Bis zu 90 Prozent weniger CO₂-Emissionen versprach der Öko-Treibstoff HVO100 – Post, Spar und Dr. Richard waren nur wenige der Transportunternehmen, die ihre Flotten umgerüstet hatten. Doch jetzt sind die Preise explodiert und die Verbrauchszahlen um drei Viertel eingebrochen. Was steckt dahinter?
„Man hat mir gesagt, ich bin übergeschnappt“, sagt Johannes Matzhold. 2022 hat der Transportunternehmer einen fünfstelligen Betrag investiert, um seine 80 Lastkraftwägen mit einem neuen Treibstoff durch die Oststeiermark kurven zu lassen: HVO100. Das steht für Hydrotreated Vegetable Oil – ein Treibstoff ohne fossilen Fußabdruck und angeblich mit bis zu 90 Prozent weniger CO₂-Ausstoß.
Matzhold hat es geschafft, seine Klimabilanz von 4700 Tonnen CO₂ im Jahr 2022 auf 1400 Tonnen 2025 zu reduzieren. Auch wenn der Preis ein wenig höher lag, hat sich das HVO-Tanken ausgezahlt – der Öko-Diesel ist steuerbegünstigt, man sparte Reparaturkosten und verbrauchte fünf bis sieben Prozent weniger, so Matzhold. Und man konnte damit werben.
Das ist schade und geht auf die Kosten der Umwelt und des Klimas.

Spediteur Johannes Matzhold aus St. Ruprecht an der Raab (Stmk.)
Bild: Steirerkrone
Viele große Unternehmen taten es ihm gleich: Die Post betankte einige Lkw mit HVO100, Spar sparte mit 300 Lkw 10.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid, Busbetreiber Dr. Richard rüstete 180 Busse um. Für alle Unternehmen war der erneuerbare Kraftstoff als Übergang gedacht, bis Elektro- und Wasserstoff-Transporter einsatzfähig würden.
Diesel besteht wieder aus Erdöl
Heute fließt wieder fossiler Erdöl-Diesel in die Tanks Hunderter Lkw und Busse in Österreich. Die Verbrauchsstatistik zeigt im Juni einen Einbruch von 78 Prozent bei allen hundertprozentigen Biokraftstoffen im Vergleich zum Vorjahr. Während der Preisunterschied zu „normalem“ Diesel früher bei sechs bis zehn Cent pro Liter lag, blecht man jetzt rund 30 Cent mehr. Was ist passiert?
Der Grund liegt in einem Skandal. 2025 flog auf, dass eine chinesische Scheinfabrik zu Unrecht HVO zertifiziert hatte. Die Mineralölbranche zitterte daraufhin vor Steuernachzahlungen, aber warnte vor strengen Kontrollen. Genau die sind jetzt Realität. „Man hat den Bereich mit Regulierungen torpediert und die Preise sind explodiert“, sagt Jürgen Roth, Tankstellenbetreiber und Obmann des Fachverbandes Energiehandel in der WKO. Weil die richtigen Herkunftsnachweise schwer zu erbringen sind, gibt es nicht ausreichend HVO100 am Markt.
„Durch verschärfte Prüfverfahren, eine sinkende Verfügbarkeit sowie die stark gestiegenen Preise ist der Einsatz derzeit wirtschaftlich nicht darstellbar“, sagt auch Dr.-Richard-Geschäftsführer Lukas Hackl.
„Klimabilanz wird schlechter ausfallen“
Währenddessen vermuten so manche Mineralölvertreter auch ein Politikum. „Manche denken, man kann nur durch Elektrifizierung CO₂ reduzieren“, sagt Jügen Roth. Viele, darunter Dr. Richard und Matzhold, haben auf eine Alternative namens H7 umgestellt – fossiler Treibstoff, dem sieben Prozent hydriertes Pflanzenöl zugefügt wird. „Unsere Klimabilanz wird 2026 sicher schlechter ausfallen“, sagt Matzhold. „Jetzt wollen wir versuchen, stärker in Richtung E-Mobilität zu gehen.“ Da fehlt gerade für lange Strecken allerdings vielerorts die Infrastruktur.
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