Fährt weit, aber...

Hyundai Ioniq 3: Topversion im Sprint Schlusslicht

Motor
18.10.2026 17:00

Seine vier Leuchtpunkte an der Front stehen für das H wie Hyundai im Morsealphabet. Seine 4,16 Meter für die Antwort der Koreaner auf den elektrischen VW ID. Polo. Nach der ersten Ausfahrt im Produktionsland Türkei hätten wir aber schon noch eine Frage: Wieso legt ausgerechnet die sportliche N-Line den langsamsten Sprint hin?

Technisch ist der Ioniq 3 eng verwandt mit den 400-Volt-Elektrikern EV2 und EV3 von Schwesterkonzern Kia, optisch grenzt er sich jedoch deutlich ab – statt SUV-Look sehen wir hier ein Aero Hatch. Also ein Kompaktauto, das mit seinem cw-Wert von 0,263 besonders aerodynamisch sein soll. Und auch so aussehen soll. Ein bisschen erinnert es uns allerdings an den seligen Veloster von 2011.

(Bild: Hyundai)

Anders als das 2+2-Sitzer-Sportcoupe mit dem eigenwilligen Drei-Türen-Konzept hat der Ioniq 3 fünf Türen und fünf Sitze. Bei der Formgebung will Hyundai darauf geachtet haben, dass für alle genug Platz herrscht. Auch auf der Rückbank. Tatsächlich hat man auch mit 1,80 Metern hinter einem Gleichgroßen viel Kniefreiheit, die Beine müssen wegen der Akkus im Unterboden etwas weiter angezogen werden. Über dem Scheitel der Hinterbänkler herrscht auch noch Luft, schließlich sind die Rückenlehnen im Winkel verstellbar.

(Bild: Hyundai)
(Bild: Hyundai)
(Bild: Hyundai)

Exakt so groß wie der ID. Polo
Dahinter findet man einen Kofferraum mit 441 Litern – Zufall oder nicht: Das ist exakt gleich viel wie beim VW ID. Polo. Einen „Frunk“ gibt es da wie dort nicht. Für mehr Platzbedarf gibt es eine optionale „Megabox“, also eine Extra-Mulde unterhalb des Kofferraumbodens.

Ganz vorne mangelt es nicht an Platz und Ablagen, allerdings auch nicht an harten Kunststoffen. Die jedoch wertiger aussehen als sie sind. Ein Kunstgriff beim Kunststoff. In der Mittelkonsole kann ein Handy induktiv geladen werden. Darüber gibt es netterweise ein paar Tasten für Klimasteuerung sowie – sofern man zu Ausstattung Prime oder N-Line Evo gegriffen hat – Sitzheizung und sogar Sitzbelüftung. Weiter oben thront je nach Ausstattung ein 12,8 oder 14,6 Zoll großes Infotainment, dessen „Pleos Connect“ System auf Android Automotive basiert.

(Bild: Hyundai)

Dessen Menüführung ist weitgehend übersichtlich, die Oberfläche erinnert an Tesla - mit der Verkehrs-Rundumsicht und der Geschwindigkeitsanzeige in der linken oberen Ecke. Dabei hat der Ioniq 3 ein Tachodisplay. Und zwar eines, wie wir es bei einem Hyundai-Modell noch nicht gesehen haben: Ein 9,9-Zoll-Display legt sich extraflach unter der Frontscheibe. Und ist gut sichtbar, weil das Lenkrad-Oval kleiner ausfällt.

(Bild: Hyundai)

Freude am Fahren
Das passt gut zum Fahrgefühl: Die Lenkung arbeitet direkt, könnte bloß noch etwas mehr Rückmeldung geben. Die Verbundlenkerachse hat Hyundai mit hydraulischen Anschlägen verbessert, so wird ein guter Spagat aus Komfort und Sportlichkeit geschafft. Allzu viel Wank- oder Rollbewegungen gibt es dank des tiefen Schwerpunkts nicht, da kommt in Kurven tatsächlich Freude auf. Die Bremsen arbeiten unauffällig, was nicht von allen E-Autos sagen kann, hier kann auch mittels Paddles am Lenkrad die Rekuperation einstellen – von automatisch bis hin zum Ein-Pedal-Fahren.

(Bild: Hyundai)
(Bild: Hyundai)

Bei den Antrieben kann man in zwei Richtungen lenken: Den Einstieg ab 29.990 Euro macht eine LFP-Batterie mit 42,2 kWh. Die soll für bis zu 344 km reichen, geladen wird an der Wallbox mit 11 kW, optional auch mit 22 kW. Am DC-Schnelllader saugt der Basis-Ioniq mit maximal 119 kW, damit soll es von 10 auf 80 Prozent in 29 Minuten gehen. Der Einsteiger-Akku kommt in Verbindung mit einem 107,8 kW/147 PS Elektromotor an der Vorderachse – und damit übertrumpft er sogar das (vorläufige) Topmodell…

Bis zu 497 km Reichweite
Denn alternativ gibt es eine 61,0-kWh-NMC-Batterie für bis zu stattliche 497 km Reichweite. Die man tatsächlich schaffen kann, bei unserer Ausfahrt in der Türkei standen trotz Autobahn-Abschnitt vorbildliche 12,0 kWh/100 km im Schnitt auf dem Tacho. Der größere Akku beliefert allerdings einen „nur“ 99,5 kW/135 PS starken E-Motor. Und auch wenn die beiden Batterie-Größen beim Gewicht (1550 bzw. 1555 kg) kaum einen Unterschied machen, so sind die Fahrleistungen doch unterschiedlich.

(Bild: Hyundai)

Der Ioniq 3 mit dem kleineren Akku sprintet in 8,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h, jener mit der größeren in 9,5 Sekunden. Der größere Akku braucht übrigens auch am Schnelllader länger: 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent, die maximale Ladeleistung beträgt 110 kW. Immerhin: bei der Spitzengeschwindigkeit liegen beide Modelle mit 170 km/h gleichauf.

Ausgerechnet die sportlich aussehende N-Line Evo ist sogar die langsamste Version: Wegen der 19-Zoll-Alus (in der Basis sind es 16 Zoll) geht es in nur 9,6 Sekunden auf Tempo 100. Dabei steht die Topversion für 43.990 Euro mit schwarz lackierten Akzenten, Heckdiffusor und größerem Heckspoiler (ein kleinerer ist ja Serie), Sportsitzen und Sportlenkrad wirklich schnittig auf der Straße, so ist aber nicht nur der Motorsound ein bisschen geflunkert.

(Bild: Hyundai)
(Bild: Hyundai)
(Bild: Hyundai)

Fahrzit?
Der Ioniq 3 sieht spannend aus, er wurde übrigens in Deutschland designed, bietet jede Menge Platz, ordentlich Reichweite und ein feines Handling. Dass die sportliche Topversion die langsamste ist, wird manchen jedoch irritieren. Eine echte N-Version wäre uns am liebsten, um Klarheit zu schaffen.

Warum?
viel Platz
Effizienz und Reichweite
feines Handling

Warum nicht?
Topversion sieht nur sportlich aus

Oder vielleicht?
Kia EV3, Kia EV2, VW ID. Polo, Skoda Epiq, Cupra Raval

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