Die Kritik von Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Vorgehen Israels im Gazastreifen und im Westjordanland („Kriegsverbrechen“, „Verletzungen des Völkerrechts“) hat in Israel große Empörung auslöst. Doch auch die FPÖ reagierte entsetzt und bezeichnete den Präsidenten als „Hamas-Versteher“. Angesichts der weiterhin dramatischen humanitären Situation vor Ort schlagen sich nun mehrere Hilfsorganisationen auf die Seite Van der Bellens und fordern die Bundesregierung zu Taten auf.
Ein Waffenstillstand, der täglich gebrochen werde, verdiene seinen Namen nicht, sagte Caritas-Österreich-Vizepräsident Alexander Bodmann am Freitag am Rande einer kleinen Kundgebung vor dem Außenministerium in Wien mit Verweis auf UNO-Angaben, wonach seit Oktober 2025 1123 Menschen im Gazastreifen getötet und 3616 verletzt wurden. „Das ist kein Waffenstillstand, sondern Krieg gegen die Zivilbevölkerung, die unter katastrophalen humanitären Zuständen leidet“, erklärte er hinter einem symbolischen Krankenbett. Auch wies eine Schranke mit Stoppschild und Paketen mit der Aufschrift „Hilfsgüter“ auf große Probleme hin, diesbezügliche Lieferungen zu bedürftigen Menschen in den Gazastreifen zu transportieren.
„Dass die Welt zusieht, ist beschämend“
Seit Beginn dieses Krieges seien in dem Palästinensergebiet mehr als 73.000 Menschen gestorben, darunter geschätzte 18.000 Kinder. Auch gebe es dort die größte Gruppe amputierter Kinder, klagte er. „Dass so etwas geschehen kann, ist verstörend. Dass die Welt dabei zusieht, ist beschämend“, erklärte der Caritas-Funktionär. Gleichzeitig betonte er, dass die Verbrechen der Hamas am 7. Oktober 2023 mit über 1200 Ermordeten und 251 Verschleppten sowie ein wachsender Antisemitismus durch nichts zu rechtfertigen seien. Für die Caritas gelte jedoch, dass das Leid einer Gruppe nicht das Leid einer anderen Gruppen aufheben könne und die Menschenwürde unteilbar sei.
Israel entzog Dutzenden Hilfsorganisationen die Registrierung
Seine Erlebnisse als Einsatzleiter von „Ärzte ohne Grenzen“ in den besetzten palästinensischen Gebieten zu Jahresbeginn 2026 lassen ihn nicht mehr los, schilderte seinerseits Marcus Bachmann, humanitärer Berater der NGO. Damals hätten die israelischen Behörden „Ärzte ohne Grenzen“ und Dutzenden weiteren Hilfsorganisationen die Registrierung entzogen. „Das hatte zur Folge, dass alle internationalen Mitarbeitenden den Gazastreifen, das Westjordanland und Ost-Jerusalem verlassen mussten“, erzählte er.
„Meinl-Reisinger muss Konsequenzen ziehen“
Palästinische Kolleginnen und Kollegen leiteten unter schwierigsten Bedingungen weiterhin medizinische und humanitäre Nothilfe, müssten dabei jedoch in ständiger Sorge um sich und ihre Angehörigen leben. Auch seien humanitäre Helfer und medizinisches Personal durch Angriffe getötet worden. „Österreich darf dieses Vorgehen der israelischen Führung nicht länger tolerieren. Wir fordern Außenministerin Beate Meinl-Reisinger auf, Konsequenzen zu ziehen“, erklärte der Vertreter von „Ärzte ohne Grenzen“.

Die Bundesregierung hätte da „vielfältige Optionen“ – auf bilateraler, auf EU-Ebene sowie ab Jahresbeginn 2027 auch als nichtständiges Mitglied des UNO-Sicherheitsrates, so Bachmann. Er begrüßte gleichzeitig die Aussagen Van der Bellens, der kürzlich bei der UNO in New York Kriegsverbrechen Israels anprangerte, sowie von Außenministerin Meinl-Reisinger, die der israelischen Regierung das Überschreiten von „roten Linien“ vorgeworfen hatte. Dadurch gebe es in Österreich vielleicht zum ersten Mal eine differenzierte öffentliche Debatte, welche Verantwortung die israelische Regierung bei der Einhaltung des internationalen Völkerrechts habe, erklärte Bachmann.
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