„Preise explodieren“

EU aushebeln? FPÖ mit neuem Vorstoß für Russen-Gas

Innenpolitik
19.10.2026 18:16
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der europäische Gaspreis erreichte am Montag mit 89,57 Euro je Megawattstunde den höchsten Stand seit Ende 2022 und hat sich seit Jahresbeginn etwa verdreifacht. Die FPÖ will deshalb eine EU-Krisenklausel aktiviert sehen, wodurch Gasimporte aus Russland wieder möglich würden. 

Die Freiheitlichen fordern eine sofortige Aussetzung der Sanktionen gegen russisches Erdgas. Mit der EU-Verordnung 2026/261 gibt es eine Krisenklausel, die eine Aussetzung des Importverbots für russisches Erdgas ermöglicht. Die FPÖ fordert die Bundesregierung daher auf, sich auf EU-Ebene umgehend für eine Aktivierung dieses Mechanismus einsetzen.

„Müssen endlich handeln“
„Die nächste Energiepreiskrise rollt auf Österreich zu und die Bundesregierung muss endlich handeln. Wir brauchen mehr Gasangebot am Weltmarkt, um den explodierenden Preisen entgegenzuwirken“, betonte FPÖ-Energiesprecher Paul Hammerl am Montagabend.

FPÖ will Haushalte entlasten
Gleichzeitig müsse Österreich ihm zufolge die nationale CO2-Bepreisung auf Erdgas abschaffen und die Erdgasabgabe auf das EU-Mindestmaß reduzieren. Laut Hammerl würden dadurch Haushalte mit 15.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch um rund 270 Euro jährlich entlastet und die Weltmarktpreise „sofort“ gesenkt werden. Wie er auf die 270 Euro kommt? „180 Euro durch den Wegfall der CO2-Bepreisung und weitere 90 Euro durch die Senkung der Erdgasabgabe“, erklärt Hammerl.

Zitat Icon

Wir brauchen mehr Gasangebot am Weltmarkt, um den explodierenden Preisen entgegenzuwirken.

FPÖ-Energiesprecher Paul Hammerl

Die Gasspeicher in Österreich sind aktuell zu 69 Prozent gefüllt (in Deutschland zu 61 Prozent). „Für die Haushalte droht der nächste Preisschock, für unsere ohnehin schwer angeschlagene Industrie bedeutet es einen existenzbedrohenden Wettbewerbsnachteil!“, warnt Hammerl.

Angriffe in Straße von Hormuz und Auffüllen der Speicher
Als wesentlicher Preistreiber bei Erdgas gelten Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormuz und auch das verstärkte Auffüllen der Gasspeicher vor dem Winter. Zuletzt hatte die britische Marine gemeldet, dass zwei Tanker im Persischen Golf getroffen wurden. In den vergangenen Tagen wurden mehrfach Handelsschiffe angegriffen und damit der Transport von wichtigen Energierohstoffen aus den Fördergebieten aus dem Persischen Golf durch die Straße von Hormuz erschwert.

Als wesentlicher Preistreiber bei Erdgas gelten Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von ...
Als wesentlicher Preistreiber bei Erdgas gelten Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormuz.(Bild: AFP)

Seit Beginn des Monats geht es mit dem Gaspreis tendenziell nach oben. In dieser Zeit hat sich der Rohstoff um etwa ein Viertel verteuert. Seit Beginn des Jahres hat sich der Preis für europäisches Erdgas in etwa verdreifacht. Zuletzt war er zu Beginn des Ukraine-Kriegs stark gestiegen, wobei die Notierungen damals noch viel höher bis auf über 300 Euro je MWh gesprungen waren.

Einspeicherungen sorgen für hohe Nachfrage
Hinzu kommt, dass Deutschland und anderen EU-Länder bemüht sind, die Gasreserven vor dem Winter zu erhöhen. In Deutschland wurde das staatliche Unternehmen SEFE Securing Energy for Europe im September angewiesen, zusätzliches Gas für die Speicherbestände zu beschaffen. Dies hat die Nachfrage und damit Preise zusätzlich steigen lassen. 

Trump setzt beschlossene Russland-Sanktionen aus
Erst kürzlich legte US-Präsident Donald Trump ein im September beschlossenes Sanktionspaket gegen Russland auf Eis. Das Sanktionspaket, das Trump vor knapp einem Monat selbst unterzeichnet hatte, richtete sich insbesondere gegen den russischen Energiesektor. 

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