Erneut ist die ehemalige österreichische Außenministerin Karin Kneissl äußerst präsent in den russischen Medien. Unter anderem hat sie nun erklärt, dass sie mit dem Entzug der österreichischen Staatsbürgerschaft einverstanden sei.
Vor zwei Jahren bezog die Ex-Politikerin ein Holzhäuschen in der Oblast Rjasan und genießt dort gemeinsam mit ihren Tieren die Ruhe am Land. „Sie ist das Zentrum meines Lebens“, lobt Kneissl die Region gegenüber der russischen staatlichen Nachrichtenagentur „RIA Nowosti“. Aber trotz aller Liebe könne sie keine Russin werden, gesteht die 61-Jährige in einem von „360.ru“ ausgestrahlten Video. Den genauen Grund dafür erwähnt sie nicht.
Im Juli hatte sich Kneissl in einem ungewohnt offenen Interview mit dem lokalen russischen Nachrichtenportal „YA62.ru“ noch deutlich weniger diplomatisch über ihren neuen Heimatort ausgedrückt. Im Dorf gebe es einen grassierenden Alkoholmissbrauch, auch unter jungen Müttern. Zudem würden viele schlecht über sie sprechen und sie wie einen Geldautomaten behandeln. Für Kneissl stand fest, die österreichische Staatsbürgerschaft behalten zu wollen. „Glauben Sie wirklich, dass ich in diesem Alter plötzlich Russin werde? Nein. Ich bin müde und möchte nicht schon wieder alles ändern.“
Kneissl will UNO involvieren
Mittlerweile scheint sie sich aber mit ihrem Schicksal abgefunden zu haben. „Wenn man mich zu einer staatenlosen Person machen will, dann soll es so sein. Ich kann mich an die UNO wenden, sie haben wunderbare weiße Pässe für Staatenlose“, erklärte die ehemalige Außenministerin nun der russischen staatlichen Nachrichtenagentur „RIA Nowosti“.
Ich kann mich an die UNO wenden, sie haben wunderbare weiße Pässe für Staatenlose.

Ex-Außenmimisterin Karin Kneissl
Bild: Zwefo
NEOS leiteten Verfahren zur Aberkennung ein
Der Ausgangspunkt für die Diskussion war eine entsprechende Initiative der NEOS. Die, wie das Nachrichtenportal „News.ru“ explizit erwähnt, durch die „Kronen Zeitung“ bekannt geworden war. „Im Dienste Putins, etwa im Russischen Wirtschaftsinstitut oder als Kolumnistin auf dem in Österreich verbotenen Sender RT, verbreitet Kneissl sinnbildlich nur eine Botschaft: Österreich sei der Vorhof zur Hölle, Putins Russland der Garten Eden. Wer glaubt, dass diese Auftritte ehrenamtlich und aus reiner Nächstenliebe erfolgen, glaubt auch an Väterchen Frost“, hatte Klubobmann Yannick Shetty dazu erklärt.
Wer glaubt, dass diese Auftritte ehrenamtlich und aus reiner Nächstenliebe erfolgen, glaubt auch an Väterchen Frost.

NEOS-Klubobmann Yannick Shetty
Bild: Zwefo
Die Rechtslage scheint in diesem Fall jedenfalls klar zu sein: Wenn eine Österreicherin für einen fremden Staat arbeitet und dabei das Ansehen der Alpenrepublik schädigt, wird die Staatsbürgerschaft von den Behörden aberkannt.
Im Dienst der russischen Propaganda
Kneissl war von 2017 bis zum Ibiza-Skandal 2019 Österreichs von der FPÖ nominierte Außenministerin. Kritiker sehen sie ganz im Dienst der russischen Propaganda stehen. Nicht nur hatte sie Russlands Präsident Wladimir Putin 2018 zu ihrer Hochzeit in die Steiermark – samt Knicks – eingeladen, sondern ihn auch mehrmals persönlich getroffen.
„Im September 2020 verließ Karin Kneissl aufgrund anhaltender Morddrohungen und eines faktischen Arbeitsverbots in Österreich unfreiwillig ihr Heimatland“, heißt es auf ihrer offiziellen Homepage. Sie übersiedelte zunächst nach Frankreich, dann in den Libanon und schließlich nach Russland. Dort leitet sie heute den Thinktank „Gorki-Zentrum“.
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