchtlinge keine Rede sein: Wien verbucht das schulische Integrationsmodell als „größten Erfolg“ seit Langem. Es gibt aber auch Schattenseiten. Auch die Stadt selbst räumt ein, dass zu viele auf der Strecke bleiben.
Nach Kritik an den beträchtlichen Kosten für das Wiener Jugendcollege, bei dem Flüchtlinge (maximal) ein Jahr lang in 30 Wochenstunden geblockt Sprache, berufliche Fähigkeiten und Integration lernen, geht das Rathaus mit neuen Zahlen in die Offensive.
„Der größte Erfolg, den ich je erlebt habe“
Die 38 Millionen Euro dafür allein letztes Jahr – Wien muss davon 19 Millionen stemmen – „rechnen sich“ demnach, weil 57 Prozent der Absolventinnen und Absolventen danach keine Mindestsicherung mehr beziehen. Peter Stanzl von der für Soziales zuständigen MA 40 sieht den „größten Erfolg, den ich je erlebt habe – und mich gibt’s schon lang beim Thema Mindestsicherung“.

Von 6129 College-Teilnehmern absolvierten 4702 die Kurse oder waren zumindest „regulär anwesend“. Die „arbeitsmarktpolitische Erfolgsquote“ wird mit 51 Prozent angegeben. Darin sind aber nicht nur jene Absolventen enthalten, die danach einen Job haben, sondern auch jene, die danach weitere Schulungen absolvieren. AMS und Stadt betonen, damit liege man „etwa 10 bis 20 Prozentpunkte über vergleichbaren Arbeitsmarktprojekten“.
Wenn „die Zukunft freudig ,Hallo’ schreit“
Die Sinnhaftigkeit der Maßnahme ließ man sich auch durch eine WU-Studie bestätigen, die zum Urteil kam, dass so „insbesondere junge Geflüchtete mit niedrigem Bildungsniveau besonders effektiv auf den Arbeitsmarkt vorbereitet“ werden – oder wie es Arbeitsstadträtin Barbara Novak (SPÖ) formuliert: „eine Maßnahme, wo die Zukunft freudig ,Hallo’ schreit“.
Am Standort Praterstraße absolvieren zeitgleich jeweils rund 600 Jugendliche das College – mit, je nach Kursmodul, wechselnden Anfangszeiten von 8 bis 11 Uhr. Das soll helfen, sie darauf vorzubereiten, dass sie künftig ihre Tagesgestaltung eventuell auch auf den Job ausrichten müssen.
Details zur WU-Studie zeigen, dass den Unterschied zu anderen Maßnahmen weniger die einzelnen Kursinhalte als vielmehr das „Schulleben“ selbst ausmacht, indem es klare Struktur und ein konstantes deutschsprachiges soziales Umfeld bietet. Vor allem junge Frauen profitieren davon laut den Zahlen, obwohl laut Stanzl die „Gefahr besteht, dass sie danach wieder in ihren Communitys verschwinden“.
Erfolgsgeschichten und feuchte Augen bei Novak
Als entsprechende Erfolgsgeschichte wurde eine Gruppe Absolventen präsentiert, die per 1. September eine Lehre oder andere Ausbildung beginnen – darunter die 21-jährige Hazar, die Pflegefachassistentin werden will. Davor sorgte sie aber noch bei Novak für feuchte Augen, weil sie ihr eine kleine Brosche als Dank für die Unterstützung der Stadt schenkte.
„Hirnschmalz“ für Verweigerer gesucht
Trotz aller Erfolge wird es aber das noch 2024 angedachte „flächendeckende“ Ausrollen des College-Systems für alle Menschen mit Integrationsbedarf nicht geben. Dass es um’s Geld und vor allem Beiträge von Bund und von der EU geht, wird dabei nicht verhehlt. Jetzt sagt Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) zudem, das System sei „nicht unendlich skalierbar“, etwa, weil es nicht genug Lehrpersonal für Kurse gebe.
Seitens der MA40 wird aber auch eingeräumt, dass das versuchsweise gestartete College-Modell bei Erwachsenen hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Und auch das Jugendcollege ist kein Allheilmittel, gibt Hacker zu: „Vier von zehn bleiben über. Da wird es weiter Hirnschmalz brauchen, um diese Gruppe abzuholen.“
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