Die Wiener Akademie der bildenden Künste feiert ihr 300-jähriges Bestehen mit der Mammutschau „Der große Michelangelo ist tot!“: Akademismus & Avantgarde im Dialog.
Es war ein Superspektakel, als Michelangelo Buonarroti, „Universalgenie und göttlicher Künstler“, 1564 in Rom starb. Gegen päpstliche Anordnungen schmuggelte man seinen Leichnam nach Florenz und bahrte ihn in der Accademia delle Arte del Disegno auf. Zuvor hatte ihn die eben erst von Cosimo I. und dem Maler Vasari gegründete Akademie zum Oberhaupt gewählt. Die Geburtsstunde der großen Akademien Europas!
Rom, Paris, Wien – 1692 die Malschule des Hofmalers Peter Strudel – folgten. Ihre Statuten als kaiserliche Wiener Akademie wurden aber erst 1726 bestätigt. Hier setzt die Mammutausstellung der Akademie zum 300-jährigen Bestehen an: „Der große Michelangelo ist tot!“, kuratiert von Helmut Draxler, lädt zum Rundgang durch eine selbstkritische Nabelschau, für die man sich Zeit nehmen muss.
Überfordert fühlt man sich jedenfalls: In 15 Kapiteln inszeniert Draxler – ausgehend von Michelangelo, der aus der Wiener Gips-Glyptothek (ab 1692) bestückt wurde – den Diskurs über Akademismus und Avantgarde, Kunst und Kopie, die Revolten anno 1968. Und fragt: Haben die Akademien noch Zukunft?
Zu sehen sind Dokumente, Skulpturen, Druckgrafik, Meistergemälde der Akademiesammlung – von den Flamen über Troger, Füger, Maulbertsch, Waldmüller, die Nazarener. Eine Starparade auch bei den Leihgaben im Dialog mit großen Lehrern und Studenten. Immendorf, Lichtenstein, Kippenberger, Louise Lawler, Picabia gegen Klimt, Schiele, Kokoschka, Boeckl, Arnulf Rainer.
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