Mo, 23. Juli 2018

"The Interview"

26.12.2014 08:17

Nordkorea-Satire in Hunderten US-Kinos angelaufen

Nach einer breiten kulturellen und politischen Debatte ist die Nordkorea-Satire "The Interview" nun in den USA angelaufen. In mehr als 300 Kinos startete am Donnerstag der Film über ein Mordkomplott gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, nachdem die Produktionsfirma Sony ihn wegen Terrordrohungen zunächst zurückgehalten hatte.

Viele Menschen gingen "aus Prinzip" ins Kino und sehen in "The Interview" ein Symbol für die freie Meinungsäußerung. "Ich hatte ursprünglich gar nicht vor, den Film zu sehen, aber nach allem, was passiert ist, glaube ich, dass unsere Unterstützung wichtig ist", sagte einer der Zuschauer im West End Cinema in Washington.

In einem Kino in Los Angeles sorgte einer der Schauspieler aus dem Film, Seth Rogan, gemeinsam mit Co-Regisseur Evan Goldberg mit einem spontanen Besuch für eine Überraschung. "Die Tatsache, dass er hier gezeigt wird und ihr alle gekommen seid, ist super aufregend," erklärten sie.

Film sollte aus Angst vor Anschlägen nicht gezeigt werden
Ursprünglich hätte der Film am Christtag in 2.500 US-Kinos an den Start gehen sollen. Eine Hackergruppe startete jedoch einen Angriff auf Sony und drohte wegen des Films mit Anschlägen, woraufhin zahlreiche US-Kinos verkündeten, "The Interview" aus dem Programm zu nehmen. Das wiederum veranlasste Sony, den Filmstart abzusagen. Nach heftiger Kritik seitens Kultur und Politik entschied sich der Konzern schließlich, den Film doch zu veröffentlichen: in mehreren Hundert Kinos sowie gegen Gebühr auf diversen Internetplattformen.

Josh Levin, Mitbesitzer des West End Cinema, sagte dazu, er zeige den Film "aus Prinzip", und das Publikum habe dies begrüßt. Es dürfe nicht sein, dass wenige Menschen bestimmten, was in den USA im Kino laufe und was nicht. "Wir haben alle unsere Eintrittskarten für heute binnen einer Stunde verkauft", sagte Levin. "Wir sind auch für morgen und Samstag ausverkauft."

Mit den "wenigen Menschen" ist die nordkoreanische Führung gemeint - das FBI ist davon überzeugt, dass Pjöngjang selbst hinter dem Hackerangriff steckt. Nordkorea bestritt das, hieß den Angriff selbst allerdings gut. "The Interview" habe die Würde der nordkoreanischen Führung verletzt, beklagte Pjöngjang.

Kritik an Absage kam sogar aus dem Weißen Haus
Kritik an Sony, den Filmstart abzusagen, kam sogar aus dem Weißen Haus: Diese Entscheidung der Produktionsfirma sei ein "Fehler", sagte Präsident Barack Obama. Über den Kurswechsel zeigte sich der Präsident dann "erfreut" - er ließ aber offen, ob er sich die Satire selbst anschauen wird. Auch andere ranghohe Politiker und Hollywood-Vertreter hatten zunächst davor gewarnt, mit der Absage des Films einen gefährlichen Präzedenzfall zu schaffen.

Sony selbst verteidigte den Filmstopp und verwies immer wieder darauf, wegen der Absage der US-Kinos keine andere Wahl gehabt zu haben. Nach eigenen Angaben kontaktierte Sony bereits Mitte Dezember "Google, Microsoft und andere Partner", um nach Alternativen zu suchen. Gezeigt wird der Film im Internet nun unter anderem auf der Plattform YouTube, bei Google Play und bei Xbox Video von Microsoft.

In dem Film geht es um zwei Journalisten, die die Möglichkeit erhalten, Kim exklusiv zu interviewen. Vom Geheimdienst CIA werden sie schließlich damit beauftragt, den Machthaber zu töten. Der Film ist voll von obszönen Anspielungen und Kraftausdrücken. Kim wird darin wenig vorteilhaft dargestellt.

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